Stim­mungs­wan­del zu Öl

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - LASAL­LE BROKERAGE ( ZÜ­RICH)

Auch wenn sich fun­da­men­tal we­nig ge­än­dert hat, steigt der Erd­öl­preis.

Die freund­li­che­re Stim­mung, die seit meh­re­ren Wo­chen die Roh­stoff­märk­te be­stimmt, hält an. Be­güns­tigt wa­ren zu­letzt al­le Wa­r­ensek­to­ren, und nur we­ni­ge Ter­min­kon­trak­te wei­sen im Ver­gleich zur Vor­wo­che ne­ga­ti­ve Vor­zei­chen auf. Grund­sätz­lich scheint bei An­le­gern die Ri­si­ko­freu­de zu wach­sen, wenn­gleich sich aus fun­da­men­ta­ler Sicht we­nig ge­än­dert hat.

Der Fo­kus bleibt wei­ter­hin auf den Ener­gie­märk­ten, wo gros­se Hedge Funds in den letz­ten Wo­chen als Käu­fer in Er­schei­nung ge­tre­ten sind. Zum ei­nen han­delt es sich bei den Käu­fen um die Ein­de­ckun­gen von Leer­ver­käu­fen (Short Co­ver­ing), zum an­de­ren aber auch um neue Long-Po­si­tio­nen. Fu­tures auf die US-Sor­te West Te­xas In­ter­me­dia­te ( WTI) ha­ben seit Mit­te Fe­bru­ar von 30.50 $ kon­ti­nu­ier­lich zu­ge­legt und am Frei­tag mit 42.50 $/Fass den höchs­ten Stand seit An­fang De­zem­ber er­reicht. Am Di­ens­tag kos­te­te das Fass WTI in New York 41.20 $.

Vie­ler­orts sind die Er­war­tun­gen hoch an das Tref­fen zwi­schen Opec- und Nicht-OpecPro­du­zen­ten Mit­te April in Do­ha. Die Er­fah­rung aus frü­he­ren Ver­einba­run­gen in­ner­halb der Opec soll­te aber miss­trau­isch stim­men. Al­lein die Tat­sa­che, dass in ei­nem be­reits über­ver­sorg­ten Markt die be­ste­hen­de Über­pro­duk­ti­on ein­ge­fro­ren wird und Iran al­les dar­an setzt, die Öl­för­de­rung wei­ter aus­zu­bau­en, ver­heisst mit­tel­fris­tig we­nig Gu­tes. Am Erd­öl­markt ha­ben so die Fi­nanz­in­ves­to­ren das Ru­der über­nom­men und be­mü­hen sich, den noch jun­gen Haus­se­trend am Le­ben zu er­hal­ten.

Die Sta­bi­li­sie­rung und vor­läu­fi­ge Trend­um­kehr beim Erd­öl hat auch in an­de­ren Roh­stoff­sek­to­ren ei­nen Stim­mungs­wech­sel her­bei­ge­führt, wo­bei auch da der deut­lich schwä­che­re Dol­lar ei­ne ge­wich­ti­ge Rol­le spielt. Al­lein seit Be­ginn des Mo­nats März hat die US-Va­lu­ta ge­gen­über den wich­tigs­ten Han­dels­wäh­run­gen 4% ein­ge­büsst. Von der bes­se­ren Stim­mung am Roh­stoff­markt pro­fi­tie­ren vor al­lem die­je­ni­gen Seg­men­te, die nach den vor­her­ge­gan­ge­nen Preis­ein­brü­chen als be­son­ders tief be­wer­tet gal­ten. Da­zu ge­hö­ren Ge­nuss­mit­tel wie Kaf­fee oder Zu­cker, aber auch Edelmetalle und nicht zu­letzt gar Ge­trei­de. Roh­zu­cker-Fu­tures, die in New York ge­han­delt wer­den, ha­ben sich seit Mit­te Fe­bru­ar um ein Drit­tel ver­teu­ert und sind mit 16,30 Cent pro Pfund so teu­er wie zu­letzt vor fünf­zehn Mo­na­ten. Bei Kaf­fee be­trägt der Preis­an­stieg seit An­fang März mehr als 20%.

In Agrar­land Bra­si­li­en wirkt sich die Aus­sicht auf ei­ne Kor­rup­ti­ons­an­kla­ge ge­gen den frü­he­ren Prä­si­den­ten und ein mög­li­ches Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren ge­gen die heu­ti­ge Prä­si­den­tin Dil­ma Rousseff auch auf die Kaf­fee-, Ge­trei­de und Öl­saa­ten­märk­te aus. Po­li­ti­sche Un­ru­hen und Streiks zu ei­nem Zeit­punkt, in dem die neu­en Ern­ten ein­ge­fah­ren und ex­por­tiert wer­den wol­len, ber­gen er­heb­li­ches Pro­blem­po­ten­zi­al. Geht der Markt der­zeit noch von ei­nem gros­sen Über­an­ge­bot an Mais und So­ja aus, könn­ten Ver­zö­ge­run­gen im Ex­port aus Bra­si­li­en zu ei­ner stei­gen­der Nach­fra­ge für Mais und So­ja aus den US füh­ren.

Die über­ra­schen­de Käl­te­wel­le in den USA, die ver­gan­ge­nes Wo­che­n­en­de Tei­le des Win­ter­wei­zen­ge­biets heim­ge­sucht hat, liess zum Wo­chen­be­ginn auch die Wei­zen­prei­se stei­gen. Auch im Ge­trei­de­markt ist es zu­erst das Ein­de­cken von Leer­ver­käu­fen, das für Un­ter­stüt­zung der Prei­se sorgt. Im Un­ter­schied zum Roh­öl­markt hal­ten aber die Hedge Funds noch im­mer ei­ne er­heb­li­che An­zahl von Short-Po­si­tio­nen, so­dass – un­ab­hän­gig der fun­da­men­ta­len Ein­fluss­fak­to­ren – wei­te­re Preis­ral­lys nicht aus­ge­schlos­sen sind.

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