Eb­be in den Staats­kas­sen der Öl­pro­du­zen­ten

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - THA

Die schwin­den­den Ein­nah­men aus dem Öl­ge­schäft brin­gen die Staats­haus­hal­te erd­öl­ex­por­tie­ren­der Län­der in Schief­la­ge. Der Öl­preis hat sich zwar von sei­nem Re­kord­tief im Ja­nu­ar er­holt und no­tiert der­zeit auf rund 40 $ das Fass. Seit dem Höchst­stand im Ju­ni 2014 hat er al­ler­dings knapp zwei Drit­tel ein­ge­büsst.

Die Ab­hän­gig­keit der öl­pro­du­zie­ren­den Staa­ten vom schwar­zen Gold ist hoch. Das lässt sich et­wa an den Öl­ex­por­ten ab­le­sen. Sie be­lau­fen sich in den meis­ten Volks­wirt­schaf­ten auf mehr als die Hälf­te der ge­sam­ten Aus­fuh­ren. Zwi­schen den ein­zel­nen Län­dern gibt es aber be­acht­li­che Un­ter­schie­de. Mit knapp 60% ist der An­teil der Öl­ex­por­te in den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten ( VAE) ver­gleichs­wei­se klein (vgl. Gra­fik, ho­ri­zon­ta­le Ach­se). An­go­la ex­por­tiert da­ge­gen fast aus­schliess­lich Öl.

Der Preis­ein­bruch hin­ter­lässt Spu­ren in den öf­fent­li­chen Fi­nan­zen der Öl­mäch­te. So ha­ben sich die Leis­tungs­bi­lan­zen im Ver­gleich zu 2013 – da­mals no­tier­te der Öl­preis im Jah­res­durch­schnitt über 100 $ – teil­wei­se deut­lich ver­schlech­tert. Die Ana­lys­ten der Ra­ting­agen­tur Moo­dy’s schät­zen, dass bei­spiels­wei­se die Leis­tungs­bi­lanz von Ku­wait ge­mes­sen am Brut­to­in­land­pro­dukt um 50 Pro­zent­punk­te schrumpft (vgl. Gra­fik, ver­ti­ka­le Ach­se).

Das Emi­rat be­fin­det sich den­noch in ei­ner kom­for­ta­blen Si­tua­ti­on, denn es ver­fügt über ei­nen staat­li­chen Ka­pi­tal­puf­fer – be­ste­hend aus Staats­fonds und Wäh­rungs­re­ser­ven –, um den Ein­nah­men­rück­gang ab­zu­fe­dern. Auch Nor­we­gen hat ein Si­cher­heits­pols­ter an­ge­legt, von dem es jetzt erst­mals Ge­brauch ge­macht hat (vgl. Text­kas­ten rechts). Da­ge­gen kön­nen Ni­ge­ria oder Ve­ne­zue­la kaum auf Rück­la­gen zu­rück­grei­fen.

Die trü­ben Wachs­tums­aus­sich­ten, schrump­fen­de Re­ser­ven und stei­gen­de Schul­den las­ten auf der Kre­dit­wür­dig­keit der Öl­pro­du­zen­ten. In vier Fäl­len ist Moo­dy’s be­reits ak­tiv ge­wor­den und hat das Kre­dit­ra­ting zu­rück­ge­stuft (Aser­bai­dschan, Bah­rain, Re­pu­blik Kon­go und Oman). Die Bo­ni­tät zahl­rei­cher an­de­rer Staa­ten steht der­zeit auf dem Prüf­stand.

Die Ka­pi­tal­puf­fer wer­den auch in den kom­men­den Jah­ren ei­ne wich­ti­ge Rol­le spie­len, mei­nen die Öko­no­men von Moo­dy’s. Denn die Mehr­heit der erd­öl­ex­por­tie­ren­den Staa­ten stützt sich bei der Be­rech- nung der Bud­gets auf op­ti­mis­ti­sche Preis­er­war­tun­gen. So be­nö­tigt Bah­rain für ei­nen aus­ge­gli­che­nen Staats­haus­halt 2016 ei­nen Öl­preis von 60 $. Russ­land und Nor­we­gen rech­nen mit Ein­nah­men von rund 50 $ je Fass. Das liegt deut­lich über den Pro­gno­sen der Ra­ting­agen­tur: Sie er­war­tet für das lau­fen­de Jahr ei­nen Öl­preis von 33 $.

Die Wahr­schein­lich­keit ist da­mit hoch, dass die Dif­fe­renz auch in Zu­kunft durch den Ver­kauf von Ta­fel­sil­ber, das in den Staats­fonds schlum­mert, wett­ge­macht wird (vgl. Haupt­text). Et­was rea­lis­ti­scher schät­zen Ku­wait und Aser­bai­dschan die wei­te­re Ent­wick­lung an den Ener­gie­märk­ten ein: Sie kal­ku­lie­ren für 2016 mit ei­nem Öl­preis von 25 $.

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