Vo­la­ti­li­tät for­dert An­le­ger

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - NEIL DWA­NE,

Die Berg- und Tal­fahrt, mit der 2016 be­gann, dürf­te sich fort­set­zen.

Die glo­ba­le geld­po­li­ti­sche Sche­re geht auf, wäh­rend po­li­ti­sche und geo­po­li­ti­sche Be­las­tun­gen zu­neh­men. Zu­dem ha­ben vier Ein­fluss­fak­to­ren die Span­nun­gen an den Märk­ten in dem noch jun­gen Jahr be­güns­tigt: die Sor­gen ei­ner gros­sen Ab­wer­tung des Yuan, der kol­la­bie­ren­de Öl­preis, die Ein­füh­rung ne­ga­ti­ver Zin­sen und der schwä­cheln­de Ban­ken­sek­tor.

Nach den Jah­ren der glo­bal ko­or­di­nier­ten Geld­po­li­tik gibt es nun ge­gen­sätz­li­che Ent­wick­lun­gen. Wäh­rend die US-No­ten­bank (Fed) die Zin­sen um 0,25 Pro­zent­punk­te er­höht hat, wur­den sie in mitt­ler­wei­le vier an­de­ren Volks­wirt­schaf­ten bis in den ne­ga­ti­ven Be­reich wei­ter ge­senkt. Der trotz Re­ser­ve­ver­käu­fen von Chi­na star­ke Dol­lar hat ne­ben Wachs­tums­län­dern und Roh­stof­fen vor al­lem sol­che Un­ter­neh­men hart ge­trof­fen, die in der US-Wäh­rung ver­schul­det sind, ih­ren Um­satz aber in lo­ka­len Wäh­run­gen er­wirt­schaf­ten.

Dunk­le Wol­ken

Zu­dem ver­dun­keln sich die Wol­ken über der US-Kon­junk­tur, was die Fort­set­zung des geld­po­li­ti­schen Fed-Kur­ses im Zwei­fel eben­so ge­fähr­den könn­te wie Über­ra­schun­gen im Ren­nen um die US-Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tur. Zu­dem re­agie­ren die Märk­te ner­vös im Span­nungs­feld zwi­schen dem Fed, das wei­te­re vier Leit­zins­an­he­bun­gen in die­sem Jahr in Aus­sicht ge­stellt hat, und den Fi­nanz­märk­ten, die nur ei­nen wei­te­ren Zins­schritt er­war­ten.

Be­las­tend für die Dol­lar-Pro­gno­sen hat sich die Aus­wei­tung der ne­ga­ti­ven Zins­po­li­tik (NIRP) der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) und der Bank von Ja­pan (BoJ) her­aus­ge­stellt, die auf ei­ne Wech­sel­kurs­ab­schwä­chung und hö­he­re Ex­por­te ab­zielt. Da­für wird so­gar ei­ne lang­fris­tig ernst­haf­te Ge­fähr- dung der Ban­ken­ren­ta­bi­li­tät in Kauf ge­nom­men. In­ter­es­san­ter­wei­se führ­te die Ein­füh­rung der ne­ga­ti­ven Zin­sen in Ja­pan En­de Ja­nu­ar je­doch zu ei­ner zehn­pro­zen­ti­gen Auf­wer­tung des Yen, da An­le­ger die Ver­zweif­lung hin­ter die­ser Po­li­tik of­fen­bar durch­schau­ten. Die Ab­wer­tungs­angst beim Yuan da­ge­gen kann tat­säch­lich der chi­ne­si­schen Geld­po­li­tik zu­ge­schrie­ben wer­den. Sie ist klar von der Über­zeu­gung ge­prägt, ei­ne Auf­wer­tung der ei­ge­nen Wäh­rung zu de­ckeln, da man be­reits ei­ne re­la­ti­ve Stär­kung ge­gen­über Yen und Euro in Kauf ge­nom­men hat.

Bei geld­po­li­ti­scher Ak­ti­vi­tät auf der­art un­be­kann­tem Ter­rain ver­wun­dert es nicht, dass An­le­ger un­si­cher re­agie­ren, Märk­te vo­la­ti­ler wer­den und die Li­qui­di­tät aus­trock­net. Auch wenn das glo­ba­le Wachs­tum fra­gil bleibt und man im Trü­ben fi­schen muss, gibt es doch Licht­bli­cke. Die öko­no­mi­schen Fak­ten spre­chen ge­gen ei­ne glo­ba­le oder US-Re­zes­si­on.

Viel­ver­spre­chend

Zwar sind die Sor­gen we­gen Chi­na grös­ser ge­wor­den, doch Pe­king steu­ert ei­nen viel­ver­spre­chen­den Kurs (Öff­nung des Pri­vat­sek­tors, Re­for­men des Staats­sek­tors). Mit ei­ner Be­le­bung der In­ves­ti­tio­nen, die sich im Rah­men des 13. Fünf­jah­res­plans und kon­kre­te­ren An­tiKor­rup­ti­ons­re­geln ab­zeich­nen, könn­te Chi­na schon im zwei­ten Halb­jahr wie­der Sta­bi­li­sa­tor des glo­ba­len Wachs­tums wer­den.

Vor­dring­li­cher sind aber wei­te­re Mass­nah­men, die mor­gen von der EZB und nächs­te Wo­che von der BoJ zu er­war­ten sind. Die EZB ist ent­schlos­sen, den dop­pel­köp­fi­gen Dra­chen aus un­ter­ka­pi­ta­li­sier­ten Ban­ken und nied­ri­ger In­fla­ti­on mit mehr geld­po­li­ti­schen Lo­cke­run­gen zu be­kämp­fen.

Da­durch könn­ten auch die Schweiz, Dä­ne­mark und Schwe­den un­ter Druck ge­ra­ten, ih­re ne­ga­ti­ven Zin­sen aus­zu­wei­ten. Der Kampf um Ren­di­te wird schär­fer und hö­her ren­tier­li­che Ak­ti­en noch at­trak­ti­ver. Schon heu­te über­zeu­gen gros­se eu­ro­päi­sche Öl­kon­zer­ne mit Di­vi­den­den­ren­di­ten von rund 8%. Und das trotz Öl-Tief­prei­sen und sin­ken­den In­ves­ti­tio­nen. Das ist ei­ne will­kom­me­ne Al­ter­na­ti­ve in zins­ar­men Zei­ten und dient der Ab­si­che­rung ge­gen­über den ho­hen Markt­schwan­kun­gen. Es gilt, der Vo­la­ti­li­tät ins Au­ge zu se­hen – nicht nur als un­ab­än­der­li­che Ge­ge­ben­heit, son­dern auch als ei­ge­ne An­la­ge­klas­se, die noch an Be­deu­tung ge­win­nen dürf­te.

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