Neu­es Ka­pi­tel auf­ge­schla­gen

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - AK

Die VTG (Xe­tra: VT9; Kurs: 27.77 €; Bör­sen­wert von 799 Mio. €) hat ei­ne tur­bu­len­te Zeit hin­ter sich. Wie der Vor­stands­vor­sit­zen­de Hei­ko Fi­scher meint, hat das Wag­gon­ver­miet- und Schie­nen­lo­gis­tik­un­ter­neh­men «2015 ein ganz neu­es Ka­pi­tel auf­ge­schla­gen». Das Kern­ele­ment war da­bei die Über­nah­me der Schwei­zer AAE Ahaus Al­stät­ter Ei­sen­bahn, die mit 30 000 Gü­ter­wa­gen ei­ner der gröss­ten pri­vat­wirt­schaft­li­chen Gü­ter­wa­gen­ver­mie­ter in Eu­ro­pa ist. Die Trans­ak­ti­on wur­de im Ja­nu­ar 2015 voll­zo­gen und er­wei­ter­te die Wag­gon­flot­te von VTG auf über 80 000 – zur gröss­ten pri­va­ten Flot­te in Eu­ro­pa.

So wei­te­ten sich 2015 nach pro­vi­so­ri­schen Zah­len der Um­satz 26% auf 1,03 Mrd. € und der Be­triebs­ge­winn Ebit­da 76% auf 337 Mio. € aus. Für die­ses Jahr er­war­tet der Vor­stand ei­nen Um­satz zwi­schen 1,03 und 1,07 Mrd. € und ei­nen Ebit­da von 345 bis 355 Mio. €.

Zur Fi­nan­zie­rung des AAE-Kaufs nutz­te die 1951 ge­grün­de­te Ham­bur­ger Ge­sell­schaft erst­mals das In­stru­ment Hy­brid­an­lei­he, dem we­gen sei­ner Nach­ran­gig­keit ge­gen­über an­de­ren Fi­nanz­ver­bind­lich­kei­ten ein ei­gen­ka­pi­tal­ähn­li­cher Cha­rak­ter zu­ge­schrie­ben wird. Die mit 5% ver­zins­te Hy­brid­an­lei­he ist erst­mals nach fünf Jah­ren künd­bar; nimmt VTG die Rück­zah­lungs­mög­lich­keit nicht wahr, muss sie da­nach 8% Zins zah­len.

Nach der Gross­über­nah­me wir­ken die Bi­lanz­ver­hält­nis­se noch an­ge­spann­ter als zu­vor. Per En­de Sep­tem­ber mach­te das Ei­gen­ka­pi­tal, wenn das Hy­bridka­pi­tal da­zu­ge­rech­net wird, we­ni­ger als 25% der Bi­lanz­sum­me aus. Das Hy­bridka­pi­tal nicht da­zu­ge­rech­net, be­trug die Ei­gen­ka­pi­tal­quo­te nur 16%.

Zu Jah­res­be­ginn hat VTG nun ei­nen wich­ti­gen Schritt ge­tan, mit der Re­fi­nan­zie­rung be­ste­hen­der Bank­dar­le­hen «zu deut­lich ver­bes­ser­ten Kon­di­tio­nen». Das Un­ter­neh­men schloss mit ei­nem Kon­sor­ti­um un­ter Füh­rung der KfW IPEX-Bank und Uni­Credit neue Fi­nan­zie­rungs­ver­ein­ba­run­gen für 1,2 Mrd. € ab. So kann es jähr­lich 10 Mio. € an Kos­ten spa­ren. Im Pa­ket ent­hal­ten ist ei­ne Kre­dit­li­nie von 300 Mio. €, die Fle­xi­bi­li­tät für Wachs­tums­in­ves­ti­tio­nen gibt.

Die­se Re­fi­nan­zie­rung hat Ana­lys­ten mit ver­an­lasst, Kurs­ziel und Ak­ti­en­ein­stu­fung her­auf­zu­set­zen. Im Fe­bru­ar wur­de die jüngs­te Ab­wärts­be­we­gung der VTG-Ti­tel ge­stoppt, seit dem da­ma­li­gen Tief ha­ben sie 22% zu­ge­legt. Ein po­si­ti­ves Si­gnal ist zu­dem, dass die Ge­sell­schaft mit der Ham­bur­ger Joa­chim Herz Stif­tung und der Pri­vat­bank M.M. Warburg zwei neue Gross­ak­tio­nä­re er­hal­ten hat: Sie über­nah­men jüngst An­tei­le von 10 bzw. 5% von US-In­ves­tor Wil­bur Ross, der VTG 2007 an die Bör­se ge­führt hat­te. Kurs­stüt­zend war wohl auch, dass der Vor­stand im Fe­bru­ar mit dem pro­vi­so­ri­schen Jah­res­er­geb­nis ei­ne Er­hö­hung der Di­vi­den­de um 11% auf 0.50 € an­kün­dig­te (Ren­di­te: 1,8%).

Das Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis 2015 er­scheint nach Bloom­berg mit 35 zwar hoch. Das Ziel von VTG ist aber, bis 2018 ei­nen Ge­winn je Ak­tie von 2.50 € (2014: 0.93 €) zu er­zie­len. Auf der Ba­sis be­trü­ge das KGV noch 11. Es be­steht Po­ten­zi­al für wei­te­re Kurs­a­van­cen.

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