Atem­pau­se vor Os­tern

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - PHILIPP SCHÖTT­LER,

Die Ak­ti­en­kur­se schwä­cheln, der Öl­preis sinkt wie­der ein­mal.

Nach be­ein­dru­cken­der Ral­ly ha­ben die Ak­ti­en­märk­te ei­ne Atem­pau­se ein­ge­legt. Der Eu­ros­to­xx ver­lor seit Di­ens­tag­abend 1,9%, der SMI sank um 0,9%, und der S&P 500 büss­te 1,2% ein. Ne­ben Ge­winn­mit­nah­men dürf­te die er­neu­te Schwä­che des Öl­prei­ses ein Grund für die jüngs­te Zu­rück­hal­tung der An­le­ger sein. Seit Mitt­woch hat der Roh­stoff et­wa 5% ver­lo­ren. Der Brent-Preis fiel er­neut un­ter 40 $/Fass.

Aus­lö­ser war ein über­ra­schend star­ker An­stieg der US-La­ger­be­stän­de. Zwei­fel an der Nach­hal­tig­keit der jüngs­ten Öl­preis­ral­ly blei­ben be­ste­hen. Vom Tief­punkt im Ja­nu­ar ist der Preis vol­le 10 $ ge­stie­gen. Gleich­zei­tig klet­tern die US-Vor­rä­te wei­ter – wenn auch lang­sa­mer als zu­vor –, wäh­rend die Opec nach wie vor un­eins über ei­ne Be­schrän­kung der För­der­men­gen ist. Zu viel soll­te von dem im April ge­plan­ten Tref­fen zwi­schen Opec-Staa­ten und an­de­ren öl­pro­du­zie­ren­den Län­dern nicht er­war­tet wer­den.

Star­ke Hoch­zins­bonds

An­lei­hen aus dem Hoch­zins­seg­ment (High Yield, HY) er­leb­ten in den ver­gan­ge­nen Wo­chen ein be­ein­dru­cken­des Come­back. Vor all­lem in den USA, wo die Spreads seit Mit­te 2015 bei­na­he un­un­ter­bro­chen ge­stie­gen wa­ren, setz­te ei­ne Trend­wen­de ein. Bes­se­re Da­ten aus der US-Wirt­schaft ver­dräng­ten Re­zes­si­ons­ängs­te zu­se­hends. Gleich­zei­tig un­ter­stütz­te der An­stieg des Öl­prei­ses den wich­ti­gen Ener­gie­sek­tor.

Als Re­sul­tat flos­sen in den ver­gan­ge­nen vier Wo­chen mehr als 11 Mrd. $ in US-High-Yield-Fonds – der stärks­te Zuf­luss al­ler Zei­ten. Die Spreads pur­zel­ten um mehr als 200 Ba­sis­punk­te. Da­mit ist nun ein An­stieg der Aus­fall­ra­ten auf et­wa 5% ein­ge­preist – ein deut­lich rea­lis­ti­sche­rer Aus­blick als noch vor vier Wo­chen. Die An­la­ge­klas­se lie­fer­te über den ver­gan­ge­nen Mo­nat ei­ne Ge­samt­ren­di­te von et­wa 6% und schlug da­mit US-Ak­ti­en.

Die bes­se­ren US-Da­ten der letz­ten Wo­chen rück­ten ei­ne mög­li­che Zins­er­hö­hung der US-No­ten­bank im April in den Fo­kus. So zeig­te sich Fed-Mit­glied Ja­mes Bul­lard op­ti­mis­tisch über den Zu­stand der US-Wirt­schaft. Er ist nicht der Ein­zi­ge des Fed, der die geld­po­li­ti­schen Zü­gel lie­ber frü­her als spä­ter an­zie­hen möch­te.

Die jüngs­ten Mass­nah­men der EZB tra­fen auf Kri­tik aus Deutsch­land. Bun­des­bank-Prä­si­dent Jens Weid­mann liess kei­ne Ge­le­gen­heit aus, sei­ne Op­po­si­ti­on ge­gen die in sei­nen Au­gen über­trie­be­ne mo­ne­tä­re Lo­cke­rung zu ver­deut­li­chen. In­ner­halb der EZB-Füh­rung ist er mit die­ser Mei­nung al­ler­dings klar in der Min­der­heit.

Nicht zu­letzt dank der EZBMass­nah­men konn­ten HY-An­lei­hen auch in Eu­ro­pa in den ver­gan­ge­nen vier Wo­chen pro­fi­tie­ren. Sie stie­gen um rund 4% – ob­wohl die Kre­dit­ra­tings ei­ni­ger Emit­ten­ten zu­letzt ge­lit­ten hat­ten. Der fran­zö­si­sche Ein­zel­han­dels­kon­zern Ca­si­no et­wa rutsch­te An­fang der Wo­che in den Hoch­zins­be­reich, nach­dem S&P das Ra­ting auf BB+ her­ab­stuf­te. Haupt­grund für das schwä­cheln­de Kre­dit­pro­fil ist das ent­täu­schen­de Ge­schäft in Bra­si­li­en. Fast 40% sei­ner Um­sät­ze er­zielt Ca­si­no in dem Schwel­len­land – und wur­de da­mit von der dor­ti­gen Re­zes­si­on hart ge­trof­fen.

Bra­si­li­ens Te­le­no­ve­la

In Bra­si­li­en nimmt der­weil der Kor­rup­ti­ons­skan­dal um Prä­si­den­tin Dil­ma Rousseff Zü­ge an, die ei­ner Te­le­no­ve­la wür­dig wä­ren. Um ihn vor mög­li­cher Straf­ver­fol­gung zu schüt­zen, bot sie dem frü­he­ren Prä­si­den­ten Lu­la da Sil­va ei­nen Pos­ten als Ka­bi­netts­chef an. Das Ge­spräch wur­de mit­ge­schnit­ten, lös­te lan­des­weit Pro­tes­te aus, und schliess­lich un­ter­sag­te ein Rich­ter vor­läu­fig den Wech­sel Lu­las in das Re­gie­rungs­amt.

Die An­le­ger be­wer­te­ten die Ent­wick­lung po­si­tiv, denn sie er­höht die Wahr­schein­lich­keit, dass das lau­fen­de Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren ge­gen Rousseff Er­folg ha­ben und ei­nen Macht­wech­sel er­mög­li­chen wird. Der bra­si­lia­ni­sche Ak­ti­en-Leit­in­dex Ibo­ve­s­pa leg­te seit An­fang März 16% zu, der Re­al wer­te­te um 9% auf, und die Spreads auf bra­si­lia­ni­sche Staats­an­lei­hen san­ken um 100 Bp. Die Un­si­cher­heit bleibt al­ler­dings hoch, und der Rück­gang der Roh­stoff­prei­se in den ver­gan­ge­nen Ta­gen führ­te auch in Bra­si­li­en zu er­neu­ter Schwä­che.

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