Kai­nos lebt gut vom Staat

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Di­gi­ta­li­sie­rung ist auch bei staat­li­chen Stel­len The­ma der St­un­de. Im­mer mehr wol­len ih­re Ab­läu­fe und Pro­zes­se di­gi­tal um­set­zen. Kai­nos (Lon­don: KNOS; Kurs: 196.75 Pence; Bör­sen­ka­pi­ta­li­sie­rung von 232,1 Mio. £ oder 328 Mio. Fr.) hat sich hier in ei­ner sehr kom­for­ta­blen Ni­sche breit­ge­macht: Di­gi­ta­li­sie­rungs­dienst­leis­tun­gen für den bri­ti­schen Ver­wal­tungs­ap­pa­rat. Das Markt­po­ten­zi­al ist enorm. Es um­fasst nicht nur Re­gie­rungs­stel­len und Mi­nis­te­ri­en auf na­tio­na­ler Ebe­ne und den Na­tio­nal He­alth Ser­vice (NHS), son­dern auch Hun­der­te re­gio­na­le und lo­ka­le Ad­mi­nis­tra­tio­nen.

Ein Gross­kun­de des klei­nen Un­ter­neh­mens aus Nord­ir­land ist das «Cabinet Of­fice», die zen­tra­le Ver­wal­tungs­be­hör­de der bri­ti­schen Re­gie­rung. Kai­nos mach­te es mög­lich, dass mitt­ler­wei­le 46 Mio. Stimm­be­rech­tig­te sich in En­g­land, Schott­land und Wa­les on­li­ne für Wah­len und Ab­stim­mun­gen re­gis­trie­ren kön­nen. Das Ab­stim­men via In­ter­net ist in Gross­bri­tan­ni­en – wie in der Schweiz – we­gen Si­cher­heits­be­den­ken zwar noch nicht mög­lich. Doch geht es nach den Plä­nen der bri­ti­schen Re­gie­rung, soll E-Vo­ting bis zu den Ge­ne­ral­wah­len 2020 zur Ver­fü­gung ste­hen. Kai­nos freut’s.

Sze­nen­wech­sel in ein bri­ti­sches Spi­tal: Ei­ne Ärz­tin wan­dert auf mor­gend­li­cher Vi­si­te durch die Flu­re und kon­sul­tiert Pa­ti­en­ten­da­ten am Kran­ken­bett. Sie tut dies nicht mehr mit ei­nem Kar­ton­re­gis­ter un­ter dem Arm, son­dern mit ei­nem Ta­blet, über das sie in Echt­zeit Zu­griff auf die zen­tral ab­ge­leg­ten Pa­ti­en­ten­da­ten hat: Auch hier spielt Kai­nos die ers­te Gei­ge. Mit dem Soft­ware­pro­dukt «Evol­ve» di­gi­ta­li­siert das Un­ter­neh­men Pa­ti­en­ten­ak­ten und de­ren Ver­ar­bei­tung. Haupt­kun­de ist der na­tio­na­le bri­ti­sche Ge­sund­heits­dienst NHS. Bis 2020 will die Monster­be­hör­de al­lein für die Di­gi­ta­li­sie­rung von Pa­ti­en­ten­da­ten 195 Mio. £ auf­wen­den.

Der Um­satz von Kai­nos war im Ge­schäfts­jahr 2015 mit 61 Mio. $ – wo­von 87% im Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reich und 7% in Ir­land an­fie­len – noch be­schei­den. Das Un­ter­neh­men be­fin­det sich aber auf ei­nem stei­len Wachs­tums­pfad, in­ner­halb von zwei Jah­ren ver­dop­pel­te sich sein Um­satz. Auch die Pro­fi­ta­bi­li­tät lässt sich se­hen: In der ers­ten Hälf­te des lau­fen­den Ge­schäfts­jah­res, das En­de März schliesst, be­trug die Brut­to­ge­winn­mar­ge 49%, das Be­triebs­er­geb­nis er­reich­te fast 14% des Um­sat­zes.

Kai­nos geht auf ei­nen Spin-Off der Queen’s-Uni­ver­si­tät Bel­fast im Jah­re 1986 zu­rück. Im Ju­li 2015 ging das Un­ter­neh­men an die Lon­do­ner Bör­se. Ver­g­li­chen zum Emis­si­ons­preis lie­gen die Ak­ti­en noch über 40% im Plus, trotz der deut­li­chen Kon­trak­ti­on seit No­vem­ber. Das Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis 2015/16 von 21 lässt an­ge­sichts des Wachs­tums­po­ten­zi­als Raum für wei­te­re Avan­cen. Kai­nos, die über ei­ne Net­to­li­qui­di­tät von 9,7 Mio. £ ver­fügt, strebt ei­ne Ex­pan­si­on in den US-Markt an und will sich zu­dem als Im­ple­men­tie­rungs­part­ner für die HR- und Fi­nanz­soft­ware «Work­day», die im Be­reich Cloud-Soft­ware in Mo­de ist, ei­nen Na­men ma­chen. Das sind al­ler­dings Ne­ben­schau­plät­ze – an­ge­sichts des gros­sen Markt­po­ten­zi­als in der bri­ti­schen Ver­wal­tung.

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