Deut­sche Bank setzt nicht auf Co­co Bonds

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - JH

«Wir wol­len uns bei der Ka­pi­ta­li­sie­rung nicht auf Co­co Bonds ver­las­sen, sie sind zu teu­er», sag­te John Cryan, CEO der Deut­schen Bank, am Mitt­woch an ei­ner Kon­fe­renz in Lon­don.

Die Aus­sa­ge ist ver­ständ­lich. Die Ve­r­un­si­che­rung der An­le­ger hat seit Jah­res­be­ginn die Prei­se der Co­co Bonds nach un­ten ge­drückt. Möch­te die Bank im ak­tu­el­len Um­feld ihr Kern­ka­pi­tal stär­ken, müss­te sie den An­le­gern ei­nen Cou­pon von et­wa 10% be­zah­len. Die UBS hat als ei­ne der am stärks­ten ka­pi­ta­li­sier­ten Uni­ver­sal­ban­ken die­se Wo­che ei­ne Co­co-An­lei­he plat­ziert und be­zahlt da­für knapp 7%. In ei­ner et­was kom­for­ta­ble­ren La­ge ist die Cre­dit Suis­se. Trotz Re­struk­tu­rie­run­gen ist sie nicht auf zu­sätz­li­ches Kern­ka­pi­tal an­ge­wie­sen, hält sich aber die Mög­lich­keit of­fen, zu ei­nem güns­ti­gen Zeit­punkt Kern­ka­pi­tal auf­zu­neh­men.

Co­co Bonds sind Pflicht­wan­del­an­lei­hen, die in Ak­ti­en ge­wan­delt oder ab­ge­schrie­ben wer­den, wenn die Kern­ka­pi­tal­quo­te un­ter ein be­stimm­tes Ni­veau fällt.

Nach­dem die Deut­sche Bank die Di­vi­den­de für die nächs­ten zwei Jah­re ge­stri­chen hat und die Aus­sich­ten auch für das lau­fen­de Jahr düs­ter sind, muss das Ver­trau­en der An­le­ger teu­er er­kauft wer­den. Die schlech­ten Nach­rich­ten neh­men in­des kein En­de. «Die Deut­sche Bank hat ho­he Rück­stel­lun­gen für Rechts­strei­tig­kei­ten ge­bil­det, was auf die Ei­gen­ka­pi­tal­quo­te drückt», sagt San­dro Zwys­sig, Fi­xe­dIn­co­me-Ana­lyst bei der LGT.

Den­noch ist das Po­ten­zi­al des Mark­tes in­takt. «Für die nächs­ten Jah­re rech­nen wir bei zu­sätz­li­chem Kern­ka­pi­tal mit ei­nem Emis­si­ons­vo­lu­men von bis zu 200 Mrd. Fr.», sagt Mau­ri­zio Pe­d­ri­ni, Lei­ter Cre­dit Fi­xed In- co­me bei der ZKB. Der Zeit­punkt ei­ner Co­coBond-Plat­zie­rung wird im­mer wich­ti­ger. Ei­ne un­mit­tel­ba­re Emis­si­ons­wel­le ist nicht zu er­war­ten. «Die Ban­ken ge­hen bei Co­coBond-Emis­sio­nen sehr op­por­tu­nis­tisch vor und ver­su­chen, ein güns­ti­ges Markt­um­feld zu wäh­len», sagt Zwys­sig.

Der Markt für Co­co Bonds ist An­fang Jahr prak­tisch zum Er­lie­gen ge­kom­men. Auch wenn die UBS mit ih­rer Emis­si­on die­se Wo­che den Markt wie­der ge­öff­net hat, ist das Pro­blem of­fen­sicht­lich. Nicht al­le In­sti­tu­te pro­fi­tie­ren von der Öff­nung. Wäh­rend so­li­de Ban­ken wie­der Geld auf­neh­men kön­nen, bleibt In­sti­tu­ten, die ih­re Kern­ka­pi­tal­quo­te stär­ken müss­ten, der Markt­zu­gang ver­wehrt. Da­zu ge­hört auch die Deut­sche Bank. Die Kurs­ent­wick­lung der Co­co Bonds ver­deut­licht die Un­si­cher­heit der An­le­ger (vgl. Chart). Der Ver­gleich der Co­co Bonds mit de­nen der UBS zeigt ein deut­lich schwä­che­res Ab­schnei­den der Deut­schen Bank.

Wenn der CEO der Deut­schen Bank die ei­ge­nen Co­co Bonds als zu teu­er ein­stuft, er­gibt sich aus In­ves­to­ren­sicht ein an­de­res Bild. Die­sel­be Aus­sa­ge wür­de heis­sen, dass die Ren­di­te zu hoch sei. Aus In­ves­to­ren­sicht ei­ne in­ter­es­san­te Kauf­ge­le­gen­heit.

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