Das gros­se Draghi-Cha­os

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AT

auf den Hin­weis, dass die EZB auf Jah­re tie­fe Zin­sen er­war­te. Und trotz nied­ri­ger Leit­zin­sen ist die Ren­di­te deut­scher Bun­des­an­lei­hen ge­stie­gen. Mit fast 0,3% ren­tier­ten sie auch am Frei­tag hö­her als An­fang März (vgl. Gra­fik 3).

Wie kam es zu der Ach­ter­bahn­fahrt? Ei­nen di­rek­ten Zu­sam­men­hang zu Äus­se­run­gen von Draghi zu zie­hen, ist zwei­fel­haft. Er er­läu­ter­te die De­tails des neu­en EZB-Pro­gramms und den Aus­blick für In­fla­ti­on und Kon­junk­tur in der Eu­ro­zo­ne. Zwar hält er das nun an­ge­kün­dig­te Sti­mu­lus­pro­gramm für aus­rei­chend. Doch das war vor­aus­zu­se­hen. Wä­re es nicht aus­rei­chend, hät­te die EZB mehr be­schlies­sen müs­sen.

Er­klä­rungs­ver­su­che

Da­her kom­men an­de­re Ver­su­che ins Spiel, die Markt­re­ak­tio­nen nach­zu­voll­zie­hen. So könn­ten die Märk­te Ne­ga­tiv­zin­sen nicht mö­gen. Sie re­sul­tie­ren in nied­ri­ge­rer Pro­fi­ta­bi­li­tät der Ban­ken. Die­se ver­lie­ren da­mit den An­reiz, die Wirt­schaft durch Kre­di­te zu sti­mu­lie­ren.

Ei­ne an­de­re Mög­lich­keit: Draghi sag­te, er wer­de die Leit­zin­sen nicht wei­ter sen­ken. Die Märk­te könn­ten ent­täuscht re­agiert ha­ben, weil sie zum Schluss ka­men, dass Draghi sei­ne letz­te Ku­gel ab­ge­feu­ert hat (was nur teil­wei­se stimmt, denn das QE-Pro­gramm könn­te noch wei­ter aus­ge­dehnt wer­den).

Al­ter­na­tiv könn­ten die Märk­te su­per­op­ti­mis­tisch für den Er­ho­lungs­kurs der Eu­ro­zo­ne dank der EZB-Mass­nah­men sein. Da­ge­gen spricht, dass sich die In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen auf dem Ter­min­markt kaum er­hol­ten. Es muss sich wei­sen, wie der Markt die neue Geld­po­li­tik tat­säch­lich be­ur­teilt. Viel­leicht war die ers­te Re­ak­ti­on doch die bes­se­re. Am Frei­tag stie­gen die Kur­se – be­son­ders der zu­vor ver­schmäh­ten Ban­ken.

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