Mehr­heit un­nö­tig

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Gibt es zwin­gen­de Grün­de da­für, dass der Bund 51% der Swiss­com-Ak­ti­en hal­ten muss? Nein. Spricht et­was da­für, un­ter 50% zu ge­hen? Ja: Der Bund ist zu­gleich Mehr­heits­ak­tio­när, Re­gu­la­tor und Gross­kun­de. Das führt zu Ziel­kon­flik­ten und ver­zerrt den Wett­be­werb. Der Ex-Mo­no­po­list ist im­mer noch «glei­cher» als an­de­re Markt­teil­neh­mer. Vor­stös­se von Rue­di No­ser (FDP) im Stän­de­rat und von Na­ta­lie Rick­li (SVP) im Na­tio­nal­rat, das zu än­dern, sind da­her zu be­grüs­sen.

Die Er­folgs­aus­sich­ten sind je­doch nüch­tern zu be­ur­tei­len. Zwar dürf­te die FDP-Frak­ti­on für ei­nen Ab­bau des En­ga­ge­ments zu ge­win­nen sein, doch schon in der SVP und der CVP gibt es Struk­tur­kon­ser­va­ti­ve aus länd­li­chen Ge­bie­ten, de­nen Gr­und­ver­sor­gung übe­r­all über al­les geht. Für die SP, die oh­ne­hin an In­dus­trie­po­li­tik glaubt, ist «Ser­vice pu­b­lic» hei­lig, Wan­del des Ge­schäfts­mo­dells hin oder her.

Deut­sche Te­le­kom, Oran­ge (ex Fran­ce Té­lé­com), Tele­com Ita­lia oder Te­le­kom Aus­tria ge­hö­ren nicht zur Mehr­heit dem Staat, und doch kann auch in den Abruz­zen oder der Lau­sitz gut te­le­fo­niert wer­den. Der Son­der­fall Swiss­com ist sinn­los. Auch den Kan­to­nal­ban­ken tä­ten zeit­ge­mäs­se­re Ei­gen­tü­mer­struk­tu­ren gut. Man­che sind auf­ge­stellt wie Swiss­com, ko­tiert und zu knapp über der Hälf­te in Kan­tons­be­sitz, so die Ber­ner oder die Zu­ger KB. An­de­re sind ganz in Staats­hand, so die Zürcher KB. Das Bun­des­recht schreibt ei­nen Min­dest­an­teil des Sitz­kan­tons an Ka­pi­tal und Stim­men von ei­nem Drit­tel vor. Es ste­hen al­so Mög­lich­kei­ten of­fen, die gera­de mit Blick auf die nicht ga­ran­tiert ro­si­ge Zu­kunft des Bank­ge­schäfts ernst­haft zu er­wä­gen sind. Doch auch hier hängt die Po­li­tik am Gest­ri­gen.

Scha­de, denn es geht um die un­ter­neh­me­ri­sche Fra­ge nach dem bes­ten Ei­gen­tü­mer für heu­te und mor­gen. Für die SBB muss das wohl der Bund sein. Für Swiss­com nicht.

Res­sort­lei­ter zum The­ma Swiss­com

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