Hand­lungs­spiel­raum si­chern

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - PE­TER MORF,

Es ist dem Verband der Ma­schi­nen-, Elek­tro- und Me­tall­in­dus­trie Swiss­mem hoch an­zu­rech­nen, dass er nicht nach un­mit­tel­ba­rer Staats­hil­fe ruft, ob­wohl die Bran­che von der Fran­ken­stär­ke ge­beu­telt wird wie kaum ei­ne an­de­re. Swiss­mem be­gnügt sich mit For­de­run­gen nach op­ti­ma­len Rah­men­be­din­gun­gen. Will heis­sen et­wa ei­ner Stär­kung von Bil­dung und For­schung, ei­nem En­de der Re­gu­lie­rungs­wut oder vor al­lem nach dem Er­halt ei­nes li­be­ra­len Ar­beits­markts.

Das ist gut so und auch sach­ge­recht. Ein Ruf nach di­rek­ter staat­li­cher Hil­fe, wie er von an­de­ren Bran­chen zu oft er­schallt, kä­me dem Ver­such gleich, die Ver­ant­wor­tung auf den Staat ab­zu­schie­ben. Das wä­re um­so ver­hee­ren­der, als die­ser selbst da­mit heil­los über­for­dert ist. Die Po­li­tik hat das of­fen­bar nach wie vor nicht rea­li­siert. Sie er­liegt im­mer wie­der der Ver­su­chung zum Ak­tio­nis­mus, dem Drang, et­was «Mu­ti­ges» zu tun. So auch der – wohl­ver­stan­den bür­ger­lich do­mi­nier­te – Na­tio­nal­rat: Er be­schloss am Di­ens­tag, die flan­kie­ren­den Mass­nah­men zur Per­so­nen­frei­zü­gig­keit wei­ter zu ver­schär­fen und so der Kar­tel­lie­rung des Ar­beits­markts Vor­schub zu leis­ten. Die staats­gläu­bi­ge po­li­ti­sche Lin­ke ju­bi­liert.

Swiss­mem will den un­ter­neh­me­ri­schen Hand­lungs­spiel­raum nicht nur im In­ne­ren er­hal­ten, son­dern auch im Ver­kehr mit dem Aus­land. Ver­bands­prä­si­dent Hans Hess liess an der Jah­res­me­di­en­kon­fe­renz von Swiss­mem (vgl. ne­ben­ste­hen­den Ar­ti­kel) kei­nen Zwei­fel dar­an auf­kom­men, dass der Er­halt der bi­la­te­ra­len Ver­trä­ge mit der EU für die Schwei­zer In­dus­trie match­ent­schei­dend ist. Frei­han­dels­ab­kom­men mit wei­te­ren Län­dern sind zwar ei­ne Not­wen­dig­keit, aber sie kön­nen die bi­la­te­ra­len Ab­kom­men mit der EU nie er­set­zen. Hess brach­te es auf den Punkt: «Je­der po­li­ti­sche Ab­schot­tungs­schritt wird uns Nach­tei­le brin­gen und uns in der wirt­schaft­li­chen und tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lung be­hin­dern.»

Das ist auch als kla­res Si­gnal an die SVP zu ver­ste­hen, die al­les tut, da­mit die bi­la­te­ra­len Ver­trä­ge mit der EU rück­gän­gig ge­macht wer­den. Als Stich­wor­te da­zu mö­gen die Mas­sen­ein­wan­de­rungs­in­itia­ti­ve so­wie die – glück­li­cher­wei­se deut­lich ab­ge­lehn­te – Durch­set­zungs­in­itia­ti­ve ge­nü­gen. Das ist das Ge­gen­teil ei­ner wirt­schafts­freund­li­chen Po­li­tik: Wer die Schweiz von ih­rem mit Ab­stand wich­tigs­ten Markt, der EU, ab­schot­ten will, scha­det der Wirt­schaft und ge­fähr­det Ar­beits­plät­ze und da­mit Wohl­stand. Die Bot­schaft ist deut­lich, jetzt muss sie nur noch ver­stan­den wer­den.

Re­dak­tor zu den po­li­ti­schen For­de­run­gen und Wün­schen von Swiss­mem.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.