Wie­der et­was ru­hi­ger

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - SE­NER ARSLAN

Vo­la­ti­li­tät und Ner­vo­si­tät an den Fi­nanz­märk­ten ha­ben ab­ge­nom­men.

Der hef­ti­ge Kurs­rück­gang zu Jah­res­be­ginn an den glo­ba­len Bör­sen und die gros­se Ner­vo­si­tät, die sich in der ho­hen Vo­la­ti­li­tät der Ak­ti­en­kur­se in den USA und Eu­ro­pa aus­drück­te, ha­ben sich über die letz­ten Ta­ge wie­der et­was be­ru­higt. Die ent­spre­chen­den Vo­la­ti­li­täts­in­di­zes in den USA und Eu­ro­pa sind von ih­ren Hochs bei 28 bzw. 39 nun wie­der auf Ni­veaus zu­rück­ge­kom­men, wie sie vor dem Aus­bruch der Kor­rek­tur üb­lich wa­ren. Zu­dem ist auch die er­höh­te Kor­re­la­ti­on zwi­schen den An­la­ge­klas­sen wie­der et­was ge­sun­ken.

Der Glo­ba­le Ak­ti­en­in­dex MSCI ACWI World mach­te in die­ser Wo­che rund 3,3% gut. Ge­trie­ben wur­de die­ser An­stieg von ei­ner po­si­ti­ven Ak­ti­en­kurs­ent­wick­lung in Ja­pan, ge­folgt von Eu­ro­pa und den USA. Äus­serst po­si­tiv ent­wi­ckel­te sich der bra­si­lia­ni­sche Markt, wo der Bo­ve­s­pa fast 17% zu­leg­te, ob­wohl am Don­ners­tag die na­tio­na­le Sta­tis­tik­be­hör­de mit­teil­te, dass das Brut­to­in­land­pro­dukt ver­gan­ge­nes Jahr mas­siv ein­ge­bro­chen ist. So­mit droht die längs­te Re­zes­si­on seit 1930/31. Der Markt hat sich vor al­lem über die be­gin­nen­de ju­ris­ti­sche Au­f­ar­bei­tung des Kor­rup­ti­ons­skan­dals um den Mi­ne­ral­öl­kon­zern Pe­tro­bras ge­freut, weil dies ver­mut­lich den Rück­tritt von Prä­si­den­tin Dil­ma Rousseff vor­an­trei­ben wird.

Ban­ken wie­der ge­fragt

In Eu­ro­pa sorg­te vor al­lem der Dax für Vor­trieb. Der deut­sche Leit­in­dex ist seit Mon­tag um knapp 3% ge­stie­gen, der fran­zö­si­sche CAC 40 um gut 3%. Der Schwei­zer SMI mach­te im Wo­chen­ver­lauf rund 1% gut. In der Schweiz und auch ge­ne­rell im Euro Sto­xx 600 wa­ren die Ban­ken­ti­tel wie­der ge­fragt. Die höchs­ten Kurs­sprün­ge leg­ten Deut­sche Bank (über 17%) und Cre­dit Suis­se (über 16%) hin. Die Ri­si­ko­freu­dig­keit der An­le­ger hat sich auf die Ob­li­ga­tio­nen aus­ge­wirkt. Die Spreads auf US-Hoch­zins­an­lei­hen sind seit ih­rem Fe­bru­ar­hoch gut 15% zu­rück­ge­kom­men. Des Wei­te­ren ha­ben sich auch die Staats- und Un­ter­neh­mens­an­lei­hen aus Ent­wick­lungs­län­dern po­si­tiv ent­wi­ckelt.

Dies führ­te da­zu, dass Ob­li­ga­ti­ons­pa­pie­re, wel­che als si­cher gel­ten, vor al­lem zehn­jäh­ri­ge US-Tre­a­su­ries und ver­gleich­ba­re deut­sche Staats­an­lei­hen, ver­mehrt ab­ge­stos­sen wur­den, so­dass ih­re Ren­di­ten wie­der leicht an­zo­gen. Des­sen un­ge­ach­tet sind die Ren­di­ten deut­scher Staats­an­lei­hen bis zu acht Jah­ren Lauf­zeit nach wie vor ne­ga­tiv. In der Schweiz ren­tie­ren «Eid­ge­nos­sen» gar bis 20 Jah­re un­ter null.

Nach sei­nem mas­si­ven Kurs­ver­lust in den ers­ten Wo­chen des Jah­res hat sich das bri­ti­sche Pfund zu­min­dest ge­gen­über dem Dol­lar et­was ge­fan­gen. Das Br­ex­it-Re­fe­ren­dum wird nach wie vor stark dis­ku­tiert, und ob­wohl Gross­bri­tan­ni­en wahr­schein­lich nicht aus der Eu­ro­zo­ne aus­tre­ten wird, er­höht das Re­fe­ren­dum die Un­si­cher­heit und hält die Kurs­vo­la­ti­li­tät des Pfund-Dol­lar-Wäh­rungs­paars wei­ter hoch.

Hof­fen auf die EZB

Der bra­si­lia­ni­sche Re­al, wel­cher seit En­de 2014 zum Dol­lar rund 80% an Wert ver­lo­ren hat, hat auf ei­nem Ni­veau von 3.80 Re­al/$ ei­ne Ver­schnauf­pau­se ein­ge­legt. Die Er­ho­lung am Öl­markt setzt sich fort. Seit dem Zwölf­jah­res­tief im Fe­bru­ar ist der Preis um mehr als 30% ge­stie­gen. Die Opec-Län­der ha­ben sich zwi­schen­zeit­lich für ein Ein­frie­ren der Pro­duk­ti­ons­men­ge aus­ge­spro­chen. Auf ih­rem nächs­ten Tref­fen, ver­mut­lich noch im März oder im April, dürf­ten da­zu Ein­zel­hei­ten be­kannt wer­den.

Fu­tures-Händ­ler ha­ben wie­der ver­mehrt Long-Po­si­tio­nen in Öl auf­ge­baut. Des­sen Preis wird ne­ben den Opec-Be­schlüs­sen auch durch die ho­hen La­ger­be­stän­de und den Rück­gang der USSchie­fe­röl­pro­duk­ti­on be­stimmt.

Da­ne­ben hat auch die chi­ne­si­sche Zen­tral­bank die Märk­te po­si­tiv ge­stimmt, in­dem sie die Min­dest­re­ser­vean­for­de­run­gen für die Ge­schäfts­ban­ken ge­senkt hat. Nun lie­gen gros­se Hoff­nun­gen bei der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB), die nächs­te Wo­che nach all­ge­mei­ner Ein­schät­zung wohl zu­sätz­li­che An­lei­hen­käu­fe an­kün­di­gen und die Ein­la­gen­zin­sen noch wei­ter in den ne­ga­ti­ven Be­reich sen­ken dürf­te.

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