Gold­baisse vor dem En­de

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - LOMBARD ODIER IN­VEST­MENT MA­NA­GERS

Ver­schärf­te Ne­ga­tiv­zin­sen spre­chen für En­ga­ge­ments.

Nach der Zins­er­hö­hung der US-No­ten­bank am 16. De­zem­ber sind an den Märk­ten ei­ni­ge Ve­rän­de­run­gen ein­ge­tre­ten, die uns zur Über­zeu­gung ge­lan­gen las­sen, dass die Gold­baisse – ei­ne der längs­ten und aus­ge­präg­tes­ten in der Ge­schich­te – nun ein En­de ge­fun­den hat. So rech­net der Markt nicht mehr mit wei­te­ren Zins­an­he­bun­gen. Der An­stieg des Dol­lars ist ins Sto­cken ge­ra­ten, die Ak­ti­en­märk­te in den USA sind von Vo­la­ti­li­tät und Schwä­che ge­prägt. Trotz sai­so­nal schwa­cher Nach­fra­ge aus Chi­na zeigt sich Gold stark. Gros­se Men­gen an Ka­pi­tal flies­sen in phy­sisch hin­ter­leg­te Ex­ch­an­ge Tra­ded Pro­ducts (ETP) und Gold-Fu­tures. Und zu­dem war ein tech­ni­scher Aus­bruch aus ei­nem eta­blier­ten Ab­wärts­trend zu be­ob­ach­ten.

Die lo­ka­len wirt­schaft­li­chen Tur­bu­len­zen in Asi­en und Eu­ro­pa in den Jah­ren 2014/2015 ha­ben sich mitt­ler­wei­le zu glo­ba­len Pro­ble­men aus­ge­wach­sen, die auch die USA er­fas­sen. Der In­dex des In­sti­tu­te for Supp­ly Ma­nage­ment (ISM) für das nicht­ver­ar­bei­ten­de Ge­wer­be ist im Ja­nu­ar stär­ker ge­fal­len als er­war­tet, die Zah­len für Fe­bru­ar wa­ren eben­falls schwach. Die USA be­fan­den sich in ei­ner In­dus­trie­re­zes­si­on. Die ISM-Zah­len deu­ten nun dar­auf hin, dass auch der Di­enst­leis­tungs­be­reich – der den Gross­teil der Wirt­schaft aus­macht – zu schwä­cheln be­ginnt.

Un­se­re Be­sorg­nis über sys­te­mi­sche Fi­nanz­ri­si­ken hat sich ver­stärkt, da zahl­rei­che eu­ro­päi­sche Län­der und die Bank of Ja­pan (BoJ) auf be­stimm­ten Gut­ha­ben Ne­ga­tiv­zin­sen ein­ge­führt ha­ben. Mitt­ler­wei­le ren­tie­ren Staats­an­lei­hen im Um­fang von meh­re­ren Bil­lio­nen Dol­lar ne­ga­tiv.

US-No­ten­bank­che­fin Ja­net Yel­len hat jüngst er­klärt, das Fed prü­fe, ob ne­ga­ti­ve Zin­sen ei­ne Op­ti­on für die US-Geld­po­li­tik sei­en. EZB-Prä­si­dent Ma­rio Draghi hat zu­sätz­li­che Sti­mu­li an­ge­kün­digt.

Der Gou­ver­neur der BoJ, Ha­r­u­hi­ko Ku­ro­da, hat­te ver­gan­ge­nen Som­mer er­klärt: «Wenn wir zum Schluss kom­men, dass die be­ste­hen­den In­stru­men­te nicht ge­nü­gen, um das Ziel zu er­rei­chen, müs­sen wir nicht das Ziel auf­ge­ben, son­dern neue In­stru­men­te kre­ieren.» Wenn die Ne­ga­tiv­zin­sen auf die Ge­schäfts­kun­den durch­schla­gen, wer­den Geld­markt- und Pen­si­ons­fonds so­wie die Ver­si­che­rung- und die Ban­k­in­dus­trie in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen. Ne­ga­tiv­zin­sen las­sen zu­dem Gold at­trak­ti­ver er­schei­nen, da es selbst mit 0% Zins im­mer noch bes­ser ren­tiert.

Ge­mäss dem «Wall Street Jour­nal» hat in dem Mo­nat nach der Be­kannt­ga­be von Ne­ga­tiv­zin­sen durch die BoJ der Ab­satz von Tre­so­ren in man­chen Ge­schäf­ten bis zu 250% zu­ge­nom­men. Un­se­rer An­sicht nach ge­ben die Märk­te den No­ten­ban­kern zu ver­ste­hen, dass die ra­di­ka­le Geld­po­li­tik kei­ne po­si­ti­ven Re­sul­ta­te ge­bracht hat und dass wei­te­res Fi­nan­ci­al En­gi­nee­ring das Fi­nanz­sys­tem zu ge­fähr­den droht. We­gen all die­ser Sor­gen hat Gold im bis­he­ri­gen Jah­res­ver­lauf den Dol­lar aus der Rol­le des be­vor­zug­ten si­che­ren Ha­fens ver­drängt.

Gold­ak­ti­en wei­sen ei­nen Le­ver­a­ge auf, wie er in ei­nem po­si­ti­ven Gold­markt zu er­war­ten war. Der NY­SE Gold Mi­ners In­dex (GDM) ist im Fe­bru­ar 36,1% avan­ciert, der Mar­ket Vec­tors Ju­ni­or Gold Mi­ners In­dex (MVGDXJ) 35%. So gut wie al­le Gold­ak­ti­en ha­ben die­ses Jahr schö­ne Kurs­ge­win­ne ver­zeich­net. Ti­tel aus Süd­afri­ka pro­fi­tier­ten zu­sätz­lich von ei­nem Wech­sel­kurs­ef­fekt: Ei­ni­ge ha­ben sich in Zu­ge des Ein­bruchs des süd­afri­ka­ni­schen Rands mehr als ver­dop­pelt. Für um­sich­ti­ge In­ves­to­ren spre­chen geo­po­li­ti­sche, be­trieb­li­che und an­de­re Ri­si­ken aber nach wie vor ge­gen ein En­ga­ge­ment in Süd­afri­ka.

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