Mehr Ak­ti­en bit­te!

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Mit dem En­de der Erd­öl­preis­hausse ist auch ei­ne Il­lu­si­on ge­platzt. Denn die Staats­fonds die­ser Welt, die zur Mehr­heit aus den Ein­nah­men von Erd­öl­ver­käu­fen ge­speist wer­den, ha­ben Pro­ble­me. Der Geld­fluss aus dem Ver­kauf des schwar­zen Golds ist von ei­nem Strom zu ei­nem Rinn­sal ver­kom­men. Noch schlim­mer: Die erd­öl­pro­du­zie­ren­den Staa­ten zap­fen die Re­ser­ven im Staats­fonds an (vgl. Sei­te 18). Wenn der Erd­öl­preis zwi­schen 30 und 40 Dol­lar pro Fass os­zil­liert, könn­ten im lau­fen­den Jahr Ak­ti­en für 400 Mrd. $ auf den Markt kom­men. Die An­la­ge­klas­se Ak­ti­en ist so sehr be­trof­fen, weil sie den gröss­ten Teil der Al­lo­ka­ti­on aus­macht.

Wenn ei­ner der gröss­ten Käu­fer we­gen ei­ner tem­po­rä­ren Preis­ent­wick­lung weg­fällt, kom­men wie­der die struk­tu­rel­len Trends zum Vor­schein. Und die sind düs­ter. In wei­ten Tei­len der Welt nimmt der An­teil der Pen­sio­nä­re zu. Wenn sie ih­re An­la­ge selbst ver­wal­ten, dann wer­den sie Zins­pa­pie­re vor­zie­hen. Aber wer kommt dann als Käu­fer in Fra­ge? Ei­gent­lich liegt es auf der Hand, wer mehr Ak­ti­en kau­fen muss. Es sind die hof­fent­lich pro­fes­sio­nell ver­wal­te­ten Pen­si­ons­kas­sen die­ser Welt, die in­ves­tie­ren, um For­de­run­gen, die erst in dreis­sig oder vier­zig Jah­ren fäl­lig wer­den, zu ver­die­nen. Es kann nicht sein, dass sie sich ei­ne rea­le Ren­di­te zum Bei­spiel in Schwei­zer Ak­ti­en von 4,5% pro Jahr seit 1900 ent­ge­hen las­sen, nur weil sie kurz­fris­ti­ge Schwan­kun­gen nicht ver­kraf­ten wol­len. Dar­um ist nicht nach­voll­zieh­bar, wes­halb der Ak­ti­en­an­teil der Pen­si­ons­kas­sen nicht hö­her liegt und nicht steigt, erst recht nicht bei den ak­tu­ell nied­ri­gen Zin­sen. Es ist zwar mehr Wunsch als Rea­li­tät, aber wenn die Pen­si­ons­kas­sen welt­weit ihr Ak­ti­en­en­ga­ge­ment er­hö­hen, dann war die Nach­fra­ge der Staats­fonds nur ein Klacks.

Stv. Chef­re­dak­tor zum The­ma Ak­ti­en­käu­fe

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