Von der Ent­wick­lung . . .

Finanz und Wirtschaft - - NEHMEN -

Kein Sek­tor hat so ho­he Kos­ten in der For­schung und Ent­wick­lung wie die Phar­ma­in­dus­trie. Laut dem Bran­chen­ver­band der US-Arz­nei­mit­tel­her­stel­ler PhRMA kos­tet die Ent­wick­lung ei­nes Prä­pa­rats im Schnitt 2,6 Mrd. $ (vgl. Gra­fik 4). Da­bei be­steht je­der­zeit die Ge­fahr, dass das Pro­jekt schei­tert. Vie­le Län­der sind je­doch be­reit, den Phar­ma­gesell­schaf­ten in der Hoff­nung auf me­di­zi­ni­sche Durch­brü­che ei­nen An­reiz in Form ei­nes Pa­tent­schut­zes und manch­mal auch in Form von zu­sätz­li­chen Ex­klu­siv­rech­ten zu ge­ben.

Der Pa­ten­t­an­trag wird von den Arz­nei­mit­tel­her­stel­lern in der Re­gel vor den Tests am Pa­ti­en­ten ein­ge­reicht (vgl. Gra­fik oben rechts). Da es laut der Tufts in Bos­ton im Schnitt rund zehn Jah­re braucht, bis zur Zu­las­sung ei­nes Me­di­ka­ments, kön­nen Phar­ma­gesell­schaf­ten in der Re­gel nur noch von der Hälf­te des Pa­tent­schut­zes pro­fi­tie­ren. Wäh­rend die­ser Zeit geniessen die Un­ter­neh­men bis zu ei­nem ge­wis­sen Grad dann aber über ei­ne Mo­no­pol­stel­lung am Markt.

Der Weg bis zur Zu­las­sung führt über meh­re­re Etap­pen. Die höchs­ten Aus­ga­ben hat ein Arz­nei­mit­tel­her­stel­ler in der letz­ten kli­ni­schen Test­pha­se für ein Me­di­ka­ment (Pha­se III). Um den Ge­sund­heits­be­hör­den den Nach­weis der Wirk­sam­keit, der Qua­li­tät und der Si­cher­heit zu er­brin­gen, braucht es oft meh­re­re tau­send Pro­ban­den. Die Phar­ma­gesell­schaf­ten be­nüt­zen als Ver­gleich im­mer Schein­prä­pa­ra­te oh­ne Wirk­stoff (Pla­ce­bo). Beim De­sign der Stu­die wer­den je­doch häu­fig auch stra­te­gi­sche Aspek­te mit­ein­be­zo­gen. Manch­mal wird zum Ver­gleich er­gän­zend ein be­reits ver­füg­ba­res Me­di­ka­ment ge­nom­men, um spä­ter auf ei­ne Über­le­gen­heit ge­gen­über ihm hin­wei­sen zu kön­nen.

Um bei Preis­ver­hand­lun­gen ei­ne mög­lichst gu­te Aus­gangs­la­ge zu ha­ben, set­zen sich ei­ni­ge An­bie­ter zu­dem ge­sund­heits­öko­no­mi­sche Zie­le, die sie er­rei­chen möch­ten. So hat bei­spiels­wei­se No­var­tis bei ih­rem neu­en Herz­me­di­ka­ment En­t­res­to in ei­ner zu­las­sungs­re­le­van­ten Stu­die ge­mes­sen, dass sich mit dem Pro­dukt Ein­wei­sun­gen ins Spi­tal von Pa­ti­en­ten mit chro­ni­schem Herz­feh­ler ver­mei­den las­sen. Ac­te­li­on wie­der­um hat sich in ih­ren Pha­se-III-Tests zu ih­rem neu­en Prä­pa­rat Upt­ra­vi ge­gen Blut­hoch­druck in der Lun­gen­ar­te­rie (PAH) als ers­tes Un­ter­neh­men auf dem Ge­biet von PAH zum Ziel ge­setzt, den Fort­schritt der Krank­heit zu ver­lang­sa­men und nicht nur die Sym­pto­me zu lin­dern. Da­mit woll­te das Un­ter­neh­men eben­falls dar­auf hin­wei­sen, dass das Pro­dukt in der La­ge ist, die Kran­ken­haus­kos­ten zu sen­ken. Re­sul­ta­te kli­ni­scher Stu­di­en sind al­so im­mer auch wie ei­ne Wer­be­bro­schü­re und kön­nen an Ärz­te­kon­gres­sen kräf­tig an­ge­prie­sen wer­den.

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