Play it again, Sam

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Chi­na will in In­fra­struk­tur in­ves­tie­ren. Im am Wo­che­n­en­de vor­ge­stell­ten neu­en Fünf­jah­res­plan wer­den un­ter an­de­rem 11 000 Ki­lo­me­ter neue Hoch­ge­schwin­dig­keits-Bahn­li­ni­en und In­fra­struk­tur­bau­ten in un­ter­ent­wi­ckel­ten Ge­bie­ten ver­spro­chen.

Die Welt­fi­nanz­märk­te ap­plau­dier­ten. Die Prei­se für Ei­sen­erz, Kup­fer und Erd­öl stie­gen um­ge­hend, die Ak­ti­en von Roh­stoff­kon­zer­nen wie Glen­co­re und BHP Bil­li­ton schos­sen in die Hö­he. Hoff­nung für neue Wachs­tums­im­pul­se in der bis­lang ent­täu­schend blut­lee­ren Welt­wirt­schaft keimt auf.

Es ist ein mitt­ler­wei­le be­währ­tes Mus­ter: Seit En­de 2008 hat Chi­nas Zen­tral­re­gie­rung mehr­mals gross an­ge­leg­te In­fra­struk­tur-In­ves­ti­ti­ons­pa­ke­te be­schlos­sen und da­mit den Welt­bör­sen zu Kurs­sprün­gen ver­hol­fen. Die Sa­che hat bloss ei­nen Ma­kel: Ei­nes der we­ni­gen Län­der, die mo­men­tan kei­ne neu­en In­fra­struk­tur­in­ves­ti­tio­nen brau­chen, ist Chi­na. Das Reich der Mit­te hat sich in den Jah­ren nach 2008 ei­nem kre­dit­fi­nan­zier­ten Bau­wahn hin­ge­ge­ben und – zu­min­dest für die kur­ze bis mitt­le­re Frist – über­in­ves­tiert. Be­reits heu­te ächzt das chi­ne­si­sche Fi­nanz­sys­tem un­ter fau­len Kre­di­ten aus In­fra­struk­tur­pro­jek­ten, wel­che ih­re ei­ge­nen Ka­pi­tal­kos­ten nicht ein­spie­len und da­her – ab­ge­se­hen von der Be­schäf­ti­gung wäh­rend der Bau­pha­se – kei­nen volks­wirt­schaft­li­chen Wert schaf­fen.

Die Welt bräuch­te In­ves­ti­tio­nen in In­fra­struk­tur, drin­gend so­gar. Die USA hät­ten eben­so gros­sen Spiel­raum für sinn­vol­le und wachs­tums­för­dern­de In­fra­struk­tur­pro­jek­te wie We­st­eu­ro­pa, von gros­sen Schwel­len­län­dern wie In­di­en, Ni­ge­ria oder In­do­ne­si­en ganz zu schwei­gen.

Es wä­re je­doch falsch, wenn sich der Rest der Welt ein­mal mehr auf Im­pul­se aus dem al­ten, auf­ge­bläh­ten Wachs­tums­mo­dell Chi­nas ver­lässt. Es wä­re bloss ein wei­te­res Ka­pi­tel in ei­nem Buch oh­ne Hap­py End.

Chef­re­dak­tor zum The­ma Chi­na-Wachs­tum

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