Ge­be­rit hat un­ter den Pu­bli­kums­ge­sell­schaf­ten

Der Sa­ni­tär­tech­ni­ker siegt im FuW-Ver­wal­tungs­rats-Ranking vor dem In­dus­trie­kon­zern Georg Fi­scher und dem Tele­com­spe­zia­lis­ten As­com. Ab

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ/UNTERNEHMEN - MAR­TIN GOLLMER

Ge­be­rit hat den bes­ten Ver­wal­tungs­rat ( VR) un­ter 165 Pu­bli­kums­ge­sell­schaf­ten in der Schweiz. Das er­gab das Ver­wal­tungs­rats-Ranking 2015, das der Ak­tio­närs­dienst­leis­ter zRa­ting ex­klu­siv für «Fi­nanz und Wirt­schaft» er­stellt hat. Be­wer­tet wur­den ins­ge­samt 27 Kri­te­ri­en der gu­ten Ver­wal­tungs­rats­pra­xis (vgl. Er­läu­te­rung der Me­tho­de rechts). Von 34 mög­li­chen Punk­ten er­reich­te Ge­be­rit 33. Ein­zig we­gen des Feh­lens ei­ner Frau im VR muss­te sich das Sa­ni­tär­tech­nik­un­ter­neh­men ei­nen Ab­zug ge­fal­len las­sen.

Die Plät­ze zwei und drei im FuW-Ver­wal­tungs­rats-Ranking be­le­gen der In­dus­trie­kon­zern Georg Fi­scher (32 Punk­te) und der Tele­com­spe­zia­list As­com (31 Punk­te; vgl. Ta­bel­le Sei­te 13 und Por­träts Sei­te 14). Den Schluss des Ran­kings bil­den der Rei­se­de­tail­händ­ler Duf­ry, die An­la­ge­ge­sell­schaft Par­ge­sa und der Lu­xus­gü­ter­kon­zern Ri­che­mont (al­le 15 Punk­te, vgl. Ta­bel­le Sei­te 15).

Was ge­fal­len hat

Bei den Un­ter­neh­men auf den ers­ten drei Rän­gen ge­fal­len die ad­äqua­te Grös­se des Ver­wal­tungs­rats, die an­ge­mes­se­ne An­zahl Aus­schüs­se, der ho­he Un­ab­hän­gig­keits­grad der VR-Mit­glie­der, die Ab­senz von In­ter­es­sen­kon­flik­ten bei den VR-Mit­glie­dern, die vor­bild­li­che In­for­ma­ti­ons­po­li­tik ge­gen­über den Ak­tio­nä­ren so­wie die Trans­pa­renz und die Ver­ständ­lich­keit des Ver­gü­tungs­mo­dells für den VR.

Für Micha­el Ot­te, CEO von zRa­ting, sind die Er­geb­nis­se des Ver­wal­tungs­ratsRan­kings 2015 «we­nig über­ra­schend». Ge­be­rit be­legt auch im um­fas­sen­de­ren Cor­po­ra­te-Go­ver­nan­ce-Ranking von zRa­ting re­gel­mäs­sig Spit­zen­plät­ze – in die­sem Jahr Rang zwei (vgl. fuw.ch/300515-1). Auch im Ver­wal­tungs­rats-Ranking 2014 stand der Sa­ni­tär­tech­ni­ker schon auf dem Po­dest. Zum Sprung auf das obers­te Trepp­chen ver­half ihm 2015, dass der Ma­kel der Per­so­nal­uni­on von Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent und CEO nicht mehr be­steht. Georg Fi­scher be­fand sich schon im ver­gan­ge­nen Jahr be­züg­lich Punk­te und Rang na­he der Spit­zen­plät­ze. As­com ver­hal­fen vor­bild­li­che Lö­sun­gen bei der Um­set­zung der Ver­ord­nung ge­gen über­mäs­si­ge Ver­gü­tun­gen bei ko­tier­ten Ge­sell­schaf­ten ( Ve­güV) und bei der Li­mi­tie­rung von Dritt­man­da­ten von VR-Mit­glie­dern zum Sprung nach vorn.

Auf die Fra­ge, was ei­nen gu­ten Ver­wal­tungs­rat aus­zeich­net, ant­wor­ten Ex­per­ten uni­so­no mit ei­nem Stichwort: Di­ver­si­tät. Die­ser Fak­tor be­zieht sich vor al­lem auf Al­ter, Cha­rak­ter, Ge­schlecht, Kennt­nis­se und Na­tio­na­li­tät. «Im VR tref­fen sich kom­ple­men­tä­re Ei­gen­schaf­ten, um so best­mög­lich und ganz­heit­lich die Ober­lei­tung ei­nes Un­ter­neh­mens wahr­neh­men zu kön­nen», sagt Sil­van Fel­der, In­ha­ber und Ge­schäfts­füh­rer der Ver­wal­tungs­rat Ma­nage­ment AG in Lu­zern, ei­ner Ge­ne­ral­un­ter­neh­mung für Ver­wal­tungs­rats­fra­gen. Di­ver­si­tät ist al­ler­dings em­pi­risch nur schwer mit ei­nem quan­ti­ta­ti­ven In­stru­ment zu er­fas­sen. Im FuW-Ver­wal­tungs­rats-Ranking wird denn auch nur der Frau­en­an­teil er­ho­ben.

