Ge­spür für künf­ti­ge Me­di­ka­men­te ent­schei­det

Finanz und Wirtschaft - - SEVERIN SCH - GRI

Ro­che ist an der Bör­se be­liebt. Rund 90% al­ler Ana­lys­ten, die den Markt­füh­rer von Krebs­me­di­ka­men­ten ver­fol­gen, emp­feh­len des­sen Ge­nuss­schei­ne zum Kauf. Die Ge­sell­schaft, die vor 120 Jah­re ge­grün­det wur­de, konn­te 2015 di­ver­se Er­fol­ge fei­ern. Mit­un­ter bril­lier­te sie mit zu­las­sungs­re­le­van­ten kli­ni­schen Test­da­ten zu ei­nem neu­en Mul­ti­ple-Sk­le­ro­se-Me­di­ka­ment mit meh­re­ren Mil­li­ar­den Spit­zen­um­satz­po­ten­zi­al pro Jahr. Gleich­zei­tig hat sie in Re­la­ti­on zu den Vor­jah­ren ge­gen­wär­tig über­durch­schnitt­lich vie­le Ent­wick­lungs­pro­jek­te in der ent­schei­den­den Pha­se III (vgl. Gra­fik). To­tal ver­folgt sie 124 Pro­jek­te. Über­dies hat Ro­che zwei kom­plett neue Krebs­me­di­ka­men­te und 4 In­di­ka­ti­ons­er­wei­te­run­gen für al­te Prä­pa­ra­te im Zu­las­sungs­pro­zess.

Ein Gross­teil der Res­sour­cen in der For­schung- und Ent­wick­lung (F&E) ver­wen­det Ro­che der­zeit für Krebs­im­mun­the­ra­pi­en (Im­mu­n­oOn­ko­lo­gie). 45 von 74 On­ko­lo­gie­pro­jek­ten ba­sie­ren auf die­sem An­satz. Al­ler­dings ist das Feld um­kämpft. Die Tech­nik könn­te zum neu­en Standard wer­den. Ent­spre­chend hoch ist die An­zahl Arz­nei­mit­tel­her­stel­ler, die eben­falls auf dem Ge­biet for­schen. Wer das Ren­nen in der Im­mu­no-On­ko­lo­gie macht, ist of­fen. Die bis­her zu­ge­las­se­nen Me­di­ka­men­te wir­ken nur bei ei­ner Min­der­heit al­ler Krebs­pa­ti­en­ten. In­so­fern kann Ro­che, die im Un­ter­schied zu den US-Phar­ma­kon­zer­nen Bris­tol-My­ers Squibb und Merck & Co bis an­hin kei­ne Prä­pa­ra­te auf dem Markt hat, noch auf­ho­len – vor­aus­ge­setzt, sie schafft es, Wirk­stof­fe in um­satz­träch­ti­gen In­di­ka­tio­nen zu ent­wi­ckeln, auf die auch die rest­li­chen Pa­ti­en­ten an­spre­chen.

Ge­lin­gen soll das durch Kom­bi­na­ti­ons­the­ra­pi­en mit Me­di­ka­men­ten aus dem ei­ge­nen Pro­dukt­port­fo­lio. An­le­ger dür­fen je­doch nicht da­mit rech­nen, dass al­le Vor­ha­ben zum Er­folg füh­ren. Nur je­des zehn­te Me­di­ka­ment, das sich am An­fang der Ent­wick­lung be­fin­det, schafft es bis zum Zu­las­sungs­pro­zess. Auch be­steht durch die ho­hen An­stren­gun­gen in For­schung und Ent­wick­lung Hand­lungs­be­darf zur Ef­fi­zi­enz­stei­ge­rung. Den­noch will Ro­che 2016 das Ge­winn­wachs­tum mehr stei­gern als beim Um­satz. Beim Er­lös rech­net sie mit ei­nem Plus im un­te­ren bis mitt­le­ren ein­stel­li­gen Pro­zent­be­reich. Die Di­vi­den­de zum Vor­jahr soll eben­falls hö­her aus­fal­len. Un­mit­tel­bar für den Kurs der Ge­nuss­schei­ne ist ent­schei­dend, ob es der Ge­sell­schaft ge­lingt, ih­re Po­si­ti­on in der On­ko­lo­gie zu hal­ten. In die­sem Jahr ste­hen wich­ti­ge kli­ni­sche Test­da­ten zum Brust­krebs­wirk­stoff Per­je­ta und zum Blut­krebs­prä­pa­rat Ga­zy­va an. Dar­über hin­aus ach­ten An­le­ger mit Ar­gus­au­gen auf al­le Neu­ig­kei­ten zu den Ent­wick­lungs­ak­ti­vi­tä­ten in der Krebs­im­mun­the­ra­pie.

Der Preis, den In­ves­to­ren der­zeit für die Va­lo­ren zah­len, ent­spricht dem 18-Fa­chen des pro­gnos­ti­zier­ten Ge­winns für 2016. Da­mit liegt die Be­wer­tung der Ti­tel un­ter­halb der der Bran­che (Kurs­Ge­winn-Ver­hält­nis von 21) und auch der der Ak­ti­en von Kon­kur­rent No­var­tis (22). Die Er­war­tun­gen sind al­ler­dings hoch. Rück­schlä­ge in der Ent­wick­lung neu­er stra­te­gisch wich­ti­ger Wirk­stof­fe wür­den sich ent­spre­chend im Kurs nie­der­schla­gen. In­ves­to­ren, die auf Ro­che set­zen, ver­trau­en al­so auf das Ma­nage­ment um CEO Se­ve­rin Schwan bei der Aus­wahl er­folgs­ver­spre­chen­der Me­di­ka­men­te.

Bis an­hin hat es da­bei durch­aus Ge­schick be­wie­sen. In den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren wur­den ins­ge­samt zwölf Ent­wick­lungs­pro­jek­te von der US-Ge­sund­heits­be­hör­de FDA als «bahn­bre­chend» be­zeich­net. Sie­ben da­von sind in der On­ko­lo­gie an­ge­sie­delt. Kein an­de­rer Phar­ma­kon­zern weist ei­ne solch er­folgs­ver­spre­chen­de Bi­lanz auf – selbst wenn die An­zahl «bahn­bre­chen­der» The­ra­pi­en in Re­la­ti­on zu den For­schungs­aus­ga­ben ge­setzt wird.

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