Ge­sun­der Men­schen­ver­stand

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - DA­NI­EL GSCHWEND,

Da nun be­reits aus No­ten­bank­krei­sen ver­ein­zelt Aus­sa­gen kom­men, dass es kei­nen em­pi­risch be­weis­ba­ren po­si­ti­ven Zu­sam­men­hang zwi­schen um­fang­rei­chem mo­ne­tä­ren Sti­mu­lus und nach­hal­tig ver­bes­ser­ter Wirt­schafts­leis­tung gibt, ist es er­staun­lich, dass wei­ter über Ne­ga­tiv­zin­sen dis­ku­tiert wird. Der ge­sun­de Men­schen­ver­stand müss­te doch ge­nü­gen, um ein­zu­se­hen, dass Ne­ga­tiv­zin­sen kein Sti­mu­lus sind, son­dern ei­nen ne­ga­ti­ven Grenz­nut­zen in Form ei­ner mo­ne­tä­ren Steu­er ver­ur­sa­chen.

Je ne­ga­ti­ver die Zin­sen wer­den, um­so stär­ker be­las­tet dies das Ban­ken­sys­tem und die Ei­gen­ka­pi­tal­quo­ten. Wol­len Auf­sichts­be­hör­den und No­ten­ban­ken nicht ein si­che­res Sys­tem? Zu­dem wird durch das Ab­wür­gen von Mar­ket Ma­king und Ei­gen­han­del un­ter dem Deck­man­tel von Si­cher­heit und Sta­bi­li­tät ge­nau das Ge­gen­teil be­wirkt. Die EZB wird bald nicht nur Staats­an­lei­hen kau­fen, son­dern in Risk-off-Pha­sen auch als Mar­ket Ma­ker in an­de­ren Seg­men­ten auf­tre­ten müs­sen, der «Sta­bi­li­tät» we­gen. Bond-In­ves­to­ren ste­cken im Di­lem­ma, weil sie wis­sen, dass sich die Märk­te nur noch in gros­sen Wel­len be­we­gen: Ent­we­der al­les steigt, oder es fällt. We­gen der staat­li­chen Zins­ma­ni­pu­la­ti­on ist der Markt ist fak­tisch aus­ge­he­belt, was man vor al­lem bei Hoch­zins- und Pflicht­wan­del­an­lei­hen (Co­co) spürt. Es wird nicht mehr nach der fun­da­men­ta­len Qua­li­tät dif­fe­ren­ziert.

Am auf­fäl­ligs­ten sieht man das bei den Co­co der UBS oder bei Schuld­nern aus dem Berg­bau­sek­tor wie BHP Bil­li­ton. Bei­de Schuld­ner ge­hö­ren je­weils zu den stärks­ten ih­rer Bran­che und sind zwei­fel­los sehr so­li­de. Den­noch gab es hier Ver­lus­te. Seit ein paar Ta­gen läuft ei­ne Ge­gen­be­we­gung, die noch Po­ten­zi­al hat. Aus der Ri­si­ko-Ren­di­te-Per­spek­ti­ve sind nach­ran­gi­ge Ob­li­ga­tio­nen von Electri­cité de Fran­ce wie USF2893TAM83 in­ter­es­sant, weil zu vie­le schlech­te Nach­rich­ten ein­ge­preist sind. Eben­falls sind lang lau­fen­de An­lei­hen von Glen­co­re, et­wa XS1218432349, im­mer noch sehr at­trak­tiv. Trotz grund­sätz­lich tie­fen Zin­sen dürf­ten die­se in der Ten­denz noch tie­fer wer­den, was wei­ter­hin für Bond-Ex­po­sure in ei­ner Kom­bi­na­ti­on von so­li­den Se­nior­und erst­klas­si­gen nach­ran­gi­gen Pa­pie­ren spricht.

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