Eben­so schwer zu mes­sen sind Ri­si­ko­be­reit­schaft und Vor­sicht – zwei Kri­te­ri­en, die für Pe­ter V. Kunz, Ak­ti­en­recht­ler und Di­rek­tor des In­sti­tuts für Wirt­schaft an der Uni­ver­si­tät Bern, ei­nen gu­ten Ver­wal­tungs­rat eben­falls aus­zeich­nen. Ri­si­ko­be­reit­schaft, um sich bie­ten­de Ge­schäfts­chan­cen wahr­zu­neh­men, Vor­sicht, um re­gu­la­to­ri­schen Fall­stri­cken aus dem Weg zu ge­hen.

Ein gu­ter Ver­wal­tungs­rat be­steht zu­dem ge­mäss VR-Ex­per­te Fel­der aus Mit­glie­dern, die «Rück­grat für ei­ne ei­ge­ne Mei­nungs­bil­dung und freie Wil­lens­äus­se­rung» auf­wei­sen. In ei­nem gu­ten Ver­wal­tungs­rat sit­zen über­dies Leu­te, die ge­nü­gend Zeit für ih­re Tä­tig­keit ha­ben, «nicht nur, wenn es gut geht, son­dern auch, wenn es aus­ser­or­dent­li­che Sit­zun­gen braucht», wie Dominique Bie­der­mann, Di­rek­tor bei Ethos, der Stif­tung für nach­hal­ti­ges In­vest­ment und ak­ti­ves Ak­tio­na­ri­at in Genf, an­fügt. Schliess­lich sei sich ein gu­ter Ver­wal­tungs­rat «über sei­ne Rol­le im Kla­ren», wie VR-Ex­per­te Fel­der sagt. Der Ver­wal­tungs­rat ist für über­ge­ord­ne­te Fra­ge­stel­lun­gen und die Aus­ge­stal­tung der Un­ter­neh­mens­füh­rung und -kon­trol­le zu­stän­dig. Die Ge­schäf­te und das Un­ter­neh­men hin­ge­gen wer­den von der Ge­schäfts­lei­tung bzw. dem CEO ge­führt.

Fel­der at­tes­tiert den Schwei­zer Ver­wal­tungs­rä­ten, dass sich ih­re «Pro­fes­sio­na­li­tät in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gross­mehr­heit­lich ver­bes­sert» hat. Er kri­ti­siert aber ih­re «man­geln­de Spie­ge­lungs­fä­hig­keit»: Vie­le Ver­wal­tungs­rä­te tä­ten sich schwer mit Kri­tik von aussen. Ethos-Di­rek­tor Bie­der­mann for­dert des­halb, dass sich Ver­wal­tungs­rä­te re­gel­mäs­sig eva­lu­ie­ren las­sen. Rechts­pro­fes­sor Kunz be­män­gelt die «In­zucht» in Schwei­zer Ver­wal­tungs­rä­ten. Es ge­be nach wie vor sehr vie­le per­so­nel­le Ver­flech­tun­gen zwi­schen den Ober­lei­tungs­gre­mi­en. «Die­se Macht­kon- zen­tra­ti­on bei ein­zel­nen Per­so­nen ist nicht gut», ur­teilt Kunz. «Es gibt ei­ne Kas­te der Su­per­ver­wal­tungs­rä­te.»

Un­heil­vol­ler Cock­tail

In­halt­lich ha­ben sich Schwei­zer Ver­wal­tungs­rä­te im ab­ge­lau­fe­nen Jahr mit ei­nem Mix ver­schie­de­ner The­men be­schäf­tigt. Im Vor­der­grund stand si­cher ein­mal mehr die Um­set­zung der Min­der-Initia­ti­ve bzw. der Ve­güV. Für Uni-Pro­fes­sor Kunz wa­ren denn auch 2014 ju­ris­ti­sche Fra­gen vor­herr­schend. «Die Füh­rung ei­nes Un­ter­neh­mens ist recht­lich an­spruchs­vol­ler ge­wor­den», stellt er fest. «Die An­for­de­run­gen an die Com­p­li­an­ce sind noch­mals ge­stie­gen.»

An­ge­sichts der An­nah­me der Mas­sen­ein­wan­de­rungs­in­itia­ti­ve und des feh­len­den un­ein­ge­schränk­ten Zu­gangs zum EUBin­nen­markt sei auch die Stand­ort­fra­ge ein wich­ti­ges The­ma für die Schwei­zer Ver­wal­tungs­rä­te ge­we­sen, sagt Kunz. Zu­sam­men mit der neu da­zu­ge­kom­men Fran­ken­stär­ke sieht VR-Ex­per­te Fel­der ei­nen «un­heil­vol­len Cock­tail» sich zu­sam­men­brau­en, der be­reits in vie­len stra­te­gi­schen Un­ter­neh­mens­pla­nun­gen sei­nen Nie­der­schlag fin­de: «Die zum Teil be­reits voll­zo­ge­nen und meist un­aus­weich­li­chen Ver­la­ge­run­gen von Ar­beits­plät­zen ins Aus­land sind der ers­te Be­leg da­für.»

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