Die No­ten­ban­ken stüt­zen

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - HEINZ RÜT­TI­MANN,

Die USA und die Emer­ging Mar­kets ho­len auf, Eu­ro­pa liegt zu­rück.

Nach ei­ner ent­täu­schen­den Re­ak­ti­on auf die Lo­cke­rung der Geld­po­li­tik der EZB am 10. März ha­ben die glo­ba­len Ak­ti­en- und Roh­stoff­prei­se die re­du­zier­ten Zins­pro­gno­sen des Of­fen­markt­aus­schus­ses der US-No­ten­bank von Mit­te März be­ju­belt. Of­fen­bar war­tet das Fed auf An­zei­chen, dass die jüngs­te Schwä­che­pha­se über­wun­den ist, be­vor die gross­zü­gi­ge Geld­po­li­tik wei­ter zu­rück­ge­fah­ren wird. Die US-Wäh­rungs­hü­ter schei­nen auf­grund der ver­hal­te­nen Kon­junk­tur­per­spek­ti­ven kei­ne Ei­le zu ha­ben, die Zin­sen zu er­hö­hen.

Das gibt den Ak­ti­en­märk­ten grü­nes Licht für die nächs­ten paar Mo­na­te. Der S&P 500 hat den zwi­schen­zeit­li­chen Ver­lust von über 10% in die­sem Jahr wett­ge­macht und schreibt seit Jah­res­an­fang ei­ne schwar­ze Null. Schwel­len­län­der­ak­ti­en ha­ben über­durch­schnitt­lich zu­ge­legt und der MSCI Emer­ging Mar­kets steht seit Jah­res­an­fang mit 2,4% im Plus. Da­von kann Eu­ro­pa nur träu­men, liegt doch der Sto­xx 600 mit –8% im­mer noch im tief­ro­ten Be­reich.

Für die west­li­chen Märk­te er­ge­ben sich ins­ge­samt eher tr­ü­be Aus­sich­ten bei hö­he­rer Vo­la­ti­li­tät. Die US-Wirt­schaft hat ih­ren Höchst­punkt über­schrit­ten, die Mar­gen sind un­ter Druck und die Be­wer­tun­gen auf er­höh­tem Ni­veau. Eu­ro­pa sieht zwar bei den Be­wer­tun­gen ein biss­chen bes­ser aus, lässt aber bei der Ge­winn­dy­na­mik zu wün­schen üb­rig. In ei­ner sol­chen Markt­si­tua­ti­on gilt es, sich flink zu ver­hal­ten und auf Ne­ben­schau­plät­ze aus­zu­wei­chen.

Glo­ba­le Va­lue-Ak­ti­en

Ein sol­cher Ne­ben­schau­platz sind glo­ba­le Va­lue-Ti­tel. Dies sind preis­güns­ti­ge Ak­ti­en mit ge­sun­der Bi­lanz und ho­her Di­vi­den­den­ren­di­te. Nach­dem sie von den In­ves­to­ren ge­gen­über Wachs­tums­ak­ti­en über meh­re­re Jah­re ver­nach- läs­sigt wur­den, sind die­se Ti­tel deut­lich at­trak­ti­ver ge­wor­den. Die Ver­nach­läs­si­gung hat nun ein Aus­mass er­reicht, das mit der In­ter­net­bla­se von 1999/2000 ver­gleich­bar ist. In den letz­ten Wo­chen ha­ben die­se Pa­pie­re denn auch ei­ne Out­per­for­mance ge­gen­über Wachs­tums­ak­ti­en ge­zeigt.

Eu­pho­rie wä­re je­doch fehl am Platz: Fak­to­ren wie nied­ri­ge An­lei­he­ren­di­ten und fla­che Zins­kur­ven sor­gen wei­ter­hin für star­ken Ge­gen­wind. Trotz­dem kön­nen flin­ke In­ves­to­ren über die nächs­ten vier bis sechs Mo­na­te pro­fi­tie­ren. Die Markt­dy­na­mik ist po­si­tiv; mit der Öl­preis­sta­bi­li­sie­rung und den Be­mü­hun­gen von Chi­nas Be­hör­den zur Wirt­schafts­sti­mu­lie­rung sind die Kon­junk­tur­sor­gen in den Hin­ter­grund ge­tre­ten. Dies ist in der Re­gel ein güns­ti­ges Um­feld für Va­lue-Ak­ti­en. Be­vor­zug­te Sek­to­ren sind die Tele­com-Bran­che oder Ver­si­che­rungs­ti­tel.

Schwel­len­län­der Asi­ens

Ein wei­te­rer Ne­ben­schau­platz für flin­ke In­ves­to­ren sind die Schwel­len­län­der Asi­ens. Von den drei auf­stre­ben­den Re­gio­nen welt­weit ha­ben asia­ti­sche Schwel­len­län­der beim Ri­si­ko-Ren­di­te-Ver­hält­nis die Na­se vorn. Die Be­wer­tun­gen sind güns­tig und die Re­gi­on hat bei geld- und fis­kal­po­li­ti­schen Mass­nah­men bei wei­tem den gröss­ten Spiel­raum. Die po­si­ti­ve Ther­mik dürf­te im Os­ten über die nächs­ten paar Mo­na­te an­hal­ten.

Ne­ben der Er­ho­lung des Öl­prei­ses und dem schwä­che­ren Dol­lar ist die drit­te Qu­el­le des Auf­winds die wie­der­ge­fun­de­ne Sta­bi­li­tät des chi­ne­si­schen Yuan. All­ge­mein hat sich die Wahr­neh­mung ge­gen­über Chi­na kurz­fris­tig ver­bes­sert. Mit dem kürz­lich be­en­de­ten jähr­li­chen Volks­kon­gress seg­ne­te Chi­na ei­nen Fünf­jah­res­plan für die Jah­re 2016 bis 2020 ab. Um das am­bi­tiö­se Wachs­tums­ziel zu er­rei­chen, will Pe­king die Fi­s­ka­l­aus­ga­ben er­hö­hen, was zu ei­nem stei­gen­den Haus­halts­de­fi­zit füh­ren wird. Das ent­schlos­se­ne Vor­ge­hen der chi­ne­si­schen Be­hör­den zur Sti­mu­lie­rung des Wachs­tums hat die An­le­ger vor­erst be­ru­higt.

Ein mög­li­cher Grund für kom­men­de Tur­bu­len­zen liegt dar­in, dass Chi­nas Wirt­schaft von ei­ner mas­si­ven Schul­den­last, Über­schuss­ka­pa­zi­tä­ten und de­fla­tio­nä­ren Kräf­ten be­las­tet ist. Der zwei­te Grund ist, dass sich das Fed ag­gres­si­ver ver­hal­ten wird, je län­ger die Ral­ly bei Roh­stof­fen an­hält. Dies wird zur ei­ner Rei­he von Pro­ble­men bei den Roh­stof­fen, Schwel­len­län­dern und Schwel­len­län­der­wäh­run­gen füh­ren.

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