Un­ter­be­wer­tet

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - GRI

Die Ak­ti­en Ab­bVie (NY­SE: ABBV, Kurs 55.32 $, Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung 89,13 Mrd. $) zäh­len un­ter den Ti­teln der TopPhar­ma­kon­zer­ne zu den am tiefs­ten be­wer­te­ten. Das KGV für 2016 be­trägt 11, wäh­rend der Bran­chen­schnitt bei 15 liegt. Die Sor­ge, wie es nach der Ära des Mul­ti-Mil­li­ar­den-Me­di­ka­ments Hu­m­i­ra ge­gen Au­to­im­mun­er­kran­kun­gen wie Rheu­ma­to­ide Ar­thri­tis und Schup­pen­flech­te wei­ter­geht, drückt den Kurs.

Der pri­mä­re Ex­klu­si­vi­täts­schutz für das Prä­pa­rat (Er­lös 2015 rund 14 Mrd. $, 60% Um­satz­an­teil) en­det im De­zem­ber in den USA und En­de 2018 in der EU. Acht Ge­ne­ri­kaan­bie­ter – dar­un­ter auch No­var­tis – ha­ben zu­las­sungs­re­le­van­te kli­ni­sche Tests für Ko­pi­en am Lau­fen. Seit rund neun Mo­na­ten zeigt der Kur­strend der Va­lo­ren von Ab­bVie nach un­ten, in der Zeit ha­ben sie über 20% an Wert ver­lo­ren. An­le­ger schei­nen ab­zu­war­ten, bis mehr Klar­heit um die Si­tua­ti­on bei Hu­m­i­ra herrscht.

Da­bei sind die Pro­gno­sen, die das Un­ter­neh­men (wie auch Ana­lys­ten) in Aus­sicht stellt, gar nicht so schlecht. Ab­bVie rech­net mit ei­nem Ge­winn­wachs­tum pro an­no im zwei­stel­li­gen Pro­zent­be­reich bis 2020. Ana­lys­ten er­war­ten im Mit­tel ei­nen jähr­li­chen Zu­wachs von 17% in den nächs­ten drei Jah­ren. Der Grund für die Zu­ver­sicht: Da sich ne­ben Wirk­stoff­zu­sam­men­set­zun­gen auch An­wen­dungs­for­men bei Me­di­ka­men­ten mit ei­nem Pa­tent schüt­zen las­sen, wirkt das Ex­klu­si­vi­täts­recht von Hu­m­i­ra wo­mög­lich deut­lich län­ger. Erst 2022 fällt der Pa­tent­schutz bei ei­ner ers­ten wich­ti­gen In­di­ka­ti­on weg. Zu­dem tes­tet Ab­bVie das Prä­pa­rat noch im­mer auf neue In­di­ka­tio­nen.

Doch selbst wenn sich der Kon­kur­renz­druck durch die Ge­ne­ri­kaun­ter­neh­men frü­her als er­war­tet zu­spit­zen wür­de und Ab­bVie bei Hu­m­i­ra schon bald ei­nen Er­lös­rück­gang hin­neh­men müss­te, könn­te die Ge­sell­schaft ihr Ver­spre­chen von Wachs­tum bis zu ei­nem ge­wis­sen Grad den­noch ein­lö­sen. Ab­bVie hat mit dem Blut­krebs­mit­tel Im­bru­vica, das sie sich durch die Über­nah­me des US-Bio­techun­ter­neh­mens Phar­ma­cy­clics ein­ver­leib­te, ei­nen po­ten­zi­el­len Block­bus­ter im Pro­dukt­port­fo­lio. Des­sen Um­satz dürf­te in den nächs­ten Jah­ren stark wach­sen. Die Ge­sell­schaft spricht von ei­nem Er­lös­po­ten­zi­al zu Spit­zen­zei­ten von bis zu 7 Mrd. $ p.a.

Mit Ro­che hat sie zu­dem ein po­ten­zi­ell lu­kra­ti­ves Part­ner­pro­jekt am Lau­fen: Ve­ne­to­clax, ein wei­te­res Blut­krebs­me­di­ka­ment, könn­te schon bald die Zu­las­sung er­hal­ten. Die US-Ge­sund­heits­be­hör­de hat den Wirk­stoff als Durch­bruch in der Me­di­zin be­zeich­net, was in der Re­gel zu ei­nem ver­kürz­ten Zu­las­sungs­pro­zess führt.

Im bes­ten Fall kann Ab­bVie die ope­ra­ti­ve Ge­winn­mar­ge bis 2020 von heu­te 33% auf 50% stei­gern. Das zu­min­dest pro­phe­zeit das Ma­nage­ment der Ge­sell­schaft. Da­zu braucht es ne­ben ei­nem güns­ti­gen Markt­um­feld bei Hu­m­i­ra und wei­te­ren noch in der Pi­pe­line be­find­li­chen Me­di­ka­men­ten ein Kos­ten­spar­pro­gramm, das die Ge­sell­schaft ein­lei­ten will. Die Va­lo­ren der Ge­sell­schaft sind ei­ne Wet­te dar­auf, dass Bör­sen­teil­neh­mer über kurz oder lang wie­der Ver­trau­en in das Po­ten­zi­al des Un­ter­neh­mens fas­sen.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.