Chi­na, Roh­stof­fe und die Zen­tral­ban­ken

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - JOA­CHIM FELS,

Die Ent­wick­lun­gen seit der Zins­er­hö­hung der US-No­ten­bank Fed im ver­gan­ge­nen De­zem­ber hat­te wohl kaum ein Zen­tral­ban­ker, Be­ob­ach­ter oder An­le­ger vor­her­ge­se­hen. In­zwi­schen ha­ben sich die Ak­ti­en­märk­te, die Kre­dit­in­di­zes und die Öl­prei­se von ih­ren Tiefst von Mit­te Fe­bru­ar er­holt. Da­bei hal­fen ei­ne sta­bi­le­re No­tie­rung des chi­ne­si­schen Yu­ans, die Er­war­tung, dass das Fed lang­sa­mer vor­an­ge­hen wür­de, und An­zei­chen da­für, dass die EZB und die Bank of Ja­pan sich noch­mals Ge­dan­ken über die po­ten­zi­el­len Nach­tei­le von ne­ga­ti­ven Zin­sen ge­macht ha­ben könn­ten, nach­dem sie de­ren dunk­le Sei­ten ent­deckt hat­ten.

Doch un­ge­ach­tet der in jüngs­ter Zeit ru­hi­ge­ren Stim­mung an den Märk­ten dürf­te die Kon­junk­tur­dy­na­mik wei­ter nach­las­sen. Un­ter der Ober­flä­che des schwa­chen glo­ba­len Wachs­tums be­fin­den wir uns in ei­ner viel­schich­ti­gen Welt­wirt­schaft der un­ter­schied­li­chen Ge­schwin­dig­kei­ten. Zu­gleich weist kein Warn­si­gnal auf un­mit­tel­bar be­vor­ste­hen­de Pro­ble­me: kein über­mäs­si­ger Kon­sum, kei­ne über­mäs­si­gen In­ves­ti­tio­nen, kei­ne Über­hit­zung und kein geld­po­li­ti­scher «Over­kill».

Die­ses Jahr soll­ten An­le­ger für den Aus­blick auf die Welt­wirt­schaft und die glo­ba­len Fi­nanz­märk­te ein be­son­de­res Au­gen­merk auf drei Swing-Fak­to­ren rich­ten: Chi­na, Roh­stof­fe und die Po­li­tik der Zen­tral­ban­ken. Ab­hän­gig von die­sen drei Fak­to­ren kann man sich po­si­ti­ve oder ne­ga­ti­ve Schat­tie­run­gen für die Ent­wick­lung der Wirt­schaft und der Märk­te in die­sem Jahr vor­stel­len.

Den­noch bleibt un­ser Ba­sis­sze­na­rio für den zy­kli­schen Aus­blick vor­sich­tig op­ti­mis­tisch: Es ist wahr­schein­li­cher, dass es Chi­na ge­lingt, die Schwie­rig­kei­ten auf­grund der Ka­pi­tal­ab­flüs­se oh­ne ei­ne grös­se­re, zer­stö­re­ri­sche Ab­wer­tung zu be­wäl­ti­gen, als dass Pe­king da­bei schei­tert; die Öl­prei­se wer­den eher stei­gen als sin­ken, und die Zen­tral­ban­ken schei­nen ge­willt und in der La­ge zu sein, die rich­ti­gen In­stru­men­te zu fin­den, um die An­la­gen­prei­se zu stüt­zen und das Wirt­schafts­wachs­tum auf Kurs zu hal­ten.

Doch an­ge­sichts des­sen, dass wir nicht si­cher wis­sen kön­nen, wel­ches Sze­na­rio sich ver­wirk­li­chen wird, ist es sinn­voll, sehr sorg­fäl­tig an den Port­fo­li­o­auf­bau im Ob­li­ga­tio­nen­be­reich her­an­zu­ge­hen.

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