Über­ver­sor­gung hält an

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - LA­SAL­LE BROKERAGE ( ZÜ­RICH)

Die Zahl der ak­ti­ven Öl-Bohr­lö­cher in den USA nimmt nicht mehr ab.

Die Roh­stoff­märk­te ten­dier­ten nach dem Fei­er­tags-Wo­che­n­en­de mehr­heit­lich tie­fer. Am Mon­tag blie­ben die wich­tigs­ten Bör­sen fei­er­tags­be­dingt ge­schlos­sen. Ein wich­ti­ger Grund für die Ab­wärts­be­we­gung war die jüngs­te Dol­lar­stär­ke. In we­ni­gen Ta­gen wer­te­te sich die US-Va­lu­ta ge­gen­über den wich­tigs­ten Han­dels­wäh­run­gen rund 4% auf und ver­teu­er­te so­mit die meis­ten in Dol­lar ge­han­del­ten Roh­wa­ren.

Auch die Roh­öl­märk­te konn­ten sich dem Druck der Dol­lar­stär­ke nicht ent­zie­hen. Noch an­fangs Mai er­ziel­te ein Fass Roh­öl der eu­ro­päi­schen Sort Brent (In­ter­con­ti­nen­tal Ex­ch­an­ge, ICE) ei­nen Preis von 69.63 $. Am Di­ens­tag no­tier­te der Fass­preis mit 65.07 $ gut 6% un­ter den jüngs­ten Mehr­mo­nats­höchst­wer­ten. Die Luft scheint auf die­sen Preis­ni­veaus zu­letzt et­was dünn ge­wor­den zu sein. Nach­dem die Spe­ku­lan­ten über län­ge­re Zeit Wo­che für Wo­che neue Re­kord­po­si­tio­nen ak­ku­mu­liert hat­ten, ha­ben die Hedge Funds in den ver­gan­ge­nen Be­richts­wo­chen ge­mäss ICE ih­re Re­kord­kauf­po­si­tio­nen (Longs) in der zwei­ten Wo­che in Fol­ge re­du­ziert – um 13% auf 241 241 Kon­trak­te. Auch US-Roh­öl der Sor­te West Te­xas In­ter­me­dia­te no­tier­te zu Wo­chen­be­ginn mit 59.10 $/Fass rund 5% un­ter den Mehr­mo­nate­höchst von An­fang Mai. In den Au­gen vie­ler Markt­ana­lys­ten dürf­te der Rück­gang der Zahl der ak­ti­ven Bohr­lö­cher in den USA zu En­de sein. Nach fast ei­nem hal­ben Jahr ste­ti­ger Ab­nah­me der so­ge­nann­ten rig counts nahm die Zahl per ver­gan­ge­nen Frei­tag ge­ra­de noch um ein Bohr­pro­jekt ab. Nach der ra­schen Wert­stei­ge­rung von WTI-Roh­öl seit Mit­te März um 42% auf über 60 $/Fass lohnt es sich in vie­len Re­gio­nen der USA wie­der mehr, nach Erd­öl zu boh­ren.

Der US-Schie­fe­rölboom hat­te sich zu­letzt et­was ab­ge­kühlt: Die Re­kord­för­der­men­ge von 9,6 Mio. Fass/Tag wur­de nicht mehr er­reicht. Die Pro­duk­ti­on dürf­te den­noch wei­ter­hin weit über 9 Mio. Fass/Tag lie­gen. Vom En­de des Booms kann al­so kei­nes­falls die Re­de sein, und das dürf­te ei­ni­gen gros­sen erd­öl­ex­por­tie­ren­den Län­dern im Na­hen Os­ten wei­ter­hin Kopf­zer­bre­chen be­rei­ten. Am 5. Ju­ni trifft sich das Erd­öl­kar­tell Opec in Wien. Ei­ne Dros­se­lung der För­der­men­ge dürf­te al­ler­dings be­reits vom Ver­hand­lungs­tisch sein.

Ins­ge­samt scheint der Welt­markt wei­ter­hin sehr gut ver­sorgt zu sein. So­lan­ge sich das glo­ba­le Wirt­schafts­wachs­tum nicht deut­lich be­schleu­nigt, än­dert sich dar­an wohl nichts. Mit Be­ginn der Fahr­sai­son in den USA steigt tra­di­tio­nell der US-Ben­zin­kon­sum. Sai­so­nal dürf­te sich der Ab­schlag von WTI zum eu­ro­päi­schen Brent et­was ver­rin­gern.

Am Kaf­fee­markt pur­zeln die Prei­se: Fu­tures auf Ara­bi­ca-Kaf­fee schlos­sen am ver­gan­ge­nen Frei­tag in New York auf dem tiefs­ten Kurs seit Ja­nu­ar 2014. Aus­lö­ser der vie­len Ver­kaufs­auf­trä­ge am Don­ners­tag könn­te die nach un­ten re­vi­dier­te Preis­pro­gno­se ei­nes wich­ti­gen Markt­teil­neh­mers ge­we­sen sein. Auch chart­tech­nisch be­trach­tet scheint der Kaf­fee­markt schwer «an­ge­zählt» zu sein.

Der Ab­wärts­trend an den Ge­trei­de- und Öl­saa­ten­märk­ten hielt in den ver­gan­ge­nen Ta­gen an. Ei­ne Aus­nah­me war der Wei­zen­markt. Die er­gie­bi­gen Nie­der­schlä­ge in wich­ti­gen An­bau­re­gio­nen der USA könn­ten die Ern­te ver­rin­gern. Zu­sam­men mit der ex­trem ne­ga­ti­ven Po­si­tio­nie­rung spe­ku­la­ti­ver In­ves­to­ren führ­te das zu ei­ner plötz­li­chen, kräf­ti­gen Auf­wärts­be­we­gung bei den Wei­zen­prei­sen. Wei­zen­kon­trak­te no­tier­ten am Di­ens­tag­mit­tag zu 5.13 $/ Bus­hel (Bus­hel = 27,215 kg). Noch An­fang Mai kos­te­te der Kon­trakt 4.6075 $/Bus­hel.

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