Blick nach Lon­don und zum Berg­bau

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AL­FONS COR­TES

In Lon­don sind ei­ni­ge In­dus­tri­en ver­tre­ten, die es an den kon­ti­nen­tal­eu­ro­päi­schen Bör­sen nicht oder nur in ge­rin­gem Aus­mass gibt, zum Bei­spiel Mi­nen­ak­ti­en. Die­ses Gen­re und die Bank­ti­tel sind in den rund drei Mo­na­ten, seit der FTSE sei­ne vier­ein­halb­jäh­ri­ge re­la­ti­ve Schwä­che zum Sto­xx 600 und die vier Jah­re dau­ern­de Schwä­che zum MSCI Welt auf­ge­ge­ben hat, auf­ge­fal­len.

Bri­tan­ni­ens Ge­wich­tung im MSCI Welt über­trifft mit 7,3% Deutsch­land, das nur 3,3 % aus­macht, ob­wohl sein Brut­to­in­land­pro­dukt 17 % hö­her ist. En­de 2011, als die re­la­ti­ve Schwä­che des FTSE zum MSCI Welt an­fing, war Bri­tan­ni­ens Ge­wicht 9,8% (Dax 3,7%). So­mit ist der bri­ti­sche An­teil seit­her um 12,2% ge­fal­len, wo­von 5,8% auf die Pfund­schwä­che zu­rück­ge­hen, wäh­rend der Dax 10,8% der Ge­wich­tung ein­ge­büsst hat, weil der Euro 14,6% ge­fal­len ist.

Was die Er­ho­lung an­treibt

In Hausse und Bais­se gibt es sehr sta­bi­le Ver­hal­tens­mus­ter re­la­tiv star­ker und re­la­tiv schwa­cher Ak­ti­en. So kann mit Ver­lass da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass, wenn die 20- und die 40-Wo­chenBol­lin­ger-Bän­der ei­ne über­ver­kauf­te Si­tua­ti­on ei­nes In­dex an­zei­gen, die re­la­tiv schwächs­ten Ti­tel sprung­haft an­zie­hen, wäh­rend die re­la­tiv star­ken eher leicht schwä­cheln. Das Ge­bot der Di­ver­si­fi­ka­ti­on soll­te mit Ver­stand um­ge­setzt wer­den: Man mei­de re­la­tiv schwa­che Märk­te und si­che­re Fremd­wäh­run­gen ab.

Nun liest und hört man, dass der FTSE re­la­tiv zu an­de­ren In­di­zes wie­der zu­le­ge. Die re­la­ti­ve Stär­ke be­gann im De­zem­ber und er­hielt dank Mi­nen­ak­ti­en ei­nen Schub Mit­te Fe­bru­ar. Ähn­lich ver­lief der re­la­ti­ve Trend zum Sto­xx 600, in dem die meis­ten im FTSE be­find­li­chen Mi­nen­ak­ti­en eben­falls ver­tre­ten sind, ob­wohl mit klar nied­ri­ge­rem Ge­wicht. Glen­co­re (+78%), Anglo Ame­ri­can (+59%), Rand­gold (+57%), Fres­nil­lo (+38%), BHP Bil­li­ton (+11%) wa­ren in den letz­ten drei Mo­na­ten die fünf stärks­ten Trei­ber un­ter den 41 Ak­ti­en im FTSE 100, die stie­gen. Zu den schwächs­ten ge­hör­ten die bri­ti­schen Bank- (Bar­clays –25%, RBS –21%) und Im­mo­bi­li­en­ti­tel (Bri­tish Land –15%, Land Se­cu­ri­ties –13% usw.).

Stroh­feu­er oder mehr?

Bri­ti­sche Mi­nen­ak­ti­en wa­ren auch die Ge­win­ner im Sto­xx 600, wäh­rend bri­ti­sche Ban­ken zu den kon­ti­nen­tal­eu­ro­päi­schen bis vor kur­zem nicht auf­fie­len, seit­her je­doch von den Ban­ken im Eu­ro­raum ab­ge­hängt wer­den – al­ler­dings kei­ne Ge­schich­te mit Hin­wei­sen auf die Zu­kunft, da sich struk­tu­rell kei­ne Än­de­run­gen ab­zeich­nen, we­der in Eu­ro­pa, Ame­ri­ka noch in Gross­bri­tan­ni­en. Die Mi­nen­va­lo­ren durch­lau­fen ein Stroh­feu­er.

Soll­te es zur Trend­wen­de kom­men, wür­de sie er­kenn­bar, wenn all­ge­mein die Kur­se wie­der fal­len. In­ter­es­san­te Ak­ti­en gibt es in Gross­bri­tan­ni­en durch­aus, wie Bri­tish To­bac­co und Im­pe­ri­al Brands. Ver­geb­lich sucht man aber, was ei­ner Trend­wen­de von fal­lend auf stei­gend vor­aus­geht: ei­ne Grup­pe von Un­ter­neh­men, die von ei­ner sich ab­zeich­nen­den neu­en Kon­stel­la­ti­on pro­fi­tie­ren könn­ten und uni­so­no ei­nen neu­en, stei­gen­den Trend be­gin­nen.

Der Bä­ren­markt ist auch in Lon­don noch nicht vor­bei, wo­bei «Bä­ren­markt» nicht nur fal­len­de In­di­zes im­pli­ziert, son­dern auch ein un­be­re­chen­ba­res Ver­hal­ten, wie das eu­ro­päi­scher Ak­ti­en und des Eu­ros letz­te Wo­che nach dem EZB-Ent­scheid. Ral­lys in Bä­ren­märk­ten kön­nen sehr scharf sein, sind aber im Ge­gen­satz zu rich­ti­gen Trends äus­serst an­fäl­lig für Ta­ges­nach­rich­ten und re­agie­ren dar­auf in kür­zes­ter Zeit oft sehr kon­tro­vers. Die Mei­nung des Au­tors muss nicht mit der der Re­dak­ti­on über­ein­stim­men.

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