Gold auf 13-Mo­nats-Hoch

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - DA­NI­EL BRIESEMANN

Trotz fes­te­rer Märk­te fra­gen An­le­ger Gold wei­ter­hin stark nach.

Vor dem Hin­ter­grund der teil­wei­se star­ken Fi­nanz­markt­tur­bu­len­zen der letz­ten zwei Mo­na­te ist Gold als si­che­rer Ha­fen ent­spre­chend stark ge­fragt. Der Gold­preis stieg An­fang März auf ein Drei­zehn­mo­nats­hoch von 1275 $ be­zie­hungs­wei­se 1164 € je Un­ze. Be­mer­kens­wert ist, dass Gold trotz der zu­letzt fes­ten glo­ba­len Ak­ti­en­märk­te steigt. Und auch die jüngst wie­der so­li­den USKon­junk­tur­da­ten, wel­che zu hö­he­ren Zins­er­war­tun­gen in den USA füh­ren, ha­ben Gold nicht un­ter Druck ge­setzt.

Zu­vor gab ei­ne deut­lich hö­he­re Ri­si­ko­aver­si­on der Markt­teil­neh­mer dem Gold­preis Auf­wind. Dem Edel­me­tall half auch, dass ei­ne Zins­er­hö­hun­gen der US-No­ten­bank Fed in die­sem Jahr im Markt als un­wahr­schein­li­cher er­scheint. Des­we­gen wer­te­te der Dol­lar spür­bar ab. Zu­dem rutsch­te die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger USStaats­an­lei­hen zeit­wei­se auf ein Drei­ein­halb­jah­res­tief von 1,5%. Hier­von pro­fi­tier­te der Gold­preis, da Gold kei­ne Zin­sen ab­wirft und so die Op­por­tu­ni­täts­kos­ten der Gold­hal­tung ge­ring blei­ben. Dar­über hin­aus hat­te die ja­pa­ni­sche Zen­tral­bank die Zin­sen über­ra­schend in den ne­ga­ti­ven Be­reich ge­senkt. Die schwe­di­sche Zen­tral­bank folg­te An­fang Fe­bru­ar ih­rem Bei­spiel. Dies dürf­te die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) nächs­te Wo­che eben­so zu ei­ner wei­te­ren Zins­sen­kung ver­an­las­sen. Ei­ne noch­ma­li­ge Lo­cke­rung der EZBGeld­po­li­tik soll­te sich in stei­gen­den Gold­prei­sen nie­der­schla­gen, vor al­lem in Euro ge­rech­net.

Im ak­tu­el­len Markt­um­feld sind vor al­lem die in Gold in­ves­tie­ren­den, bör­sen­ge­han­del­ten Fonds, Gold-ETF, stark ge­fragt. Die von Bloom­berg er­fass­ten Gold-ETF ver­zeich­ne­ten seit Jah­res­be­ginn Zuflüs­se von 259 Ton­nen. Da­mit sind die Zuflüs­se in die Fonds jetzt schon deut­lich grös­ser als die ge­sam­ten Ab­flüs­se des letz­ten Jah­res (138 Ton­nen). Im Fe­bru­ar re­gis­trier­ten die Gold-ETF mit rund 185 Ton­nen so­gar den stärks­ten Mo­nats­zu­fluss seit der glo­ba­len Wirt­schafts- und Fi­nanz­kri­se vor sie­ben Jah­ren.

Soll­te der drei­jäh­ri­ge Trend von ETF-Ab­flüs­sen da­mit be­en­det sein, wä­re dies ein wei­te­rer preis­un­ter­stüt­zen­der Fak­tor für Gold. Zu­dem be­fin­den sich die Zen­tral­ban­ken wei­ter auf der Käu­fer­sei­te – sie sind be­reits seit sechs Jah­ren Net­to-Gold­käu­fer.

Da der An­teil von Gold in den Wäh­rungs­re­ser­ven der Zen­tral­ban­ken – vor al­lem in den Schwel­len­län­dern – wei­ter­hin nied­rig ist, wer­den sie ih­re Gold­be­stän­de in ab­seh­ba­rer Zeit wohl wei­ter auf­sto­cken.

Ein Blick auf die Po­si­tio­nie­rung der spe­ku­la­ti­ven Markt­teil­neh­mer zeigt al­ler­dings, dass der Preis­an­stieg von Gold auch spe­ku­la­tiv ge­trie­ben ist. Denn En­de Fe­bru­ar la­gen die Net­to-Long-Po­si­tio­nen an der Roh­stoff­bör­se Comex in New York auf dem höchs­ten Stand seit vier Mo­na­ten. Von die­ser Sei­te her hat sich al­so Kor­rek­tur­po­ten­zi­al auf­ge­baut.

Auch wenn der Preis­an­stieg von Gold in den letz­ten Mo­na­ten wohl zu schnell er­folg­te und Kor­rek­tur­po­ten­zi­al be­steht, er­war­ten wir kei­nen deut­li­chen Rutsch des Gold­prei­ses. Zwar könn­te Gold bei ei­ner Be­ru­hi­gung der Markt­la­ge und klar bes­se­rer Kon­junk­tur­da­ten noch­mals un­ter Druck ge­ra­ten, weil dann Zins­er­hö­hun­gen durch die US-No­ten­bank Fed wie­der wahr­schein­li­cher wer­den. Sie soll­ten al­ler­dings den Gold­preis nur kurz­zei­tig be­las­ten. Das Markt­um­feld bleibt wei­ter­hin von ho­her Un­si­cher­heit und ne­ga­ti­ven Zin­sen ge­kenn­zeich­net. Das wird den Gold­preis wei­ter un­ter­stüt­zen. Für En­de 2016 er­scheint da­her ein Gold­preis von 1250 $ je Fein­un­ze plau­si­bel.

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