Be­son­ne­ne Re­ak­tio­nen

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - ALES­SAN­DRO FEZZI,

Die Märk­te ha­ben ge­lernt, mit der la­ten­ten Ter­ror­ge­fahr zu le­ben.

Die Ve­r­un­si­che­rung der An­le­ger an­ge­sichts meh­re­rer Bom­ben­ex­plo­sio­nen in Brüs­sel hielt sich über­ra­schend in Gren­zen. Der Euro Sto­xx 50 ver­buch­te in der ers­ten Han­dels­stun­de zwar kräf­ti­ge Ver­lus­te und rutsch­te un­ter 3000 Punk­te, sta­bi­li­sier­te sich aber im Ver­lauf des Ta­ges. Die No­tie­rung für Gold stieg nach den ers­ten Mel­dun­gen aus Brüs­sel um knapp 15 $/Fein­un­ze, fiel dann aber im Han­dels­ver­lauf auf knapp 1250 $/Fein­un­ze zu­rück.

Ei­ne ähn­li­che Re­ak­ti­on zeig­te der Euro. Nach­dem die Ge­mein­schafts­wäh­rung ge­gen­über dem Dol­lar kurz un­ter 1.12 $/€ ge­fal­len war, er­hol­te sie sich an­schlies­send schnell. Spä­tes­tens seit den An­grif­fen in Pa­ris schei­nen die An­le­ger je­der­zeit mit wei­te­ren An­schlä­gen in Eu­ro­pa zu rech­nen und ha­ben so ge­lernt, mit der la­ten­ten Ter­ror­angst zu le­ben.

Die vom Mün­che­ner Wirt­schafts­for­schungs­in­sti­tut Ifo be­frag­ten 7000 Füh­rungs­kräf­te deut­scher Un­ter­neh­men zeig­ten sich erst­mals seit vier Mo­na­ten wie­der et­was op­ti­mis­ti­scher. Die Fir­men be­ur­teil­ten da­bei so­wohl ih­re Ge­schäfts­aus­sich­ten für die kom­men­den sechs Mo­na­te als auch die ge­gen­wär­ti­ge Kon­junk­tur­la­ge zu­ver­sicht­li­cher.

Ver­hal­ten po­si­tiv

Nach drei auf­ein­an­der­fol­gen­den Rück­gän­gen klet­ter­te das Ifo-Ge­schäfts­kli­ma­ba­ro­me­ter von 105,7 im Fe­bru­ar auf 106 im März. Ge­mäss Ifo wird die deut­sche Wirt­schaft vor al­lem durch die Bin­nen­nach­fra­ge und die dank Re­kord­be­schäf­ti­gung und nied­ri­ger In­fla­ti­on so­li­de Ver­brau­cher­stim­mung ge­tra­gen. Auf ei­ne mo­de­ra­te Auf­hel­lung der wirt­schaft­li­chen La­ge in der Eu­ro­zo­ne deu­te­ten auch die vor­läu­fi­gen Er­geb­nis­se der Ein­kaufs­ma­na­gerum­fra­gen hin.

So ver­bes­ser­te sich der vom Lon­do­ner Markt­for­schungs­in­sti­tut Mar­kit Eco­no­mics er­stell­te In­dex für den Di­enst­leis­tungs- und In­dus­trie­sek­tor im März auf 53,7 und er­reich­te da­mit im­mer­hin den höchs­ten Stand im lau­fen­den Jahr. Er bleibt al­so deut­lich ober­halb der Mar­ke von 50, die als Gren­ze zwi­schen wirt­schaft­li­cher Ex­pan­si­on und Kon­trak­ti­on gilt.

Es be­stün­den aber wei­ter­hin Sor­gen über die wirt­schaft­li­che Er­ho­lung im Eu­ro­wäh­rungs­raum, und der de­fla­tio­nä­re Druck blei­be hart­nä­ckig und weit ver­brei­tet, er­klär­te Mar­kit. In ei­ner wei­te­ren Um­fra­ge des ZEW äus­ser­ten sich Fi­nanz­ex­per­ten in ih­ren Kon­junk­tur­er­war­tun­gen eben­falls leicht zu­ver­sicht­li­cher als zu­vor.

Der am meis­ten be­ach­te­te Er­war­tungs­in­dex stieg je­doch nicht ganz so stark wie er­war­tet, wäh­rend sich die Ein­schät­zung der ak­tu­el­len La­ge gleich­zei­tig et­was ein­trüb­te.

Laut ZEW hat die jüngs­te Lo­cke­rung der EZB die Kon­junk­tur­er­war­tun­gen nicht we­sent­lich ver­än­dert. Für Un­si­cher­heit sorg­ten wei­ter­hin die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung in wich­ti­gen Schwel­len­län­dern so­wie die Ent­wick­lung des Öl­prei­ses und des Eu­ros, kom­men­tier­te das Mann­hei­mer Wirt­schafts­for­schungs­in­sti­tut.

Fort­set­zung im April?

Gleich drei rang­ho­he Ver­tre­ter der US-No­ten­bank (Fed) deu­te­ten An­fang Wo­che ei­ne wei­te­re Straf­fung der Zin­sen mög­li­cher­wei­se be­reits im April an. Den­nis Lock­hart, Prä­si­dent der At­lan­ta Fed, und John Wil­li­ams, Chef der re­gio­na­len No­ten­bank von San Fran­cis­co, ver­wie­sen auf die trotz glo­ba­lem Ge­gen­wind so­li­de US-Kon­junk­tur und spra­chen sich für ei­ne bal­di­ge Fort­set­zung der US-Zins­wen­de aus. Gleich­zei­tig wies der Prä­si­dent der Fed von Richmond, Jef­frey La­cker, auf die Ri­si­ken ei­ner wie­der hö­he­ren In­fla­ti­on in den USA hin. Jüngs­te Da­ten zur Ver­brau­cher­preis­ent­wick­lung hät­ten ge­zeigt, dass die Ri­si­ken viel­leicht nicht «er­heb­lich», aber «spür­bar» ge­stie­gen sei­en, kom­men­tier­te er.

In den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ist die In­fla­ti­on in den USA von nied­ri­gem Ni­veau mo­de­rat ge­stie­gen. Die Ge­sam­t­in­fla­ti­on liegt zwar im­mer noch deut­lich un­ter dem län­ger­fris­ti­gen Preis­ziel des Fed von 2%, je­doch liegt die Kern­ra­te (oh­ne Ener­gie und Le­bens­mit­tel­prei­se) mit 2,3% über dem Ziel­wert. Den ei­ge­nen Pro­gno­sen zu­fol­ge rech­net das Fed in die­sem Jahr noch mit zwei wei­te­ren Zins­er­hö­hun­gen.

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