Gaz­prom mel­det sich zu­rück

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - OB­LI­GA­TIO­NEN SCHWEIZ MAN­FRED KRÖLLER

Der rus­si­sche Gas­kon­zern bie­tet ho­hen Spre­ad und stösst auf gros­ses An­le­ger­inter­es­se.

Un­ter Fe­der­füh­rung von UBS, Deut­scher Bank und Gaz­prom­bank er­schien am Mitt­woch nach län­ge­rer Pau­se 33⁄ Gaz Ca­pi­tal 2016/2018 über 500 Mio. Fr. am Pri­mär­markt. Die in Lu­xem­burg an­säs­si­ge Fi­nanz­toch­ter der rus­si­schen Gaz­prom zahl­te für die knapp drei­jäh­ri­gen Lo­an Par­ti­ci­pa­ti­on No­tes ei­nen Ren­di­te­auf­schlag (Spre­ad) von 409,7 Ba­sis­punk­ten (Bp) über SwapMit­te. Die Bo­ni­tät von Gaz­prom wird von Moo­dy’s mit Ba1, von Standard & Poor’s (S&P) mit BB+ be­wer­tet, al­so un­ter­halb An­la­ge­qua­li­tät (In­vest­ment Gra­de, IG). Fitch hält Gaz­prom mit BBB– am un­te­ren IG-Rand.

Nach An­ga­ben aus dem Kon­sor­ti­um war die Nach­fra­ge mit knapp 2 Mrd. Fr. aus­ser­ge­wöhn­lich hoch. Noch nie ha­be ein Schuld­ner aus ei­nem sol­chen Bo­ni­täts­spek­trum ein so gros­ses In­ter­es­se auf sich zie­hen kön­nen. Gaz­prom, der welt­weit gröss­te Erd­gas­pro­du­zent, der in über dreis­sig Län­der der Welt lie­fert, ist nicht von dem Sank­ti­ons­re­gime des Wes­tens ge­gen­über Russ­land be­trof­fen. Mit der jet­zi­gen drit­ten Fran­ken­trans- ak­ti­on (nach 2009 und 2013 über eben­falls je­weils 500 Mio. Fr.) ha­be Gaz­prom den Fran­ken­markt für rus­si­sche Kre­di­te wie­der ge­öff­net. Pri­vat­ban­ken, die we­gen der Sank­tio­nen ge­gen­über be­stimm­ten Schuld­nern ge­ne­rell bei rus­si­schen Kre­di­ten Zu­rück­hal­tung üb­ten, zeig­ten jetzt wie­der mehr In­ter­es­se.

Moo­dy’s hat die nor­we­gi­sche DNB Bank von Aa3 auf Aa2 hoch­ge­stuft, senkt aber den Aus­blick von stabil auf ne­ga­tiv. Die Hö­her­be­wer­tung ho­no­rie­re die ver­bes­ser­te Ka­pi­tal­aus­stat­tung. Der ne­ga­ti­ve Aus­blick re­flek­tie­re den Druck auf Mar­gen und Ge­win­ne auf­grund der Ab­schwä­chung der hei­mi­schen Wirt­schaft, weil In­ves­ti­tio­nen im Erd­öl­sek­tor zu­rück­ge­fah­ren wür­den.

Das Schwei­zer Brut­to­in­land­pro­dukt (BIP) dürf­te 2016 um 1,4% wach­sen und 2017 um 1,8%, pro­gnos­ti­ziert die Ex­per­ten­grup­pe des Bun­des in ih­rer Früh­jahrs­pro­gno­se. Sie hat ih­re Schät­zun­gen vom De­zem­ber (2016: 1,5%, 2017: 1,9%) leicht zu­rück­ge­nom­men. 2015 ist die Schwei­zer Wirt­schaft ge­mäss pro­vi­so­ri­schen Be­rech­nun­gen nur 0,9% ge­wach­sen. «Die kon­junk­tur­dämp­fen­den Wech­sel­kurs­ef­fek­te dürf­ten im Ver­lauf von 2016 und 2017 suk­zes­si­ve nach­las­sen», pro­gnos­ti­zie­ren die Ex­per­ten.

Nach ih­ren Er­war­tun­gen dürf­te die ne­ga­ti­ve Ent­wick­lung der Kon­su­men­ten­prei­se 2016 wei­ter­ge­hen, mit durch­schnitt­lich –0,6%. Für 2017 wer­den +0,2% er­war­tet. Ei­ne Be­stä­ti­gung des Trends lie­fert aus­ser der Schwei­ze­ri­schen Na­tio­nal­bank (SNB) auch das Bun­des­amt für Sta­tis­tik: Die Schwei­zer Pro­du­zen­ten- und Im­port­prei­se sind im Fe­bru­ar ge­gen­über Ja­nu­ar 0,6% ge­sun­ken. Zum Vor­jahr lie­gen sie 4,6% tie­fer.

Die SNB hat ih­re neue be­ding­te In­fla­ti­ons­pro­gno­se ge­gen­über dem ver­gan­ge­nen Quar­tal leicht nach un­ten ver­scho­ben. Sie er­war­tet für 2016 nun ei­ne In­fla­ti­ons­ra­te von −0,8%, ge­gen­über −0,5% im De­zem­ber. Für 2017 fällt die In­fla­ti­ons­er­war­tung mit 0,1% um 0,2 Pro­zent­punk­te nied­ri­ger aus als vor drei Mo­na­ten, für 2018 wer­den 0,9% Preis­an­stieg pro­gnos­ti­ziert.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.