Steu­er­mann mit Er­fah­rung

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - WOLF­GANG GAM­MA

Fegt die Bi­se über den Lac Lé­man, wird es auf dem Was­ser schon mal un­ge­müt­lich. Dann braucht der Ka­pi­tän ei­ne ru­hi­ge Hand, um sein Boot auf Kurs zu hal­ten. Als im April 2013 Richard Le­peu und Ber­nard For­nas als Co-CEO die Lei­tung am Ri­che­mont-Haupt­sitz in Bel­le­vue bei Genf über­nah­men, war es ver­gleichs­wei­se ru­hig, zu­min­dest was das Ge­schäfts­um­feld des Lu­xus­gü­ter­her­stel­lers be­traf. Es folg­ten drei be­weg­te, her­aus­for­dern­de Jah­re, die das Team ge­mein­sam meis­ter­te. Nun wird der Schwei­zer Le­peu den 10-Mil­li­ar­den-Kon­zern ab April al­lein füh­ren. For­nas, der äl­te­re der bei­den und lang­jäh­ri­ge Mon­sieur Car­tier, zieht sich in den Ver­wal­tungs­rat zu­rück.

Bis­her küm­mer­te sich der 64-jäh­ri­ge Le­peu vor al­lem um die zen­tra­len Funk­tio­nen Ri­che­monts. Nun wird er auch die ope­ra­ti­ven Ge­sell­schaf­ten be­auf­sich­ti­gen, die bei Ri­che­mont Mai­sons ge­nannt wer­den und gros­se Un­ab­hän­gig­keit geniessen. Le­peu stand wäh­rend meh­re­rer Jah­re dem Ju­we­lier­haus und Kon­zern­flagg­schiff Car­tier vor. Er weiss al­so durch­aus, was es heisst, als «Haus­herr» zu am­ten. Le­peus Kar­rie­re­start im Haus Car­tier geht auf das Jahr 1979 zu­rück. Zu­vor ar­bei­te­te der Ab­sol­vent des In­sti­tut d’étu­des po­li­ti­ques in Pa­ris und der Uni­ver­sité de sci­en­ces éco­no­mi­ques Pa­ris Xè­me für die Ban­que Roth­schild in der Un­ter­neh­mens­fi­nan­zie­rung. Bei Car­tier star­te­te er als As­sis­tent des Prä­si­den­ten. Es folg­ten vier Jah­re als Ge­ne­ral­se­kre­tär, zehn als Fi­nanz­chef und sechs als CEO, be­vor er als Chief Ope­ra­ting Of­fi­cer in die Ri­che­mont-Zen­tra­le wech­sel­te. Mit der Er­nen­nung zum Fi­nanz­chef des Kon­zerns 2004 war auch die Wahl in den Ver­wal­tungs­rat ver­bun­den.

Seit 2010 ist der stets dis­kret auf­tre­ten­de, zu­rück­hal­ten­de Le­peu Stell­ver­tre­ter und so­mit die rech­te Hand des cha­ris­ma­ti­schen Ri­che­mont-Mehr­heits­ak­tio­närs und VR-Prä­si­den­ten Jo­hann Ru­pert aus Süd­afri­ka. Er ist kein Mann der lau­ten Tö­ne, eher wort­karg. Doch wenn er re­fe­riert, macht er das durch­aus char­mant und mit tref­fen­dem, mit­un­ter poin­tier­tem Aus­druck. In den drei Jah­ren als Co-CEO war Le­peu mit zahl­rei­chen, vor­her jah­re­lang un­be­kann­ten Schwie­rig­kei­ten kon­fron­tiert. Die Pro­ble­me in Asi­en, vor al­lem in Hong­kong ver­schärf­ten sich. Zwei­stel­li­ge Wachs­tums­ra­ten dürf­ten auf län­ge­re Zeit der Ver­gan­gen­heit an­ge­hö­ren. Die Be­ra­ter von Bain & Com­pa­ny schät­zen, dass der Lu­xus­gü­ter­sek­tor auch 2016 le­dig­lich 2% ex­pan­die­ren wird.

Die Flau­te hat­te ei­ne Brems­wir­kung auf den gan­zen Kon­zern. Ri­che­mont re­agier­te zu­nächst mit Kurz­ar­beit in Tei­len der Pro­duk­ti­on auf die Her­aus­for­de­rung. Da das nicht reich­te, wird nun ein Stel­len­ab­bau in ein­zel­nen Wer­ken fol­gen. Be­trof­fen sind ne­ben Car­tier auch die Mar­ken Pia­get und Va­che­ron Con­stan­tin.

Im har­ten Markt­um­feld kommt Ri­che­mont zu­gu­te, dass der Fi­nanz­spe­zia­list Le­peu die gu­ten Zei­ten zu kräf­ti­gen In­ves­ti­tio­nen in den Aus­bau und die Mo­der­ni­sie­rung der Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten ge­nutzt hat und dies­be­züg­lich kein Nach­hol­be­darf be­steht. Zu­rück­leh­nen darf und wird sich Le­peu den­noch nicht. Ri­che­mont kann ge­wiss sein, dass das Kon­zern­steu­er auch bei ihm al­lein in gu­ten Hän­den ist.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.