No­var­tis spürt ver­schärf­tes US-Um­feld stär­ker als Ro­che

Finanz und Wirtschaft - - PHARMA -

Die bei­den Phar­ma­kon­zer­ne Ro­che und No­var­tis ge­hö­ren zu den zehn gröss­ten Arz­nei­mit­tel­her­stel­lern der Welt. Dem­ent­spre­chend gross ist ihr En­ga­ge­ment in den USA. Die Phar­ma­spar­te von Ro­che er­zielt fast 50% des Um­sat­zes in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Bei No­var­tis sind es in­klu­si­ve der Ge­ne­ri­ka­ver­käu­fe rund 35%. Ob­wohl No­var­tis we­ni­ger von Ame­ri­ka ab­hän­gig ist als Ro­che, scheint sie den­noch stär­ker vom Preis­druck in den USA be­trof­fen. «Wir wer­den in den nächs­ten Jah­ren mehr un­ter Preis­druck ste­hen», sag­te No­var­tis-CEO Joe Ji­me­nez an der Pres­se­kon­fe­renz zum Jah­res­er­geb­nis 2015 im Ja­nu­ar. «Wir spü­ren kei­nen Preis­druck», liess da­ge­gen Ro­che-Chef Se­ve­rin Schwan ei­nen Tag spä­ter ver­lau­ten.

Die Aus­sa­ge dürf­te mit­un­ter auf das ver­schärf­te Um­feld im Ge­ne­ri­kaMarkt zu­rück­zu­füh­ren sein. No­var­tis er­zielt 9% ih­res Um­sat­zes mit Phar­ma­zeu­ti­ka mit Wirk­stoff­ko­pi­en in den USA. Da bei Ge­ne­ri­ka in der Re­gel mehr Wett­be­werb herrscht, set­zen die Zwi­schen­händ­ler (PBM) bei Be­darf zu­erst ein­mal dort die Kos­ten­schrau­be an. Doch nicht nur bei den Ge­ne­ri­ka dro­hen nied­ri­ge­re Prei­se. Auch bei Prä­pa­ra­ten, die den Pa­tent­schutz bald ver­lie­ren oder be­reits ver­lo­ren ha­ben, ist No­var­tis we­ni­ger gut ge­schützt als Ro­che. No­var­tis hat weit­ge­hend che­misch her­ge­stell­te Me­di­ka­men­te im Pro­dukt­port­fo­lio, die sich leicht ko­pie­ren las­sen. Bei Ro­che sind es pri­mär Bio­lo­gi­ka, de­ren Zu­las­sung und Her­stel­lung an­spruchs­vol­ler sind.

Ro­che scheint die Ab­lö­sung ih­rer in die Jah­re ge­kom­me­nen Pro­duk­te Her­cep­tin (Krebs) und Ri­tu­x­an (Krebs so­wie rheu­ma­to­ide Ar­thri­tis) gut zu ge­lin­gen. Den weg­fal­len­den Um­satz nach Pa­ten­t­ab­lauf er­set­zen soll der Er­lös durch die neu­en gröss­ten­teils be­reits zu­ge­las­se­nen Me­di­ka­men­te Per­je­ta und Ga­zy­va (bei­de ge­gen Krebs) so­wie Es­briet (Lun­gen­fi­bro­se) und Ocreli­zu­m­ab (Mul­ti­ple Sk­le­ro­se).

Auch No­var­tis ist auf gu­tem Weg, die Ab­hän­gig­keit vom Um­satz der äl­te­ren Prä­pa­ra­te Gli­vec und Gi­le­nya dank der Zu­las­sung der bei­den Prä­pa­ra­te En­t­res­to (Herz­pro­ble­me) und Co­sen­tyx (Schup­pen­flech­te) im letz­ten Jahr zu ver­rin­gern. Wäh­rend Ro­che bei zwei der vier neu­en Wirk­stof­fe be­reits gu­te Wachs­tums­zah­len vor­wei­sen kann, bleibt No­var­tis den Er­folgs­aus­weis bei ih­ren bei­den neu­en Pro­duk­ten noch schul­dig. Al­ler­dings wur­den sie erst letz­tes Jahr ein­ge­führt. Des­halb ist es noch zu früh für ein ab­schlies­sen­des Ur­teil.

Aus fun­da­men­ta­ler Be­trach­tungs­wei­se wie auch aus Sicht der Be­wer­tung (vgl. Ar­ti­kel «Die Be­wer­tung») sind die Ti­tel bei­der Ge­sell­schaf­ten für An­le­ger in­ter­es­sant. Die zwei Un­ter­neh­men ha­ben bei­de neue po­ten­zi­ell um­satz­star­ke Me­di­ka­men­te auf dem Markt und in der Ent­wick­lung. Al­ler­dings könn­ten die Ge­nuss­schei­ne von Ro­che an der Bör­se vor­erst auf mehr In­ter­es­se stos­sen. No­var­tis ist bei An­le­gern we­gen Pro­ble­men bei ih­rer Au­gen­heil­spar­te Al­con in Miss­kre­dit ge­ra­ten. Stra­te­gi­sche Feh­ler ha­ben bei der Di­vi­si­on 2015 zu ei­nem Ge­winn­rück­gang ge­führt. No­var­tis muss zei­gen, dass sie die Di­vi­si­on rasch auf Vor­der­mann trim­men kann.

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