Deutsch­land: Mehr Ein­fluss für Frau­en

Finanz und Wirtschaft - - VERWALTUNGSRATS-RANKING 2015 - DM,

Die «Di­ver­si­ty»-Kam­pa­gnen für mehr Viel­falt in Auf­sichts­rä­ten und in obers­ten Ma­nage­ment­ebe­nen ha­ben sich in Deutsch­land aus­ge­zahlt. Sie rück­ten die Dis­kus­si­on aus den Vor­jah­ren über an­ge­mes­se­ne Ma­na­ger­ver­gü­tung et­was in den Hin­ter­grund. Am 30. März hat der von der gros­sen Ko­ali­ti­on (Uni­on und SPD) do­mi­nier­te Bun­des­tag – das Par­la­ment – die Frau­en­quo­te ver­ab­schie­det. 2011 hat­te er sie noch ab­ge­lehnt.

Ge­nau ge­nom­men müss­te die Frau­en­quo­te Ge­schlech­ter­quo­te heis­sen. Ab 2016 müs­sen in Auf­sichts­rä­ten von gut hun­dert ko­tier­ten und pa­ri­tä­tisch mit­be­stimm­ten Un­ter­neh­men je min­des­tens 30% der Mit­glie­der weib­lich und männ­lich sein. Pa­ri­tä­tisch be­deu­tet, das Auf­sichts­gre­mi­um wird je hälf­tig aus Ver­tre­tern des Ka­pi­tals so­wie der Ar­beit­neh­mer ge­stellt – ei­ne gän­gi­ge Va­ri­an­te in Deutsch­land. Das Ak­ti­en­ge­setz än­dert sich des­halb: Ei­ne Wahl des Auf­sichts­rats durch die Ge­ne­ral­ver­samm­lung «un­ter Ver­stoss ge­gen das Min­dest­an­teils­ge­bot» ist nich­tig. Wei­te­re 3500 Fir­men im KMU-Be­reich müs­sen sich zu­dem ver­bind­li­che Zie­le für die Er­hö­hung des Frau­en­an­teils set­zen («Fle­xi­quo­te»), die sie nicht mehr un­ter­schrei­ten dür­fen. Auch Un­ter­neh­men der öf­fent­li­chen Hand sind ein­be­zo­gen: Die Re­form ei­nes Zun­gen­bre­chers – des Bun­des­gre­mi­en- be­set­zungs­ge­set­zes – er­mög­licht dies. Die Ein­füh­rung ei­ner Frau­en­quo­te sorg­te lan­ge für Zünd­stoff. 1994 wur­de be­reits die Frau­en­för­de­rung im öf­fent­li­chen Di­enst fest­ge­legt – mit be­schei­de­nem Re­sul­tat. Die Bun­des­ver­ei­ni­gung der deut­schen Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de (BDA) lehnt die Quo­te grund­sätz­lich ab. Die für die För­de­rung gu­ter Un­ter­neh­mens­füh­rung zu­stän­di­ge Cor­po­ra­teGo­ver­nan­ce-Kom­mis­si­on emp­fahl ab 2009 die ver­stärk­te Be­rück­sich­ti­gung von Frau­en «im Rah­men der brei­te­ren Ziel­set­zung von mehr Di­ver­si­ty für den Auf­sichts­rat». Seit 2011 hat sich ge­mäss der Kom­mis­si­on der An­teil weib­li­cher An­teils­eig­ner­ver­tre­ter in 160 Un­ter­neh­men der In­dex­fa­mi­lie Dax auf 15,3% ver­drei­facht. In den dreis­sig Dax-Kon­zer­nen ist er von 13,4 auf 23,4% ge­stie­gen.

Ge­mäss ei­nem neu be­rech­ne­ten Wo­men-on-Bo­ar­dIn­dex des Bun­des­frau­en­mi­nis­te­ri­ums ha­ben von 101 be­trof­fe­nen ko­tier­ten Un­ter­neh­men erst 24 ei­nen Frau­en­an­teil von über 30% im Auf­sichts­gre­mi­um, 16 kön­nen gar kei­ne Frau vor­wei­sen. In öf­fent­lich-recht­li­chen Un­ter­neh­men liegt der Frau­en­an­teil in den Auf­sichts­gre­mi­en bei 26,5%. Ab­ge­se­hen von Di­ver­si­tät trei­ben die Cor­po­ra­te-Go­ver­nan­ce-Kom­mis­si­on nun die Be­gren­zung der Amts­zeit für Auf­sichts­rä­te so­wie ei­ne Min­dest­prä­senz­pflicht für die Chef­kon­trol­leu­re um.

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