In­dus­trie blu­tet nicht aus

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - PM

Vor al­lem ex­port­ori­en­tier­te und wech­sel­kurs­sen­si­ti­ve Bran­chen, die tra­di­tio­nell mit tie­fen Mar­gen le­ben müs­sen, ha­ben un­ter dem star­ken Fran­ken zu lei­den. Nach der Auf­he­bung des Eu­rom­in­dest­kur­ses zum Fran­ken vor gut ei­nem Jahr hat­te sich die Schwei­zer Wäh­rung schock­ar­tig auf­ge­wer­tet. Das Schlag­wort der De­in­dus­tria­li­sie­rung der Schweiz mach­te die Run­de.

Ein Jahr da­nach wird klar, dass der Fran­ken­schock zwar deut­li­che Spu­ren hin­ter­las­sen hat. Auf ge­samt­wirt­schaft­li­cher Ebe­ne kann je­doch nicht von ei­ner dra­ma­ti­schen Ent­wick­lung ge­spro­chen wer­den. Die durch­schnitt­li­che Ar­beits­lo­sen­quo­te hat 2015 im Vor­jah­res­ver­gleich nur von 3,2 auf 3,3% zu­ge­nom­men. Zu­gleich ist die Zahl der Be­schäf­ti­gen auf ei­ne neue Re­kord­hö­he ge­stie­gen. Das darf den­noch nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass ei­ni­ge Bran­chen, wie et­wa der Frem­den­ver­kehr oder die Ma­schi­nen­und Me­tall­in­dus­trie, be­son­ders hart ge­trof­fen wor­den sind. Die Mem-In­dus­trie (Ma­schi­nen, Elek­tro und Me­tall) ver­buch­te 2015 ei­nen mar­kan­ten Um­satz­rück­gang (vgl. Gra­fik). Auch die Be­schäf­ti­gung in der Bran­che kam un­ter Druck. Al­ler­dings ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die­se Ent­wick­lung schon nach der Kri­se von 2008/09 ein­ge­setzt hat.

Wie hoch der An­teil der Aus­la­ge­run­gen ins Aus­land an den Ar­beits­platz­ver­lus­ten ist, kann ge­mäss Bo­ris Zürcher, Lei­ter der Di­rek­ti­on für Ar­beit im Staats­se­kre­ta­ri­at für Wirt­schaft Se­co, nicht quan­ti­fi­ziert wer­den. In ei­ner vom Bran­chen­ver­band Swiss­mem 2014 durch­ge­führ­ten Um­fra­ge ga­ben 22% der Be­frag­ten an, we­gen der Fran­ken­stär­ke Ar­beits­plät­ze aus­ge­la­gert zu ha­ben.

Auch nicht eru­ie­ren lässt sich, ob Aus­la­ge­run­gen aus­schliess­lich der Fran­ken­stär­ke ge­schul­det sind oder noch an­de­re Fak­to­ren ei­ne Rol­le spiel­ten. Zürcher wie auch Pe­ter Dietrich, Di­rek­tor von Swiss­mem, kom­men zum Schluss, dass die Fran­ken­stär­ke von ei­nem oh­ne­hin statt­fin­den­den Struk­tur­wan­del über­la­gert wird bzw. ihn be­schleu­nigt. Ge­mäss Zürcher ist die Tat­sa­che, dass der In­dus­trie- re­la­tiv zum Di­enst­leis­tungs- sek­tor an Be­deu­tung ver­liert, «ein lang­jäh­ri­ger Trend, der in fast al­len hoch ent­wi­ckel­ten Län­dern zu be­ob­ach­ten ist». Er geht da­von aus, dass die Ar­beits­lo­sig­keit 2016 noch et­was stei­gen wird, und rech­net mit ei­ner durch­schnitt­li­chen Quo­te von rund 3,6%. Das deckt sich mit der Ein­schät­zung von Ru­dolf Minsch, Chef­öko­nom des Wirt­schafts­ver­bands Eco­no­mie­su­is­se. Er geht da­von aus, dass 2015/16 ei­ni­ge tau­send Ar­beits­plät­ze ins Aus­land ver­la­gert wer­den. Da aber um­ge­kehrt auch Stel­len ge­schaf­fen wer­den, er­war­tet er per sal­do zwar ei­ne rück­läu­fi­ge Be­schäf­ti­gung, geht aber da­von aus, dass «es nicht zu ei­nem Ein­bruch kommt».

Auf­grund der trotz al­lem ro­bus­ten In­dus­trie und ge­ge­be­ner Stand­ort­vor­tei­le er­war­tet Minsch kei­ne De­in­dus­tria­li­sie­rung. Das deckt sich mit der Mei­nung von Swiss­mem-Prä­si­dent Hans Hess. Er setzt al­ler­dings vor­aus, dass sich die wirt­schaft­li­chen und po­li­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen nicht wei­ter ver­schlech­tern.

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