No­ten­ban­ken in der Zins­fal­le

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - ALEX­AN­DER TREN­TIN,

In der hit­zi­gen Dis­kus­si­on über die Geld­po­li­tik scha­det es nicht, ein­mal ei­nen Schritt zu­rück­zu­tre­ten. So hilft es, die Ent­wick­lung der Re­al­zin­sen ge­nau­er zu be­trach­ten. Rich­tig ist: Die no­mi­na­len Zin­sen no­tie­ren in vie­len Län­dern – his­to­risch ein­ma­lig – un­ter null. Des­we­gen No­ten­ban­ken un­ver­ant­wort­li­ches Ver­hal­ten vor­zu­wer­fen, ist aber falsch.

Denn gleich­zei­tig ist in den letz­ten Jah­ren auch die In­fla­ti­on ge­sun­ken. Schon al­lein um die ent­schei­den­den rea­len Zin­sen nicht mas­siv stei­gen zu las­sen, muss­ten die No­ten­ban­ken ste­tig die Leit­zin­sen sen­ken (vgl. Ar­ti­kel oben). Hät­te man die Zin­sen nicht ge­senkt, wä­re ei­ne de­fla­tio­nä­re Spi­ra­le ris­kiert wor­den. Da die No­ten­ban­ken sich zu­nächst nicht un­ter die Null­gren­ze trau­ten, wur­de mit An­lei­hen­käu­fen der lang­fris­ti­ge Zins be­ein­flusst. Zwar ist der rea­le Zins seit Jahr­zehn­ten am Sin­ken, aber lang­sa­mer, als es der no­mi­na­le Zins ver­mu­ten lässt. Und die No­ten­ban­ken sas­sen da­bei nicht im Fah­rer­sitz. Ih­nen liegt es fern, den Zins be­lie­big zu sen­ken. Aber ih­re Geld­po­li­tik muss der wirt­schaft­li­chen Rea­li­tät ge­recht wer­den. Trotz nied­ri­ger Zin­sen scheint es kein Über­hit­zen der Wirt­schaft zu ge­ben. Im Ge­gen­teil ent­täuscht das Wachs­tum seit Jah­ren. Der Zins ist dem­nach eher zu hoch als zu tief ge­setzt.

Die No­ten­ban­ken ste­cken in ei­ner Fal­le. Denn sie könn­ten sich ge­zwun­gen se­hen, den Re­al­zins noch tie­fer zu set­zen. Schon al­lein ei­ne Trend­be­trach­tung lässt ein sol­ches Sze­na­rio plau­si­bel er­schei­nen.

Da­vor ha­ben Zen­tral­ban­ken Angst, weil die Teue­rung so ge­ring ist. Das er­schwert ih­nen den Job. Wenn die In­fla­ti­on nicht an­ge­heizt wer­den kann, muss der no­mi­na­le Zins wei­ter fal­len. Das wird schwie­rig. Denn mit Bar­geld kann man ne­ga­ti­ve Zin­sen um­ge­hen.

Aus die­ser Zins­fal­le her­aus stam­men ex­tre­me Vor­schlä­ge, et­wa die Bar­geld­hal­tung ein­zu­schrän­ken oder durch die Zen­tral­bank Kon­sum und In­ves­ti­tio­nen zu fi­nan­zie­ren (He­li­ko­pter­geld). Für No­ten­ban­ken wä­re es Grund zur Freu­de, wenn die Wirt­schaft be­reit wä­re für hö­he­re Re­al­zin­sen. Doch sie dür­fen sich auf die­se Hoff­nung nicht ver­las­sen.

Re­dak­tor, zur Kom­bi­na­ti­on aus tie­fen No­mi­nal­zin­sen und ge­rin­ger In­fla­ti­on.

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