Ver­hal­tens­viel­falt der Ak­teu­re

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE -

Die Pro­ble­ma­tik un­be­kann­ter Hand­lun­gen wird in der Ri­si­ko­ana­ly­se da­durch über­wun­den, dass von ide­al­ty­pi­schen Ver­hal­tens­nor­men aus­ge­gan­gen wird. Dem­nach be­ur­tei­len die Markt­ak­teu­re In­for­ma­tio­nen stets gleich auf der Ba­sis des ma­the­ma­ti­schen Kal­küls ei­nes an­er­kann­ten Be­wer­tungs­mo­dells.

Un­ter­stellt wird im­pli­zit, dass sich Markt­prei­se un­ab­hän­gig vom Ver­hal­ten der Markt­teil­neh­mer bil­den und be­stimm­te Um­welt­zu­stän­de au­to­ma­tisch ein­tref­fen. Auch be­ein­flus­sen sich die Markt­teil­neh­mer nicht ge­gen­sei­tig. In den gän­gi­gen Mo­del­len sind da­mit die Ri­si­ken exo­gen durch die Ein­tre­tens­wahr­schein­lich­keit äus­se­rer Ein­flüs­se de­ter­mi­niert.

Al­ler­dings sind die Ka­pi­tal­markt­teil­neh­mer gar nicht in der La­ge, sich an die for­ma­le Lo­gik der Wahr­schein­lich­kei­ten zu hal­ten. Die rea­len Markt­ak­teu­re se­hen sich mit dem Pro­blem be­las­tet, die vie­len Ein­fluss­fak­to­ren der Ak­ti­en­kurs­ent­wick­lung zu al­ter­na­ti­ven Um­welt­zu­stän­den zu ver­dich­ten und ih­nen sinn­vol­len Ein­tre­tens­wahr­schein­lich­kei­ten zu­zu­wei­sen.

Bei den re­le­van­ten Da­ten han­delt es sich um sub­jek­ti­ve, ver­streu­te und teil­wei­se un­ar­ti­ku­lier­ba­re In­for­ma­tio­nen. Die­se sind als in­ter­pre­ta­ti­ons­be­dürf­tig zu be­trach­ten und wei­sen ei­ne ho­he Mehr­deu­tig­keit auf.

Be­dingt durch die Da­ten­un­si­cher­heit ist die Über­tra­gung ei­ner Si­tua­ti­on in ein Be­wer­tungs­mo­dell nicht oh­ne wei­te­res mög­lich. Vie­le An­fangs­pa­ra­me­ter von Mo­del­len müs­sen vom Ka­pi­tal­markt­teil­neh­mer selbst in ei­ner kom­ple­xen Rea­li­tät er­mit­telt wer­den und ent­hal­ten heu­ris­ti­sche In­for­ma­tio­nen.

Bei Be­wer­tun­gen tref­fen zu­dem pro­gnos­ti­sche Ele­men­te und die Un­ge­wiss­heit der Zu­kunft zu­sam­men. Ex­ak­te ma­the­ma­ti­sche Be­rech­nun­gen, wie sie für Ri­si­ko­si­tua­tio­nen ge­eig­net sind, müs­sen bei Vor­lie­gen von Un­si­cher­heit zu ei­nem be­trächt­li­chen Teil durch spe­ku­la­ti­ve An­nah­men oder Er­war­tun­gen er­setzt wer­den. Wer­ten­de Ent­schei­dun­gen füh­ren so­mit auch bei der An­wen­dung von ana­ly­tisch prä­zi­sen Ver­fah­ren zu un­ver­mu­te­ten Hand­lun­gen der Ka­pi­tal­markt­teil­neh­mer.

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