Um­bruch bei Emit­ten­ten

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - MARC BASSELIER,

Seit ei­ni­gen Mo­na­ten ge­ben qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Emit­ten­ten ver­mehrt eu­ro­päi­sche Wan­del­an­lei­hen aus – ob­wohl das Um­feld für her­kömm­li­che An­lei­hen äus­serst at­trak­tiv ist. War­um al­so ge­ben die­se Emit­ten­ten mit An­la­ge­qua­li­tät (In­vest­ment Gra­de, IG) den­noch Wan­del­an­lei­hen aus, die mit dem Ri­si­ko ei­ner Ver­wäs­se­rung des Ka­pi­tals im Fal­le der Wand­lung be­haf­tet sind?

Wan­del­an­lei­hen ha­ben von der ver­gan­ge­nen Ak­ti­en­hausse mass­geb­lich pro­fi­tie­ren kön­nen. Im Zu­ge der sin­ken­den Zin­sen sind die Cou­pons je­doch bis auf null und so­gar in den ne­ga­ti­ven Be­reich ge­rutscht. Gleich­zei­tig über­stieg die Nach­fra­ge das An­ge­bot, so­dass Neu­emis­sio­nen zu­neh­mend teu­rer wur­den. In der Fol­ge er­höh­te sich die Wand­lungs­prä­mie, was das Auf­wärts­po­ten­zi­al der Wan­del­an­lei­hen ein­schränkt.

Die Ma­na­ger von Wan­del­an­lei­hen­fonds kauf­ten in der Re­gel Pa­pie­re mit nied­ri­gem Cou­pon und deut­li­chem Ge­winn­po­ten­zi­al. Im Zu­ge der im­mer noch rück­läu­fi­gen Zin­sen und der all­ge­mein ge­rin­gen Emis­si­ons­ak­ti­vi­tät bie­ten ih­nen die IG-Emit­ten­ten der­zeit Ti­tel mit ne­ga­ti­ven Zin­sen und we­nig vor­her­seh­ba­ren Wand- lungs­mög­lich­kei­ten an. So zeich­net sich die jüngs­te Emis­si­on von Veo­lia En­vi­ron­ne­ment durch ei­nen Ne­ga­tiv­zins von –0,54% und ei­ne Wand­lungs­prä­mie von 47,5% aus. Das heisst, die Wand­lung ren­tiert sich nur, wenn die Ak­tie des Un­ter­neh­mens in den kom­men­den fünf Jah­ren mehr als 47,5% an Wert zu­legt. Das er­klärt, wes­halb es für be­stimm­te Un­ter­neh­men in jüngs­ter Zeit so at­trak­tiv ist, An­lei­hen mit ne­ga­ti­ven Zin­sen kom­bi­niert mit ei­nem sehr nied­ri­gen Ver­wäs­se­rungs­ri­si­ko aus­zu­ge­ben.

Soll­ten sich An­le­ger aus dem Wand­ler­markt zu­rück­zie­hen? Das wä­re ein Feh­ler, denn in den kom­men­den zwei Jah­ren wer­den äl­te­re Emis­sio­nen wei­ter für ei­ne gu­te Per­for­mance sor­gen. Zu­dem ver­bes­sern sich die Be­wer­tun­gen am Se­kun­där­markt, so­dass gu­te Kauf­ge­le­gen­hei­ten ent­ste­hen. Das be­deu­tet aber auch, dass der Pri­mär­markt dem Ri­si­ko aus­ge­setzt ist, län­ger­fris­tig gänz­lich an In­ter­es­se zu ver­lie­ren, wenn er sich aus­schliess­lich auf Schuld­ner aus dem IG-Seg­ment be­schränkt, die auf ei­nem ex­tre­men – und für An­le­ger un­at­trak­ti­ven – Be­wer­tungs­ni­veau emit­tie­ren.

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