Bo­den­bil­dung bei Erd­öl?

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - LASAL­LE BROKERAGE, ZÜ­RICH

Un­ter ho­hen Schwan­kun­gen be­gin­nen sich die Roh­öl­prei­se zu er­ho­len.

Die Roh­öl­märk­te ver­zeich­nen seit Wo­chen gros­se Kurs­schwan­kun­gen. Seit dem 11. Fe­bru­ar, als der Bren­tP­reis noch knapp 31 $/Fass kos­te­te und auf bes­tem We­ge war, das De­ka­den­tief von 27.10 $ vom Ja­nu­ar her­aus­zu­for­dern, hat sich ei­ni­ges ge­tan. Am Di­ens­tag­vor­mit­tag no­tier­te Brent gut 20% hö­her auf 37.05 $/Fass.

Ob­wohl sich die Prei­se für das schwar­ze Gold sta­bi­li­siert ha­ben, sind Kurs­schwan­kun­gen von 5% und mehr im­mer wie­der an der Ta­ges­ord­nung und ver­un­si­chern die Händ­ler. Ob die Erd­öl­prei­se den Bo­den tat­säch­lich er­reicht ha­ben, dar­über wird un­ter den Markt­teil­neh­mern hef­tig de­bat­tiert. Fakt ist, dass die Ab­wärts­spi­ra­le auf­ge­hört hat zu dre­hen, seit Sau­di-Ara­bi­en und Russ­land sich be­reit er­klärt ha­ben, die Öl­pro­duk­ti­on auf ho­hem Ni­veau ein­zu­frie­ren. Zwar kann ei­ne sol­che Ober­gren­ze der Öl­pro­duk­ti­on nur er­folg­reich sein, wenn auch die glo­ba­le Nach­fra­ge wie­der an­zieht, sprich die Welt­wirt­schaft wie­der brummt. Dar­an be­ste­hen an­ge­sichts der ver­hal­te­nen Kon­junk­tur­da­ten aus Asi­en, Eu­ro­pa und USA aber be­rech­tig­te Zwei­fel.

Der Iran, der wie­der ein Pro­duk­ti­ons­ni­veau wie vor den Sank­tio­nen im Atom­streit er­rei­chen will, be­grüsst zwar die Be­stre­bung, den Öl­preis zu sta­bi­li­sie­ren, will aber auf kei­nen Fall auf ei­ne schritt­wei­se Er­hö­hung der Pro­duk­ti­on ver­zich­ten.

In den USA ging die An­zahl der ak­ti­ven Öl­bohr­lö­cher in der ver­gan­ge­nen Wo­che be­reits zum zehn­ten Mal in Fol­ge zu­rück. Es sind jetzt nur noch so vie­le Bohr­lö­cher in Be­trieb wie zu­letzt im Jahr 2009. Ana­lys­ten er­war­ten, dass die US-ame­ri­ka­ni­sche Erd­öl­pro­duk­ti­on da­durch die­ses Jahr um 600 000 Fass/Tag fal­len wird. Im De­zem­ber be­lief sich die US-Pro­duk­ti­on auf 9,26 Mio. Fass/Tag.

Das An­ge­bot der Opec-Staa­ten ist im Fe­bru­ar tem­po­rär um 280 000 Fass/Tag auf 32,37 Mio. Fass/Tag zu­rück­ge­gan­gen. Chart­tech­nisch be­trach­tet könn­te der Brent-Preis in den nächs­ten Ta­gen und Wo­chen in Rich­tung 40 $/Fass vor­stos­sen. Fun­da­men­tal spricht al­ler­dings we­nig für stark stei­gen­den Erd­öl­prei­se. Die Erd­öl­län­der pro­du­zie­ren mehr Öl, als ge­braucht wird. Durch das Fest­le­gen von Pro­duk­ti­ons­ober­gren­zen wird das Über­an­ge­bot nicht ab­ge­baut, son­dern bleibt be­ste­hen. Der Markt bleibt da­durch üp­pig ver­sorgt. Das Über­an­ge­bot könn­te sich so­gar noch zu­spit­zen, falls sich die Prei­se wei­ter er­ho­len und so die Pro­duk­ti­on in den USA wie- der ren­ta­bler ma­chen. Durch tech­ni­sche Vor­schrit­te könn­ten Ge­ste­hungs­kos­ten in ei­ni­gen Re­gio­nen der USA deut­lich fal­len. Statt Prei­se zwi­schen 65 und 70 $/ Fass könn­ten bald 40$ rei­chen, um kos­ten­de­ckend zu pro­du­zie­ren.

An den Ge­nuss­mit­tel­märk­ten mach­te Zu­cker auf sich auf­merk­sam. Im Wo­chen­ver­gleich konn­te der Zu­cker-Kon­trakt 14% an Wert zu­le­gen. Sor­gen um zu tro­cken oder zu nas­ses Wet­ter in Asi­en und Süd­ame­ri­ka und ein Be­richt der In­ter­na­tio­na­len Zu­cker-Or­ga­ni­sa­ti­on (ISO) lös­ten ei­ne Wel­le von Short-Co­ver­ing aus. Die ISO re­vi­dier­te die Schät­zung für das glo­ba­le Zu­cker-De­fi­zit für 2015/16 von 3,5 Mio. auf 5 Mio. Ton­nen. Von Short-Co­ver­ing spricht man, wenn Markt­teil­neh­mer ih­re Shor­tPo­si­tio­nen bei stei­gen­den Prei­sen ein­de­cken, um Ver­lus­te zu be­gren­zen. Am Mon­tag no­tier­te der Zu­cker-Kon­trakt mit 14.61 Cent/lb auf ei­nem Fünf­wo­chen­hoch. Ei­ne Wo­che vor­her wech­sel­te der­sel­be Kon­trakt noch zu 12.45 Cent/lb den Be­sit­zer.

Die Kaf­fee­prei­se ga­ben in der Be­richts­wo­che hin­ge­gen deut­lich nach. Der Preis der Sor­te Ara­bi­ca ist von 120,55 Ct./lb. um 4,5% auf 115.20 Ct./lb. ge­fal­len.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.