Schwie­ri­ge Auf­ga­be für die Bank of En­g­land

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE -

Lan­ge war un­ter Ana­lys­ten klar: Als ers­ter der gros­sen Wäh­rungs­hü­ter wird die Bank of En­g­land (BoE) dem Bei­spiel der USA fol­gen und den Zins­er­hö­hungs­zy­klus ein­lei­ten. In­zwi­schen ist die bri­ti­sche No­ten­bank al­ler­dings von der kon­junk­tu­rel­len Rea­li­tät ein­ge­holt wor­den. Be­reits be­vor am kom­men­den Don­ners­tag die Ent­schei­de des geld­po­li­ti­schen Aus­schus­ses (MPC) pu­bli­ziert wer­den, scheint des­halb klar: Ei­ne Zins­er­hö­hung ist prak­tisch aus­zu­schlies­sen.

Im Zu­ge der glo­ba­len Kon­junk­tur­ein­trü­bung sind al­le wich­ti­gen bri­ti­schen Früh­in­di­ka­to­ren – dar­un­ter auch der Ein­kaufs­ma­na­ger­index der In­dus­trie (Purcha­sing Ma­na­gers In­dex, PMI) – auf mehr­jäh­ri­ge Tiefst ge­rutscht. Zu­dem hat die wach­sen­de Br­ex­itNer­vo­si­tät die Si­tua­ti­on der BoE ver­kom­pli­ziert. So zeigt sich ge­mäss ei­ner Ana­ly­se von Bar­clays in den jüngs­ten BIP-Zah­len zum vier­ten Quar­tal 2015 be­reits die In­ves­ti­ti­ons­zu­rück­hal­tung, die sich bis zur Ab­stim­mung am 23. Ju­ni wei­ter in­ten­si­vie­ren dürf­te.

Der Br­ex­it wür­de die BoE in die Zwick­müh­le brin­gen. Ent­we­der wird mit hö­he­ren Zin­sen die Kon­junk­tur ab­ge­würgt oder aber mit wei­ter­hin tie­fen Zin­sen die Teue­rung an­ge­heizt, die das schwä­che­re Pfund mit sich bringt. Ei­ne Hand­lungs­emp­feh­lung an die Wäh­ler wird die BoE nicht ab­ge­ben: Man wer­de of­fi­zi­ell kei­ne Po­si­ti­on zur Br­ex­it-Fra­ge be­zie­hen, sag­te vor kur­zem der BoE-Vor­sit­zen­de Mark Car­ney vor dem Fi­nanz­aus­schuss des bri­ti­schen Par­la­ments.

Noch En­de 2015 ging der Markt da­von aus, dass die Leit­zin­sen be­reits ab Mit­te 2016 lang­sam, aber ste­tig er­höht wer­den. Das zeigt die aus Over­night In­dex Swaps (OIS) ab­ge­lei­te­te Pro­gno­se. In­zwi­schen deu­ten die In­di­ka­to­ren an, dass es vor ei­ner Nor­ma­li­sie­rung der Geld­po­li­tik so­gar noch ei­ne wei­te­re Zins­sen­kung ge­ben wird (vgl. Gra­fik 7) – wie das am letz­ten Don­ners­tag die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank vor­ex­er­ziert hat.

Zwar gab MPC-Mit­glied Mar­tin Wea­le jüngst be­kannt, es sei plau­si­bler, dass die BoE über die nächs­ten zwei Jah­re die Zin­sen eher er­hö­he denn ver­rin­ge­re. Gleich­zei­tig er­klär­te er aber, die No­ten­bank kön­ne – wenn nö­tig – die Zin­sen durch­aus un­ter ih­ren ak­tu­el­len Stand von 0,5% sen­ken oder ei­ne neue Run­de quan­ti­ta­ti­ver Lo­cke­rung star­ten.

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