Die Ab­zo­cker­initia­ti­ve

Finanz und Wirtschaft - - ERGÜTUNG - PM

Mit ei­nem über­wäl­ti­gen­den Mehr von gut zwei Drit­teln hat das Stimm­volk vor drei Jah­ren die Volks­in­itia­ti­ve «ge­gen die Ab­zo­cke­rei» an­ge­nom­men. Die vom Un­ter­neh­mer Tho­mas Min­der lan­cier­te Initia­ti­ve war ei­ne Re­ak­ti­on auf über­bor­den­de Ma­na­ger­sa­lä­re in den Jah­ren zu­vor – noch vor der Fi­nanz­kri­se 2008.

Das ers­te und wich­tigs­te Ziel der Initia­ti­ve war der Kampf ge­gen die Ab­zo­cke­rei; Fan­ta­sie­löh­ne für ei­ni­ge we­ni­ge Ma­na­ger und aus­ufern­de Bo­ni soll­ten in ko­tier­ten Un­ter­neh­men künf­tig ver­hin­dert wer­den. Um die­ses Ziel zu er­rei­chen, for­mu­lier­te die Initia­ti­ve ein gan­zes Ar­senal von in­ter­ven­tio­nis­ti­schen Mass­nah­men.

So soll­ten die Ver­gü­tun­gen für den Ver­wal­tungs­rat und das Ma­nage­ment zwin­gend durch die Ge­ne­ral­ver­samm­lung fi­xiert wer­den, die Amts­dau­er der VR-Mit­glie­der soll­te auf ein Jahr be­schränkt wer­den, Ab­gangs­oder An­tritts­ent­schä­di­gun­gen soll­ten ver­bo­ten wer­den und Ähn­li­ches mehr. Das al­les soll­te im Fall von Zu­wi­der­hand­lun­gen mit dras­ti­schen straf­recht­li­chen Sank­tio­nen be­le­get wer­den. Bun­des­rat und Stän­de­rat lehn­ten die Initia­ti­ve ab, der Na­tio­nal­rat hat­te kei­ne Emp­feh­lung be­schlos­sen. Das Par­la­ment hat­te ei­nen in­di­rek­ten Ge­gen­vor­schlag ver­ab­schie­det, der die An­lie­gen der Initia­ti­ve auf­nahm, den Un­ter­neh­men aber mehr Hand­lungs­spiel­raum über­liess als die Initia­ti­ve. Nach ei­nem emo­tio­na­len Ab­stim­mungs­kampf wur­de die Initia­ti­ve vom Volk an­ge­nom­men.

Um­ge­setzt wur­de sie über die bun­des­rät­li­che «Ver­ord­nung ge­gen über­mäs­si­ge Ver­gü­tun­gen bei bör­sen­no­tier­ten Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten» ( Ve­güV). Die Ver­ord­nung ist na­he am Initia­tiv­text, hat aber in ge­wis­sen Punk­ten et­was Fle­xi­bi­li­tät ein­ge­baut. Sie ist kei­ne de­fi­ni­ti­ve Lö­sung, es be­darf noch ei­ner ge­setz­li­chen Ba­sis.

Die­se soll im Rah­men der hän­gi­gen Ak­ti­en­rechts­re­form ge­schaf­fen wer­den. Wie so oft be­steht je­doch die Ge­fahr, dass zu viel in das Ge­setz rein­ge­packt wird. Im Ent­wurf wer­den auch ge­sell­schafts­po­li­ti­sche Pro­ble­me wie die Fra­ge der Frau­en­quo­ten ge­re­gelt, die mit dem Ak­ti­en­recht ge­nau ge­nom­men nichts zu tun hat. Des­we­gen be­steht die Ge­fahr er­heb­li­cher wei­te­rer Ver­zö­ge­run­gen. Die ge­setz­li­che Re­ge­lung dürf­te noch ei­ne Wei­le auf sich war­ten las­sen.

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