Gold droht Rück­schlag

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - PE­TER SIGG,

Das gros­se In­ves­to­ren­in­ter­es­se hat auch sei­ne Schat­ten­sei­te.

Schaut man sich die Wert­ent­wick­lung von Ein­zel­roh­stof­fen seit Jah­res­be­ginn an, sind die Edelmetalle klar un­ter den Ge­win­nern. Pal­la­di­um konn­te rund 4% zu­le­gen, der Pla­tin­preis stieg um et­wa 8% und die meist­ge­han­del­ten Edelmetalle Sil­ber (+11%) und Gold (+15%) konn­ten noch deut­li­cher an Wert zu­le­gen.

Der Ge­win­ner un­ter den Edel­me­tal­len ist al­ler­dings Rho­di­um, das sich seit En­de De­zem­ber um mehr als 18% ver­teu­ert hat. Rho­di­um wird von den meis­ten In­ves­to­ren kaum be­ach­tet, da das An­ge­bot an In­vest­ment­pro­duk­ten für das Me­tall sehr ge­ring ist. Ne­ben Pla­tin und Pal­la­di­um ist Rho­di­um je­doch das ein­zi­ge Me­tall aus der Grup­pe der Pla­tin­me­tal­le (Pla­ti­num Group Me­tals, PGM) für das es ei­nen trans­pa­ren­ten und li­qui­den Spot­markt gibt, der sich für In­ves­ti­tio­nen eig­net. In Hin­blick auf sei­ne An­ge­bots- und Nach­fra­ge­struk­tur ist Rho­di­um mit sei­nen Schwes­ter­me­tal­len in der PGMG­rup­pe ver­gleich­bar. Das glo­ba­le An­ge­bot wird zu rund 80% durch Süd­afri­kas Mi­nen ab­ge­deckt. Die gröss­te Nach­fra­ge, et­wa 80%, ent­steht durch die Her­stel­lung von Au­to­ka­ta­ly­sa­to­ren. Die rest­li­chen 20% wer­den haupt­säch­lich für in­dus­tri­el­le Zwe­cke ver­wen­det. Die nied­ri­gen Rho­di­um­prei­se – das Me­tall han­delt na­he des Zwölf­jah­res­tiefs – ma­chen es ge­gen­über Pla­tin und Pal­la­di­um at­trak­tiv. Das er­regt das In­ter­es­se von Un­ter­neh­men aus dem Be­reich der Ka­ta­ly­sa­to­ren­pro­duk­ti­on. Zu­sätz­lich hat Rho­di­um von der et­was bes­se­ren In­ves­to­ren­stim­mung ge­gen­über den Schwel­len­län­dern pro­fi­tiert, denn die Nach­fra­ge­aus­sich­ten ha­ben sich wie­der et­was auf­ge­hellt. Das hat ei­ni­ge Fi­nanz­in­ves­to­ren da­zu ver­an­lasst, Rho­di­um-Po­si­tio­nen aus­zu­bau­en. Zen­tral für die Preis­bil­dung sind je­doch die fun­da­men­ta­len Fak­to­ren. Rho­di­um kämpft noch im­mer mit den Nach­wir­kun­gen sei­ner Preis­ral­ly zwi­schen 2003 und 2008, als sich der Preis ver­zwan­zig­fach­te. Das hat die Nach­fra­ge­struk­tur dau­er­haft ver­än­dert, da Au­to­her­stel­ler auf­grund der ho­hen Prei­se ver­zwei­felt nach Al­ter­na­ti­ven such­ten und Mi­nen­kon­zer­ne ih­re Pro­duk­ti­on stei­ger­ten. Der Preis hat auf­grund des struk­tu­rel­len Über­an­ge­bots seit­dem rund 93% nach­ge­ge­ben. Über die ver­gan­ge­nen vier Jah­re hat sich die La­ge et­was nor­ma­li­siert, da Rho­di­um be­reits ein klei­nes An­ge­bots­de­fi­zit ver­zeich­nen konn­te. Rho­di­um hat des­halb mit­tel­fris­tig wei­te­res Auf­wärts­po­ten­zi­al.

Für den Gold­preis er­war­ten wir nach dem star­ken An­stieg ei­ne Preis­kon­so­li­die­rung. Das Sen­ti­ment und die Po­si­tio­nie­rung ha­ben sich in den ver­gan­ge­nen drei Mo­na­ten ver­än­dert. Im De­zem­ber wa­ren die Net­to-Po­si­tio­nen auf den Ter­min­märk­ten noch «short», und es wa­ren ste­ti­ge Ab­flüs­se aus Ex­ch­an­ge-Tra­ded Com­mo­di­ties (ETC) zu ver­zeich­nen. Die Markt­tur­bu­len­zen im Ja­nu­ar und die Zen­tral­bank­po­li­tik ha­ben Gold zu ei­nem Come­back ver­hol­fen.

Im Ja­nu­ar und Fe­bru­ar wa­ren deut­li­che Zuflüs­se in Gold­pro­duk­te zu ver­zeich­nen, und die Trend­in­di­ka­to­ren ha­ben sich zum Po­si­ti­ven ge­wen­det. Die Eu­pho­rie scheint mo­men­tan auch bei den Ter­min­markt­teil­neh­mern sehr gross. Die Net­to-Po­si­tio­nen sind nun «long» und be­fin­den sich auf ei­nem Drei­jah­res­hoch.

Bei ei­ner deut­li­chen Ver­bes­se­rung der Kon­junk­tur­in­di­ka­to­ren und ei­ner Ent­täu­schung hin­sicht­lich wei­te­rer Sti­mu­lie­rungs­mass­nah­men durch die Zen­tral­ban­ken könn­te ei­ne er­heb­li­che Li­qui­da­ti­on die­ser Po­si­tio­nen statt­fin­den, was ei­ne stär­ke­re Kurs­kor­rek­tur zur Fol­ge hät­te. Auf­grund von wei­ter­hin preis­un­ter­stüt­zen­den Struk­tur­fak­to­ren soll­te Gold mit­tel­fris­tig den Auf­wärts­trend je­doch wie­der auf­neh­men.

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