Po­ten­zi­al für Gold

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - DA­RIO SI­GRON,

Fal­len­de Re­al­zin­sen könn­ten dem Gold­preis neu­en Schub ge­ben.

Die Grün­de für ei­ne In­ves­ti­ti­on in Gold sind ver­schie­den. Häu­fig wird Gold als si­che­rer Ha­fen in Zei­ten er­höh­ter Un­si­cher­hei­ten und ge­stie­ge­ner Kon­junk­tur­ri­si­ken be­zeich­net. Auf­grund der schwa­chen Kor­re­la­tio­nen zu an­de­ren An­la­ge­klas­sen bie­tet das Edel­me­tall gu­te Di­ver­si­fi­ka­ti­ons­ei­gen­schaf­ten. Die star­ken Zuflüs­se der letz­ten Wo­chen in ko­tier­te Gold­pro­duk­te spie­geln dem­ent­spre­chend die ak­tu­ell er­höh­te Markt­un­si­cher­heit und Ri­si­ko­aver­si­on. Seit Be­ginn die­ses Jah­res stieg der Gold­preis fast 20%.

Als ent­schei­den­der Grund ei­ner An­la­ge in Gold wird aber meist der In­fla­ti­ons­schutz auf­ge­führt. Bei stei­gen­der In­fla­ti­on und so­mit ab­neh­men­den Re­al­zin­sen kann das Edel­me­tall tat­säch­lich bis zu ei­nem ge­wis­sen Grad zum Schutz der Kauf­kraft bei­tra­gen. Ei­ne Gold­an­la­ge wirft aber kei­ne Zin­sen ab und ist da­her mit Op­por­tu­ni­täts­kos­ten ver­bun­den. Die­se um­fas­sen die ent­gan­ge­ne Ren­di­te, die er­zielt wor­den wä­re, hät­te man in ei­ne an­de­re An­la­ge­klas­se in­ves­tiert. Die ex­pan­si­ve Geld­po­li­tik di­ver­ser Zen­tral­ban­ken und den da­mit ver­bun­de­nen tie­fen Zin­sen ha­ben die­se Op­por­tu­ni­täts­kos­ten stark sin­ken las­sen.

Be­trach­tet man die Ent­wick­lung der rea­len US-Leit­zin­sen über die Zeit, so wird er­sicht­lich, dass sich der Gold­preis in ei­nem Um­feld von tie­fen und fal­len­den Re­al­zin­sen po­si­tiv ent­wi­ckelt hat. Auch in ei­nem Sze­na­rio von mo­de­ra­ten und leicht fal­len­den Re­al­zin­sen konn­te der Gold­preis ei­nen An­stieg ver­zeich­nen. Nied­ri­ge oder gar ne­ga­ti­ve Re­al­zin­sen kön­nen bei sehr tie­fen no­mi­na­len Zin­sen, bei stei­gen­den In­fla­ti­ons­ra­ten oder bei ei­ner Kom­bi­na­ti­on aus bei­dem auf­tre­ten. In der Ver­gan­gen­heit konn­te dies in Zei­ten von über­mäs­si­ger In­fla­ti­on wie in den Sieb­zi­ger­jah­ren oder bei sehr nied­ri­gen no­mi­na­len Zin­sen wäh­rend der Jahr­tau­send­wen­de be­ob­ach­tet wer­den.

Im ak­tu­el­len Markt­um­feld sind in den USA trotz des Zins­schrit­tes im ver­gan­ge­nen De­zem­ber die no­mi­na­len Zin­sen nach wie vor auf tie­fem Ni­veau. Auf­grund der jüngs­ten Stel­lung­nah­men der USNo­ten­bank Fed so­wie der Markt­er­war­tun­gen sind kon­ti­nu­ier­li­che Zins­schrit­te we­nig wahr­schein­lich. Zur­zeit geht der Markt von ein bis ma­xi­mal zwei Zins­er­hö­hun­gen in die­sem Jahr aus. Zieht man die ak­tu­el­len sta­bi­len In­fla­ti­ons­ra­ten hin­zu so­wie die Er­war­tun­gen leicht an­zie­hen­der Lohn­stei­ge­run­gen, wird ei­ne gra­du­el­le Ten­denz hin zu tie­fen und leicht fal­len­den Re­al­zin­sen wahr­schein­lich. Die­ser Ef­fekt könn­te den Gold­preis stüt­zen und gar für ei­nen wei­te­ren An­stieg sor­gen.

Seit Be­ginn die­ses Jah­res ist die Be­sorg­nis über ein Auf­kei­men der kon­junk­tu­rel­len Schwä­che der glo­ba­len Wirt­schaft ge­stie­gen. Den Aus­füh­run­gen der Fed-Che­fin Ja­net Yel­len ist zu ent­neh­men, dass es wohl kaum zu vie­len Zins­schrit­ten in die­sem Jahr kom­men wird. Wohl sind die ak­tu­ells­ten Zah­len zur Kon­junk­tur in den USA leicht bes­ser, je­doch fehlt bis­lang das Ver­trau­en in ei­ne nach­hal­ti­ge Er­ho­lung. Die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank hat ih­re geld­po­li­ti­sche Sti­mu­lie­rung noch aus­ge­wei­tet. Die Di­ver­genz zwi­schen der ame­ri­ka­ni­schen und eu­ro­päi­schen Geld­po­li­tik wird für län­ge­re Zeit be­ste­hen blei­ben und so­mit auch den Dol­lar auf ho­hem Ni­veau hal­ten. Ei­ne neue star­ke Auf­wer­tung des Dol­lars ist je­doch kaum zu er­war­ten.

Nun gel­ten tie­fe­re und fal­len­de Re­al­zin­sen, ei­ne ge­ne­rell er­höh­te Markt­un­si­cher­heit und ein Dol­lar, wel­cher den gröss­ten Teil sei­ner Auf­wer­tung hin­ter sich zu ha­ben scheint. Die­ses Um­feld birgt wei­te­res Po­ten­zi­al für den Gold­preis.

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