Letz­te Chan­ce für Von Roll

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - PM

Das in der Ener­gie­tech­nik tä­ti­ge Un­ter­neh­men Von Roll steht hart am Ab­grund: Der einst stol­ze In­dus­trie­kon­zern reiht Ver­lust an Ver­lust. So auch 2015, der Fehl­be­trag er­reich­te knapp 35 Mio. Fr. Die Ei­gen­ka­pi­tal­de­cke ist auf noch 18% ge­schrumpft – für ein In­dus­trie­un­ter­neh­men ein ge­fähr­lich tie­fer Wert.

Das Un­ter­neh­men macht für das er­neut schwa­che Er­geb­nis ei­nen Strauss von Ur­sa­chen ver­ant­wort­lich: Da sind zu­nächst die üb­li­chen wie et­wa die Fran­ken­stär­ke oder ei­ne schwa­che Ent­wick­lung in Chi­na. Hin­zu kommt die sin­ken­de Nach­fra­ge in der für Von Roll wich­ti­gen Hoch­span­nungs­tech­nik.

Von ent­schei­den­der Be­deu­tung ist die nach wie vor sub­op­ti­ma­le Aus­le­gung der Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten. Das Un­ter­neh­men lei­det un­ter Über­ka­pa­zi­tä­ten. Noch vor nicht all­zu lan­ger Zeit lag die Ka­pa­zi­täts­aus­las­tung un­ter 50%. Von Roll hat 2015 acht Wer­ke ge­schlos­sen und et­li­che Be­trie­be mo­der­ni­siert. Da müs­sen Sün­den aus der Ver­gan­gen­heit mit ho­hem Auf­wand ber­ei­nigt wer­den.

Von Roll muss­te 2015 ei­nen Um­satz­rück­gang um 15,3% auf 354,8 Mio. Fr. hin­neh­men. Die Er­trags­la­ge hat sich im Vor­jah­res­ver­gleich leicht ver­bes­sert, bleibt aber schlecht. Auf Stu­fe Ebit er­gab sich ein Fehl­be­trag von 23 Mio. Fr. Un­ter dem Strich re­sul­tier­te ein Ver­lust von 34,9 Mio. Fr., zwei Drit­tel we­ni­ger als 2014.

Kon­zern­chef Achim Klotz ist mit dem Er­geb­nis nicht zu­frie­den. Er war im April 2013 als CEO an­ge­tre­ten, Von Roll wie­der auf Vor­der­mann zu brin­gen. Er lei­te­te rasch ei­ne Neu­aus­rich­tung des Kon­zerns ein. Die­se Re­struk­tu­rie­rung dau­ert län­ger als er­war­tet, Klotz hoff­te schon 2015 auf ein aus­ge­gli­che­nes Er­geb­nis.

Den­noch hält er an der Um­set­zung sei­ner Stra­te­gie fest. Der Gross­teil der Re­struk­tu­rie­run­gen soll 2016 ab­ge­schlos­sen wer­den. An­ge­sichts der dün­nen Ei­gen­ka­pi­tal­de­cke ist das zwin­gend. Ein er­neu­ter Ver­lust ist nicht mehr trag­bar – Von Roll hat 2016 ei­ne letz­te Chan­ce, den Tur­naround zu be­werk­stel­li­gen.

Da­bei hilft die an­ge­kün­dig­te Be­ge­bung ei­ner Wan­del­an­lei­he über 150 Mio. Fr. mit ei­ner Lauf­zeit von sechs Jah­ren nur be­dingt. Sie dient zur Ab­lö­sung ei­ner im Herbst fäl­lig wer­den­den An­lei­he. Soll­te sie nicht voll ge­zeich­net wer­den, hat sich die Fa­mi­lie von Finck, die zwei Drit­tel der Ak­ti­en be­sitzt, ver­pflich­tet, die ver­blei­ben­den An­tei­le zu über­neh­men. CEO Klotz ist 2016 zum Er­folg ver­dammt – des­sen ist er sich be­wusst. Die Ak­ti­en sind für Nor­mal­an­le­ger kein The­ma.

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