Wie­der­holt sich das Kor­rek­tur­spiel?

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - SVEN LANG,

Mit ih­rer An­kün­di­gung vom 15. Ja­nu­ar 2015 hat sich die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) den glo­ba­len «Quan­ti­ta­ti­ve-Ea­sing»-Pro­gram­men an­ge­schlos­sen. Am 9. März 2015 wur­de die An­kün­di­gung um­ge­setzt und die ers­ten An­lei­hen auf­ge­kauft. Wer nun er­war­tet hat­te, dass die Ver­fall­ren­di­ten eu­ro­päi­scher Staats­an­lei­hen wei­ter sin­ken wür­den, sah sich falsch po­si­tio­niert. Zehn­jäh­ri­ge ita­lie­ni­sche Staats­an­lei­hen er­reich­ten ihr Ren­di­te­tief schon vier Ta­ge spä­ter mit 1,149%. Bei deut­schen Staats­an­lei­hen hielt der Trend im­mer­hin ein biss­chen län­ger, das Tief wur­de erst am 20. April er­reicht: 0,075%. Schon bald folg­te die Er­nüch­te­rung. Die Ver­fall­ren­di­ten stie­gen bis Mit­te Ju­ni um 113 Ba­sis­punk­te (Ita­li­en) und um 91 Bp (Deutsch­land). Auf­grund der in­ver­sen Be­zie­hung von An­lei­hen­ren­di­ten und –prei­sen wa­ren die Kurs­ver­lus­te er­heb­lich.

Qua­si ein Jahr nach dem ers­ten An­lei­hen­kauf wur­de das EZB-Pro­gramm nun aus­ge­wei­tet. Er­le­ben wir ein Déjà-vu? Zwei Fak­to­ren, die die Märk­te be­reits letz­tes Mal be­ein­flusst hat­ten, spie­len ei­ne be­deu­ten­de Rol­le. Die Roh­stoff­prei­se hat­ten sich im ver­gan­ge­nen Jahr von Ja­nu­ar bis Mai deut­lich er­holt und die Kon­junk­tur­da­ten aus der Eu­ro­zo­ne wa­ren ten­den­zi­ell bes­ser als er­war­tet. Ent­spre­chend kam es auf­grund hö­he­rer In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen zu der ein­gangs er­wähn­ten hef­ti­gen Kor­rek­tur. Auch 2016 hat­ten die Roh­stoff­prei­se eben­falls im Ja­nu­ar den Tief­stand er­reicht und ha­ben sich seit­her wie­der kräf­tig er­holt. Auch die Wirt­schafts­da­ten aus der Eu­ro­zo­ne fal­len, vor al­lem seit An­fang März, ten­den­zi­ell bes­ser aus als er­war­tet. Das mag Zu­fall sein. Aber jetzt, wo sich die Märk­te nach der EZB-An­kün­di­gung wie­der mehr auf die fun­da­men­ta­len Rea­li­tä­ten fo­kus­sie­ren, ist ei­ne Kor­rek­tur in den Staats­an­lei­hen­märk­ten nicht aus­ge­schlos­sen. Für In­ves­to­ren, die aus Di­ver­si­fi­ka­ti­ons­grün­den oder auch re­gu­la­to­risch be­dingt trotz­dem in die­sen Märk­ten in­ves­tiert sein wol­len, kön­nen in­fla­ti­ons­in­de­xier­te Staats­an­lei­hen ei­ne Al­ter­na­ti­ve sein. Die­se wer­den ge­gen­über den no­mi­na­len Pa­pie­ren in ei­nem Um­feld von stei­gen­den In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen aus re­la­tiv ge­se­hen bes­ser ab­schnei­den. Auch das wä­re ei­ne wei­te­re Par­al­le­le zu den Ge­scheh­nis­sen im ers­ten Halb­jahr 2015.

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