Kei­ne Er­ho­lung oh­ne Bank­ak­ti­en?

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AL­FONS COR­TES

Be­liebt sind ver­meint­li­che Re­geln wie die, dass ei­ne Bör­sen­hausse oh­ne die Be­tei­li­gung von Bank­ak­ti­en nicht denk­bar sei. Selbst­ver­ständ­lich ist sie denk­bar. Die Bör­se ist ein Ent­de­ckungs­pro­zess. Als sol­cher muss je­de Ent­de­ckung denk­bar sein. Zwar gab es stets wie­der Sek­to­ren, oh­ne die ei­ne Hausse an­geb­lich nicht ge­lin­ge: in den Neun­zi­ger­jah­ren Tech­no­lo­gie, spä­ter Bank­ak­ti­en. Die Ver­gan­gen­heit lehrt uns je­doch, dass die Ge­wich­tun­gen der Sek­to­ren, ein­schliess­lich Tech­no­lo­gie und Ban­ken, sich zu ver­schie­de­nen Zei­ten in Hausse und Bais­se sehr un­ter­schied­lich prä­sen­tie­ren.

In­ter­es­san­ter­wei­se ist die Ka­pi­ta­li­sie­rung des Fi­nanz­sek­tors seit Be­ginn der letz­ten Hausse im März 2009 mit ei­nem Plus von 41% zu­sam­men mit Con­su­mer Dis­cre­tio­na­ry am stärks­ten ge­stie­gen. Un­ter den In­dus­trie­grup­pen war es Soft­ware & Ser­vices mit +80% (bei +23% für den Sek­tor In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie ins­ge­samt). Die Ban­ken­grup­pe hat mit +53% ih­re Ka­pi­ta­li­sie­rung am zweit­stärks­ten aus­deh­nen kön­nen. Ge­stie­gen ist auch die Ka­pi­ta­li­sie­rung von He­alth­ca­re mit 9%. Al­le an­de­ren Sek­to­ren wei­sen da­ge­gen rück­läu­fi­ge Wer­te auf, am meis­ten Ener­gie mit –52%.

Of­fen für Neu­es

Die zu­künf­ti­gen Ent­de­ckun­gen wer­den, wie in der Ver­gan­gen­heit, auch in Zu­kunft von scharf­sin­ni­gen Be­ob­ach­tern er­kannt wer­den, so­fern sie die Be­schränkt­heit ih­res Wis­sens nicht ver­ges­sen ha­ben und sich vom Markt lei­ten las­sen. Zur­zeit kann ich kei­nen Sek- tor er­ken­nen, der sich aus der Bais­se­pha­se zu ver­ab­schie­den an­kün­digt und sich da­mit von den an­de­ren ab­setzt.

Mit ei­nem sol­chen Ver­hal­ten, als po­si­ti­ve Di­ver­genz be­kannt, wird auch die­se Bais­se zu En­de ge­hen, denn auf die­ser Ebe­ne gibt es durch­aus ei­nen ge­wis­sen De­ter­mi­nis­mus im Sys­tem, nicht aber auf Ebe­ne der Prä­fe­renz­bil­dung in Hausse und Bais­se. Hier geht es näm­lich nicht dar­um, was ent­deckt wird, son­dern, wie Ent­de­ckun­gen vom Sys­tem an die be­ob­ach­ten­den Teil­neh­mer kom­mu­ni­ziert wer­den. Sie sind Aus­druck von Di­ver­gen­zen, die Grup­pen­den­ken auf­bre­chen. Da­zu ken­ne ich kei­ne un­ter­halt­sa­me­re und lehr­rei­che­re Li­te­ra­tur als das vom 1999 ver­stor­be­nen Psy­cho­lo­gie­pro­fes­sor Ir­ving L. Ja­nis ver­fass­te Werk «Groupt­hink».

Der Ban­ken­sek­tor ak­tu­ell

Nach der Fi­nanz­kri­se von 2007/08, von wel­cher der frü­he­re Gou­ver­neur der Bank of En­g­land, Mer­vyn King, in sei­nem Buch «The End of Al­che­my» schreibt, sie sei nicht auf das Ver­sa­gen von In­di­vi­du­en zu­rück­zu­füh­ren, son­dern auf das Ver­sa­gen ei­nes Sys­tems, das auf fal­sche Ide­en auf­ge­baut wor­den sei, ist die Ka­pi­ta­li­sie­rung des Ban­ken­sek­tors von 10,4% Mit­te 2007 um 42 auf nur noch 6% im März 2009 ge­fal­len. Der Hö­he­punkt da­nach wur­de im März 2014 mit 10% er­reicht. Seit­her hat das Ge­wicht der Ban­ken im MSCI Welt auf 9,2% ab­ge­nom­men.

Der Sek­tor ist wei­ter­hin re­la­tiv schwach. An­ge­führt wird die­se Schwä­che vom Euro Sto­xx Ban­ken, ge­folgt vom Sto­xx Ban­ken, der auch eu­ro­päi­sche Häu­ser aus­ser­halb des Eu­ro­raums um­fasst. Die nord­ame­ri­ka­ni­schen Bank­ak­ti­en sind re­la­tiv schwach zum S&P 500, hin­ge­gen re­la­tiv stark zu den eu­ro­päi­schen Bank­ak­ti­en. Wie in an­de­ren Sek­to­ren auch, wür­de ei­ne Er­ho­lung ge­gen den Trend nicht über­ra­schen. Ei­ne Trend­wen­de wä­re das nicht. Das ers­te Si­gnal in die­se Rich­tung wür­de in ei­nem Rück­schlag nach ei­ner Er­ho­lung lie­gen, der tech­ni­sche Stär­ke ver­rie­te. Dar­auf zu war­ten lohnt sich, ob­wohl War­ten schwer­fal­len kann. Die Mei­nung des Au­tors muss nicht mit je­ner der Re­dak­ti­on über­ein­stim­men.

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