Schwa­ches Schwei­zer BIP

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AN

Die Schweiz ist im ver­gan­ge­nen Jahr wirt­schaft­lich leicht ge­wach­sen. Das Staats­se­kre­ta­ri­at für Wirt­schaft (Se­co) schätzt, dass das Brut­to­in­land­pro­dukt (BIP) re­al 0,9% ge­gen­über 2014 zu­ge­legt hat. Im Schluss­quar­tal wur­den die Er­war­tun­gen der Ana­lys­ten über­trof­fen: Das BIP fiel, preis­be­rei­nigt, 0,4% hö­her aus als im drit­ten Quar­tal 2015 und als im vier­ten Quar­tal 2014. Von der Nach­rich­ten­agen­tur AWP be­frag­te Ex­per­ten hat­ten das Wachs­tum zum Vor­quar­tal auf ma­xi­mal 0,2% und im Vor­jah­res­ver­gleich auf höchs­tens 0,1% ge­schätzt.

Da­mit sind die gu­ten Nach­rich­ten aber auch schon am En­de. Es ge­hört ei­ne or­dent­li­che Po­si­ti­on Op­ti­mis­mus da­zu, den BIP-Zah­len et­was Po­si­ti­ves ab­zu­ge­win­nen. Der kon­junk­tu­rel­le Trend über das ver­gan­ge­ne Jahr hin­weg ver­läuft ab­wärts. Die Wachs­tums­ra­ten ge­gen­über dem Vor­jahr wer­den von Quar­tal zu Quar­tal klei­ner.

Die pri­va­ten Kon­sum­aus­ga­ben, die sich nach dem Fran­ken­schock suk­zes­si­ve er­hol­ten, er­leb­ten im vier­ten Quar­tal ei­nen Dämp­fer. Sie nah­men bloss 0,1% zum Vor­quar­tal zu. Prak­tisch gin­gen nur noch von den Ru­bri­ken Ge­sund­heit, Nah­rungs­mit­tel/Ge­trän­ke und Kom­mu­ni­ka­ti­on po­si­ti­ve Im­pul­se aus. Auch über den rest­li­chen Kom­po­nen­ten der Bin­nen­kon­junk­tur brau­en sich dunk­le Wol­ken zu­sam­men: Un­ter­neh­men schraub­ten erst­mals ih­re In­ves­ti­tio­nen in For­schung und Ent­wick­lung so­wie in neue Fahr­zeu­ge zu­rück. Die Aus­rüs­tungs­in­ves­ti­tio­nen san­ken 0,9% zum Vor­quar­tal und 0,2% im Vor­jah­res­ver­gleich. Auch die Bau­in­ves­ti­tio- nen zei­gen ab­wärts. Im Ge­samt­jahr 2015 wa­ren sie rück­läu­fig. «Da­mit ist das En­de des Bau­booms amt­lich», kom­men­tiert die VP Bank.

Zum Aus­gleich stie­gen die Wa­ren­ex­por­te kräf­tig. Im vier­ten Quar­tal leg­ten sie 2,9% zu. Aber die­ser Er­folg ist al­lein der Phar­ma­spar­te zu ver­dan­ken. Die üb­ri­gen Bran­chen sta­gnie­ren oder bil­den sich zu­rück.

Die vor­ge­leg­ten Da­ten sind preis­be­rei­nigt, das heisst, von den Ori­gi­nal­wer­ten wird die Preis­ver­än­de­rung ab­ge­zo­gen. Da die Schweiz tief in der De­fla­ti­on steckt – das Preis­ni­veau des BIP hat 2015 um 1,3% ab­ge­nom­men –, re­sul­tiert no­mi­nal häu­fig ein deut­lich schlech­te­res Er­geb­nis. Das BIP ist ver­gan­ge­nes Jahr no­mi­nal um 0,4% ge­schrumpft. Kon­trär fällt die Ent­wick­lung auch im ver­ar­bei­ten­den Ge­wer­be aus: Re­al stieg die in­dus­tri­el­le Wert­schöp­fung 2015 um 2,9%, no­mi­nal schrumpf­te sie in­des um 2,8%.

Die ers­te of­fi­zi­el­le BIP-Quar­tals­schät­zung ver­mag kei­ne Hin­wei­se auf neue Wachs­tums­quel­len zu lie­fern. Ent­spre­chend ver­hal­ten fal­len da­her die Aus­sich­ten für 2016 aus. Die Öko­no­men der UBS ha­ben be­reits re­agiert. Sie ha­ben ih­re Vor­her­sa­ge für das BIP-Wachs­tum von 1,4 auf 1% kor­ri­giert.

Der pri­va­te Kon­sum soll­te so­li­de wach­sen, da das Re­al­ein­kom­men der Haus­hal­te dank sin­ken­der Kon­su­men­ten­prei­se stei­ge, ar­gu­men­tie­ren die Ban­köko­no­men. Al­ler­dings er­war­ten sie nicht, dass von den In­ves­ti­tio­nen oder vom Aus­sen­han­del Im­pul­se zum Wirt­schafts­wachs­tum aus­ge­hen wer­den.

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