EZB auf Ein­kaufs­tour

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - MA­RIO EISENEGGER,

Die Er­war­tun­gen an Ma­rio Draghi wa­ren hoch, und er ent­täusch­te nicht. Sei­ne EZB ver­sorgt eu­ro­päi­sche Ban­ken, ei­nen Sek­tor, der zu­letzt für Un­ru­he bei In­ves­to­ren sorg­te, mit zu­sätz­li­cher Li­qui­di­tät ( TLTRO II). Als wei­te­rer Sti­mu­lus wur­de das Pro­gramm zum An­kauf von Ver­mö­gens­wer­ten von mo­nat­lich 60 Mrd. € auf 80 Mrd. er­höht. Da­bei lässt sich die EZB nun­mehr auch die Mög­lich­keit of­fen, Un­ter­neh­mens­an­lei­hen zu kau­fen. Die­se Op­ti­on kam un­er­war­tet und be­flü­gel­te die Kre­dit­märk­te. Die Auf­schlä­ge für Kre­dit­ri­si­ken eng­ten sich deut­lich ein, die Kur­se für Eu­ro­un­ter­neh­mens­an­lei­hen stie­gen. So wer­den die Kre­dit­ri­si­ken für Eu­ro­un­ter­neh­mens­an­lei­hen in An­la­ge­qua­li­tät (In­vest­ment Gra­de, IG) nun 20 Ba­sis­punk­te tie­fer ge­han­delt als vor der EZB-Sit­zung.

Die Märk­te freut es. Dass der Ein­be­zug von Un­ter­neh­mens­an­lei­hen al­ler­dings die ge­wünsch­ten Ef­fek­te auf die Re­al­wirt­schaft zei­ti­gen wird, darf be­zwei­felt wer­den. Ei­ner­seits engt die EZB das An­ge­bot der zum Kauf zu­ge­las­se­nen Ob­li­ga­tio­nen deut­lich ein, in­dem sie sich auf in Eu­ro de­no­mi­nier­te Schuld­pa­pie­re von eta­blier­ten Nicht­ban­ken be­schränkt. Zu­ge­las­sen sind al­so un­ter an­de­rem nur Cor­po­ra­tes mit ei­ner Bo­ni­täts­no­te von BBB oder bes­ser. Was nach Be­rech­nun­gen üb­rig bleibt, ist ein ver­füg­ba­res Uni­ver­sum von nicht ein­mal 500 Mrd. €. Möch­te die EZB nicht schon bald den Gross­teil die­ses Mark­tes auf­ge­kauft ha­ben und da­mit für mas­si­ve Markt­ver­zer­run­gen sor­gen, müs­sen die mo­nat­li­chen Käu­fe be­schei­de­ner aus­fal­len als ma­xi­mal mög­lich. Mit dem An­lei­hen­kauf ist die EZB wei­ter mit der heik­len Auf­ga­be kon­fron­tiert, ein­zel­ne Wirt­schafts­sek­to­ren so­wie Län­der der Eu­ro­zo­ne nicht zu be­nach­tei­li­gen.

Zu­letzt wie­sen die für den Kauf ge­eig­ne­ten An­lei­hen be­reits ei­ne tie­fe Ren­di­te von durch­schnitt­lich et­was über 1% auf. Die Re­fi­nan­zie­rungs­kos­ten für die­se Un­ter­neh­men wer­den sich durch die Auf­käu­fe nicht be­lie­big weit re­du­zie­ren las­sen. Die Wirk­sam­keit für die Re­al­wirt­schaft muss sich al­so noch er­wei­sen. Die jüngs­te EZBSit­zung zeigt aber, dass den Zen­tral­ban­ken die geld­po­li­ti­schen Mass­nah­men nicht aus­ge­hen und sie die Märk­te wei­ter­hin po­si­tiv über­ra­schen kön­nen.

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