Eu­ro­lands Wachs­tums­ri­si­ko

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Das ers­te Quar­tal geht mit ei­nem scha­len Nach­ge­schmack zu En­de. Ne­ben der Berg-und-Tal-Fahrt an den Ak­ti­en­märk­ten sind ver­un­si­cher­te Zen­tral­ban­ker und im­mer hart­nä­cki­ge­re De­fla­ti­ons­si­gna­le in der Eu­ro­zo­ne schuld dar­an. Eu­ro­pa hat­te jah­re­lang Zeit, sich ge­gen ei­nen neu­en Wachs­tums­schock zu wapp­nen. Als 2010 die Staats­schul­den­kri­se in Grie­chen­land aus­brach und Part­ner­staa­ten an­steck­te, wur­de be­schlos­sen, die Wirt­schaft auf Vor­der­mann zu brin­gen. Wachs­tums­hemm­nis­se soll­ten be­sei­tigt wer­den, da­mit In­ves­ti­tio­nen sich wie­der loh­nen, Stel­len ge­schaf­fen wer­den und die Ein­kom­men stei­gen.

An die­sen Zie­len ge­mes­sen ist der Aus­weis der Re­form­po­li­tik er­bärm­lich. Eu­ro­land droht zwar nicht mehr aus­ein­an­der­zu­bre­chen, aber die An­fäl­lig­keit für Wachs­tums­schocks ist heute so gross wie 2010. Die Alt­las­ten sind enorm und der Hang zu Be­sitz­stands­wah­rung aus­ge­prägt. Si­cher­lich fehl­te es in man­chen Haupt­städ­ten am nö­ti­gen po­li­ti­schen Mut, den He­bel um­zu­le­gen (sie­he da­zu Sei­te 18). Aber es soll­te nicht ver­ges­sen wer­den, dass Spa­ni­en, Por­tu­gal und selbst das in die­sem Zu­sam­men­hang häu­fig ge­schol­te­ne Ita­li­en viel ver­än­dert ha­ben. Schmerz­haf­te und po­li­tisch ris­kan­te Ge­set­ze wur­den er­las­sen. Zu häu­fig stand da­bei die Sa­nie­rung des Staats­haus­halts im Zen­trum. Die klei­nen und gros­sen Re­form­pa­ke­te tra­gen nur sel­ten da­zu bei, dass sich die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Wirt­schaft und die Stand­ort­at­trak­ti­vi­tät tat­säch­lich ver­bes­sern.

Kos­ten­vor­tei­le sind wich­tig, aber eben­so sehr zäh­len Rechts­si­cher­heit, mo­der­ne In­fra­struk­tu­ren und un­ter­neh­mer­freund­li­che bü­ro­kra­ti­sche Re­geln zu ei­ner er­folg­rei­chen Wachs­tums­po­li­tik. Das sind Staats­auf­ga­ben. In die­ser Hin­sicht be­fin­det sich Eu­ro­pas Sü­den erst ganz am An­fang.

Re­dak­tor zum The­ma Wirt­schafts­re­for­men

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