Die zwei Ge­sich­ter der Zah­lungs­bi­lanz

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE -

mens­bi­lanz und der Über­tra­gungs­bi­lanz zu­sam­men. Der do­mi­nan­te Teil ist die Han­dels­bi­lanz, die die Gü­ter- und Di­ens­leis­tungs­strö­me er­fasst. Ex­por­tiert ein Land mehr, als es in der Sum­me im­por­tiert, re­sul­tiert in der Re­gel ein Leis­tungs­bi­lanz­über­schuss.

Das Ge­gen­stück zur Leis­tungs­bi­lanz ist die Ka­pi­tal­bi­lanz. Sie er­fasst die Ka­pi­tal­be­we­gung zwi­schen ei­nem Land und dem Rest der Welt. Wenn Aus­län­der im In­land Im- mo­bi­li­en, An­lei­hen oder Ak­ti­en er­wer­ben, ist das ein Ka­pi­tal­im­port. Wenn In­län­der im Aus­land in­ves­tie­ren oder Kre­di­te ge­wäh­ren, läuft das un­ter Ka­pi­tal­ex­port. Re­sul­tiert per sal­do ein Ex­port von Ka­pi­tal, spricht man von ei­nem De­fi­zit oder ei­nem Ka­pi­tal­ab­fluss.

Ka­pi­tal- und Leis­tungs­bi­lanz hän­gen zu­sam­men, sie neu­tra­li­sie­ren sich. Ein Leis­tungs­bi­lanz­über­schuss be­deu­tet, dass das Land durch den Han­del, die Ka­pi­tal­ein­künf­te wie Zin­sen und Di­vi­den­den so­wie Trans­fers mehr ein­nimmt, als es aus­gibt. Da­durch stei­gen die Net­to­aus­land­ver­mö­gen. Um­ge­kehrt hat ein Land mit ei­nem chro­ni­schen Leis­tungs­bi­lanz­de­fi­zit wie die USA au­to­ma­tisch ei­nen Über­schuss in der Ka­pi­tal­bi­lanz: Es kann sich das De­fi­zit in der Leis­tungs­bi­lanz nur leis­ten, wenn es da­für vom Aus­land Kre­dit be­kommt oder per sal­do mehr aus dem Aus­land in die­sem Land in­ves­tiert wird.

Über­steigt das Ka­pi­tal­bi­lanz­de­fi­zit den Über­schuss aus der Leis­tungs­bi­lanz, kommt die Wäh­rung un­ter Ab­wer­tungs­druck. Die No­ten­bank kann den Wech­sel­kurs stüt­zen, in­dem sie mit dem Ver­kauf von De­vi­sen­re­ser­ven die ei­ge­ne Wäh­rung am De­vi­sen­markt kauft. Die­ser Ver­kauf von Re­ser­ven ist buch­hal­te­risch ein Ka­pi­tal­im­port, wo­ge­gen der Kauf von aus­län­di­schen Wert­schrif­ten und De­vi­sen ein Ka­pi­tal­ex­port vom of­fi­zi­el­len Sek­tor ist.

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