Bi­la­te­ra­le

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - ER­WIN MÄCHLER,

Un­ter «Bi­la­te­ra­len» hat man frü­her und auch heu­te Ver­trä­ge zwi­schen gleich­be­rech­tig­ten Part­nern, vor­nehm­lich Staa­ten, ver­stan­den. Die «Bi­la­te­ra­len» zwi­schen der Schweiz und der EU sind je­doch et­was ganz an­de­res, ei­ne völ­lig an­de­re Ka­te­go­rie. Sie im­pli­zie­ren das Zu­ge­ständ­nis der ei­nen Par­tei, hier der Schweiz, ge­gen­über dem Part­ner, hier der EU, bei al­len Ver­trä­gen eu­ro­päi­sches Recht, künf­ti­ges und bis­he­ri­ges, au­to­ma­tisch zu über­neh­men. Und hier al­lein liegt das Pro­blem. Wes­halb stellt die EU die­se For­de­rung? Weil sie hofft, auf die­se Wei­se die Schweiz bald als Mit­glied zu ge­win­nen.

Lei­der hat es der Bun­des­rat bis­her nicht fer­tig­ge­bracht, der EU zu er­klä­ren, dass die Schweiz der EU nicht bei­tre­ten will und dass sie auch nicht Mit­glied des so­ge­nann­ten EU-Bin­nen­mark­tes wer­den will. Wür­de näm­lich die EU die­se Er­klä­rung ak­zep­tie­ren und ab so­fort auf die For­de­rung der so­ge­nann­ten in­sti­tu­tio­nel­len Ein­bin­dung ver­zich­ten, so wä­re das Ver­hält­nis zwi­schen der Schweiz und der EU auf ei­nen Schlag ent­spannt. Die der Guil­lo­ti­ne­klau­sel un­ter­stell­ten Ver­trä­ge müss­ten le­dig­lich ent­schlackt wer­den, «bi­la­te­ra­le Ver­trä­ge» wä­ren wie­der ein­deu­tig Ver­trä­ge un­ter Gleich­ge­stell­ten.

Dass die Per­so­nen­frei­zü­gig­keit in­ner­halb der EU ei­ner der vier exis­ten­zi­el­len Pfei­ler sei, mag durch­aus sein. Die Schweiz ist aber nicht Mit­glied der EU. Mit dem Ple­bis­zit vom 9. Fe­bru­ar 2014 hat der Schwei­zer Sou­ve­rän klar­ge­stellt, dass die Schweiz die Steue­rung der Zu­wan­de­rung, auch aus der EU, wie­der selbst über­neh­men will. Ei­ne Ver­wei­ge­rung von Nach­ver- hand­lun­gen des Frei­zü­gig­keits­ab­kom­mens durch die EU ist un­ak­zep­ta­bel, schliesst die­ser Ver­trag sol­che Ver­hand­lun­gen doch nicht aus. Be­harrt die EU auf ih­rer ab­leh­nen­den Hal­tung, so bleibt der Schweiz nur die Kün­di­gung des Frei­zü­gig­keits­ab­kom­mens und kon­se­quen­ter­wei­se der «bi­la­te­ra­len» Ver­trä­ge, die mit der Guil­lo­ti­ne­klau­sel ver­bun­den sind.

Dies mit der aus­drück­li­chen Er­klä­rung, dass die Schweiz die bis­her aus­ge­spro­chen er­freu­li­chen po­li­ti­schen, wirt­schaft­li­chen und kul­tu­rel­len Be­zie­hun­gen mit den Mit­glied­län­dern der EU wei­ter­zu­füh­ren und wo­mög­lich so­gar zu in­ten­si­vie­ren wünscht. Aber oh­ne je­de «in­sti­tu­tio­nel­le Ein­bin­dung». Nach ei­ner sol­chen «Kün­di­gung» wür­den die Be­zie­hun­gen der Schweiz mit den EU-Mit­glied­län­dern im Rah­men ei­ner Über­gangs­lö­sung in ver­trags­lo­sem Zu­stand oh­ne­hin wei­ter­ge­hen.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.