Ge­las­sen bis ner­vös

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - ALES­SAN­DRO FEZZI,

G-7-Fi­nanz­mi­nis­ter und -No­ten­ban­ker auf der Su­che nach Wachs­tum.

Beim Tref­fen der Fi­nanz­mi­nis­ter und der No­ten­bank­chefs der sie­ben gröss­ten In­dus­trie­na­tio­nen (G-7) in Dres­den stand vor al­lem die Fra­ge im Mit­tel­punkt, wie ein stär­ke­res Wachs­tum der Welt­wirt­schaft ge­för­dert wer­den kann. Wäh­rend die USA auf mehr In­ves­ti­tio­nen und stär­ke­re Kon­sum­aus­ga­ben set­zen, ver­tritt Deutsch­land die An­sicht, dass mehr Wachs­tum und Wohl­stand vor al­lem durch so­li­de Haus­hal­te und ent­spre­chen­de Re­for­men er­reicht wer­den kann. Das Tref­fen dient der Vor­be­rei­tung des Gip­fel­tref­fens der G-7-Staats- und -Re­gie­rungs­chefs am 7. und 8. Ju­ni in Bay­ern.

Wohl oder übel wer­den sich die G-7 auch mit dem The­ma Grie­chen­land be­fas­sen müs­sen, an­ge­sichts des nur noch knap­pen Zeit­fens­ters für ei­ne Lö­sung der Schul­den­kri­se At­hens. An den Fi­nanz­märk­ten schwankt die Stim­mung der An­le­ger zwi­schen Ge­las­sen­heit und Ner­vo­si­tät. Der Eu­roS­to­xx 50 ver­lor in der ver­gan­ge­nen Han­dels­wo­che an Ter­rain.

IWF-Che­fin Chris­ti­ne La­g­ar­de zu­fol­ge sind nach wie vor kei­ne gros­sen Fort­schrit­te er­kenn­bar, und es fehlt an hand­fes­ten Er­geb­nis­sen zu ei­ner Lö­sung der Grie­chen­land­kri­se. Ins­ge­samt müs­sen die Grie­chen im Ju­ni rund 1,6 Mrd. € an den IWF über­wei­sen, und das ak­tu­el­le zwei­te Hilfs­pro­gramm läuft En­de Ju­ni aus. Wäh­rend der Bund-Fu­tures in der ver­kürz­ten Han­dels­wo­che erst­mals seit An­fang Mai wie­der 155 Punk­te über­schritt, scheint sich der Eu­ro nach dem hef­ti­gen Kurs­rutsch vor ei­ner Wo­che in der Ge­gend von 1.09 $/€ zu sta­bi­li­sie­ren.

Ri­si­ko für die Sta­bi­li­tät

Die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) be­ton­te in ih­rem Fi­nanz­sta­bi­li­täts­be­richt, dass die schwa­chen Wachs­tums­aus­sich­ten wie auch die star­ken Preis­ver­än­de­run- gen an den Fi­nanz­märk­ten Ri­si­ken für die Fi­nanz­sta­bi­li­tät der Wäh­rungs­uni­on dar­stel­len. Das Ri­si­ko ei­nes an­hal­tend nied­ri­gen no­mi­na­len Wachs­tums blei­be ei­ne Her­aus­for­de­rung im Eu­ro­raum und kön­ne letzt­lich Zwei­fel an der Trag­fä­hig­keit der Schul­den­last von Staa­ten und Fir­men auf­kom­men las­sen, warnt die EZB. Sie wird am kom­men­den Mitt­woch, 3. Ju­ni, ih­ren ak­tu­el­le Zins­ent­schei­dung be­kannt ge­ben.

Gross­bri­tan­ni­ens Re­gie­rung hat die Vor­be­rei­tun­gen für das ge­plan­te EU-Re­fe­ren­dum ein­ge­lei­tet. Dem­nach sol­len die Bri­ten spä­tes­tens En­de 2017 über den Ver­bleib in der EU ab­stim­men. Pre­mier­mi­nis­ter Da­vid Ca­me­ron will un­ter­des­sen die Ver­trä­ge mit der EU neu aus­han­deln, sprach sich aber grund­sätz­lich für den Ver­bleib Gross­bri­tan­ni­ens in der EU aus. Fest steht, dass die EUVer­trä­ge nur ein­stim­mig ge­än­dert wer­den kön­nen. In­zwi­schen hat sich das Wirt­schafts­wachs­tum auf der In­sel ab­ge­schwächt. Hö­he­re Im­por­te und ein Rück­gang im Di­enst­leis­tungs­sek­tor sorg­ten für ei­nen Ein­bruch im ers­ten Quar­tal. Der FTSE 100 blieb dar­auf­hin im Wo­chen­ver­gleich prak­tisch un­ver­än­dert, wäh­rend das Pfund ge­gen­über dem Eu­ro und dem Dol­lar in der ab­ge­lau­fe­nen Wo­che an Wert ein­büss­te.

Kei­ne Ver­schie­bung

Die USA, welt­gröss­te Volks­wirt­schaft, hat­ten im Auf­takt­quar­tal 2015 ei­ne aus­ge­präg­te­re Schwä­che­pha­se als zu­nächst ver­mu­tet. So schrumpf­te das BIP an­nua­li­siert 0,7% (ers­te Schät­zung +0,2%). Ver­ant­wort­lich wa­ren ein har­ter Win­ter und ein ne­ga­ti­ver Bei­trag der Han­dels­bi­lanz (auch we­gen der Streiks an der West­küs­te).

Da die­se tem­po­rä­ren Ne­ga­tiv­fak­to­ren nun­mehr über­wun­den sind, dürf­te die US-No­ten­bank (Fed) den Blick nach vor­ne rich­ten. Es ist un­wahr­schein­lich, dass sich we­gen der BIP-Del­le im ers­ten Quar­tal der Zeit­punkt der er­war­te­ten Zins­wen­de in den USA si­gni­fi­kant ver­schiebt.

Die US-Ver­brau­cher­stim­mung hat sich ge­mäss den fi­na­len Um­fra­ge­wer­ten der Uni­ver­si­tät Mi­chi­gan we­ni­ger ein­ge­trübt als an­ge­nom­men. Das Ba­ro­me­ter fiel von 95,9 im April auf 90,7 (ers­te Aus­wer­tung 88,6) zu­rück. In der kom­men­den Wo­che ste­hen die Ein­kaufs­ma­na­gerum­fra­gen des ISM (Mon­tag und Mitt­woch), der Wirt­schafts­be­richt des Fed – das so­ge­nann­te Beige Book (Mitt­woch) – so­wie der mo­nat­li­che Ar­beits­markt­be­richt (Frei­tag) im Zen­trum des In­ter­es­ses.

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