Das Wich­tigs­te

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN -

rung wer­den die­se Bör­sen­gän­ge die Grös­se von 4 bis 5 Mrd. Fr. in der Sum­me nicht über­tref­fen», er­war­tet Geh­rer.

Auch an der SIX Swiss Ex­ch­an­ge ist man sich der La­ge be­wusst. «Die IPOPi­pe­line ist so gut ge­füllt, wie man das in der ge­gen­wär­ti­gen Si­tua­ti­on er­war­ten darf. Die ho­he Vo­la­ti­li­tät ist nicht un­be­dingt das bes­te Um­feld für ei­nen Bör­sen­gang», sagt Spre­cher Ste­phan Mei­er. Tat­säch­lich sind die meis­ten Bör­sen­gän­ge seit 2004 in ei­nem be­stimm­ten Vo­la­ti­li­täts­band zu­stan­de ge­kom­men (vgl. Gra­fik 1). Aber nicht nur die Vo­la­ti­li­tät am Fi­nanz­markt führt da­zu, dass Ge­sell­schaf­ten kei­ne Ei­le ha­ben. Die Mög­lich­kei­ten, Ei­gen­ka­pi­tal jen­seits der Bör­se auf­zu­neh­men, sind der­zeit sehr gut. «Ein Teil­ver­kauf an oder ei­ne Ei­gen­ka­pi­tal­fi- Stra­te­gie­wech­sel von Un­ter­neh­men und Über­nah­men füh­ren zu De­ko­tie­run­gen von der SIX Swiss Ex­ch­an­ge. Das Markt­um­feld ist für Bör­sen­gän­ge eher hin­der­lich. Des­halb ste­hen vie­le IPO-Kan­di­da­ten an der Sei­ten­li­nie. In der Sum­me ist die Ent­wick­lung un­güns­tig für den Bör­sen­platz, der auch durch Wett­be­wer­ber ge­for­dert wird. nan­zie­rung über Pri­va­te-Equi­ty-Ge­sell­schaf­ten oder Staats­fonds sind valable Al­ter­na­ti­ven zu ei­nem IPO», er­klärt Ker­ler. Die Bör­se blei­be aber ein wich­ti­ges In­stru­ment zur Wachs­tums­fi­nan­zie­rung.

Geht der Exo­dus von der SIX Swiss Ex­ch­an­ge wei­ter? «Wir ha­ben kei­ne In­di­ka­ti­on, dass es zu ei­ner grös­se­ren Wel­le an De­ko­tie­run­gen kom­men soll­te», sagt Ro­nald Sau­ser, Lei­ter M&A von EY Schweiz. Kuo­ni sei aber die ers­te Gross­über­nah­me in der Schweiz, in dem Pri­va­te-Equi­ty-Ei­g­ner ein Un­ter­neh­men von der Bör­se näh­men. Zu­letzt passierte das der vier Mal klei­ne­ren Phar­ma­gesell­schaft Aci­no. Das Bei­spiel Kuo­ni «könn­te wei­te­re Pri­va­teEqui­ty-Un­ter­neh­men er­mu­ti­gen», meint Sau­ser. Oh­ne grös­se­re An­ker­ak­tio­nä­re und ei­nem wil­li­gen Ver­wal­tungs­rat, mit de­nen man vor­gän­gig ei­ne Ei­ni­gung fin­de, wer­de das aber eher schwie­rig.

Auch in den Vor­jah­ren ist die Bi­lanz be­züg­lich Ko­tie­run­gen und De­ko­tie­run­gen für den SPI durch­wach­sen. So ka­men von 2010 bis 2015 durch Bör­sen­gän­ge, De­ko­tie­run­gen und In­dex-Aus­schlüs­se zwar 17 Mrd. Fr. hin­zu. Da­bei ist aber zu be­ach­ten, dass die bei­den Ak­teu­re aus der Öl­in­dus- Die Ten­denz dürf­te sich fort­set­zen. Denn das In­ter­es­se aus­län­di­scher In­ves­to­ren an Schwei­zer Un­ter­neh­men sei we­gen de­ren So­li­di­tät und dem vor­han­de­nen Fach­wis­sen gross, was wei­te­re Über­nah­men und so­mit auch De­ko­tie­run­gen zur Fol­ge hät­te, sagt Geh­rer. Auf der an­de­ren Sei­te ha­be sich schon län­ger kein aus­län­di­sches Un­ter­neh­men mehr aus­ser­halb des Erd­öl­sek­tors in der Schweiz ko­tie­ren las­sen. Auch sei­en Bör­sen­gän­ge we­gen zahl­rei­cher re­gu­la­to­ri­scher Auf­la­gen we­ni­ger at­trak­tiv ge­wor­den. SIX-Swiss-Ex­ch­an­geSpre­cher Mei­er räumt ein, dass die An­for­de­run­gen an die Ge­sell­schaf­ten auch in der Schweiz «nach dem Go­ing Pu­b­lic durch­aus an­spruchs­voll sind».

Nüch­tern kal­ku­liert spricht zu­dem bei klei­ne­ren Un­ter­neh­men vie­les für ei­nen Rück­zug. «Aus rein be­triebs­wirt­schaft­li­cher Sicht müss­te ei­ne gan­ze Rei­he Un­ter­neh­men ih­re Prä­senz an der Bör­se über­den­ken. Es sind das si­cher die meis­ten der rund 40 Ge­sell­schaf­ten mit ei­nem Bör­sen­wert un­ter oder um 100 Mio. Fr., die von der Ko­tie­rung vor al­lem Kos­ten und in den meis­ten Fäl­len nur we­nig Vor­tei­le ha­ben», sagt Ro­nald Sau­ser von EY.

Wett­be­wer­ber vor Fu­si­on

Künf­tig wird die La­ge für die Schwei­zer Bör­se auch aus Wett­be­werbs­ge­sichts­punk­ten nicht ein­fa­cher. Grund ist der er­neu­te An­lauf von Deut­scher Bör­se und Lon­don Stock Ex­ch­an­ge für ei­nen Zu­sam­men­schluss zu Eu­ro­pas gröss­ter Bör­se. Si­cher ist der De­al in­des kei­nes­falls, es droht ein Ge­gen­ge­bot durch die US-Bör­se ICE. SIX Swiss Ex­ch­an­ge sei für Emit­ten­ten wie auch für Teil­neh­mer «ei­ne at­trak­ti­ve Bör­se», hält der Spre­cher ent­ge­gen. «Die Emis­si­ons­tä­tig­keit be­wegt sich auf ei­nem ho­hen Ni­veau. Bei der Auf­nah­me von Ei­gen- wie auch Fremd­ka­pi­tal sind wir ein sehr at­trak­ti­ver Ko­tie­rungs­stand­ort.»

Nicht al­le se­hen das so. «Es ist für je­den Bör­sen­be­trei­ber ei­ne Ge­fahr, wenn ein Kon­kur­rent künf­tig viel mehr Li­qui­di­tät an­bie­ten kann und Ska­len­ef­fek­te zu­min­dest zum Teil an die Kun­den wei­ter­gibt», sagt M&A-Ex­per­te Sau­ser. Das ma­che die Si­tua­ti­on für die Schwei­zer Bör­se nicht kom­for­ta­bler.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.