Die Draghi-Bör­se

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - THORS­TEN VET­TER

Die gros­sen No­ten­ban­ken blei­ben der ent­schei­den­de Ein­fluss­fak­tor für die Kapitalmärkte. Am Don­ners­tag ge­hör­te die Büh­ne ein­mal mehr der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB). Ihr Chef, Ma­rio Draghi, ver­kün­de­te die nächs­ten Lo­cke­rungs­mass­nah­men. Und die gin­gen weit über das hin­aus, was In­ves­to­ren in al­ler Welt er­war­tet hat­ten. So wur­de nicht nur der Leit­zins (sym­bo­lisch) auf null ge­senkt, son­dern auch ein neu­es Fi­nan­zie­rungs­pro­gramm für Ban­ken auf­ge­legt so­wie das An­lei­hen­kauf­pro­gramm mas­siv aus­ge­wei­tet und auf Un­ter­neh­mens­an­lei­hen aus­ge­dehnt.

Die Bot­schaft ist klar: Die EZB tut, was sie kann, um die Wirt­schaft in der Eu­ro­zo­ne an­zu­kur­beln und die In­fla­ti­ons­ra­te wie­der in Rich­tung der Ziel­grös­se von knapp 2% zu schie­ben. Ob es ge­lingt, ver­mag nie­mand se­ri­ös vor­her­zu­sa­gen. Es ist, wenn man so will, ein Ex­pe­ri­ment mit un­ge­wis­sem Aus­gang. Noch nie war Geld­po­li­tik der­mas­sen ag­gres­siv.

Ei­nes je­doch ist si­cher: Das Zins­ni­veau wird noch sehr lan­ge tief blei­ben – län­ger, als vie­le In­ves­to­ren das heu­te viel­leicht glau­ben mö­gen. Die Ver­mö­gen­s­prei­se dürf­te das wei­ter in die Hö­he trei- ben – al­len vor­an die von Im­mo­bi­li­en oder Ak­ti­en. Auch die Ren­di­te­auf­schlä­ge von Euro-Un­ter­neh­mens­an­lei­hen könn­ten von dem Auf­kauf­pro­gramm pro­fi­tie­ren, zu­mal Ban­ken kaum noch An­lei­hen be­ge­ben müs­sen, wenn sie sich zu den neu­en EZB-Son­der­kon­di­tio­nen re­fi­nan­zie­ren kön­nen.

Stei­gen­de Ak­ti­en­kur­se und sin­ken­de Ri­si­ko­prä­mi­en sind grund­sätz­lich die wich­tigs­ten Trei­ber für Wan­del­an­lei­hen. Das Um­feld für die­se An­la­ge­klas­se er­scheint des­halb güns­tig, zu­mal das kon­ve­xe Pro­fil von Wan­del­an­lei­hen in schwa­chen Markt­pha­sen schüt­zen kann. Ei­nes soll­ten An­le­ger nicht ver­ges­sen: Die neu­en, ra­di­ka­len Mass­nah­men der EZB ha­ben hand­fes­te Grün­de – die schwa­che wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung welt­weit, die ra­sant stei­gen­de Ver­schul­dung in den meis­ten Eu­ro­staa­ten so­wie die nach wie vor mas­si­ven Pro­ble­me des Ban­ken­sek­tors. Die­se po­ten­zi­el­len Ri­si­ken kön­nen je­der­zeit durch­schla­gen und die Bör­sen nach un­ten zie­hen. Wan­del­an­lei­hen kön­nen die Schwan­kun­gen im Port­fo­lio re­du­zie­ren.

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