Be­frei­ung

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - GA

Was ha­ben Gross­han­del von Nah­rungs­mit­teln und Ver­kauf von Un­ter­hal­tungs­elek­tro­nik ge­mein­sam? We­nig bis gar nichts. Das sagt sich der deut­sche Han­dels­kon­zern Me­tro (Frankfurt: MEO, Kurs: 26.40 €, Bör­sen­wert 8,62 Mrd. €), der die­se Ge­schäfts­be­rei­che bis­her un­ter ei­nem Dach ver­eint hat. Nun prüft das Un­ter­neh­men die Auf­spal­tung: Bis Mit­te 2017 sol­len zwei un­ab­hän­gi­ge, ko­tier­te Ge­sell­schaf­ten ent­ste­hen, de­nen bei­den das Po­ten­zi­al zur Lis­tung im MDax at­tes­tiert wird.

Der Plan trägt die Hand­schrift von Olaf Koch, der Me­tro seit 2012 als CEO führt. Seit­her hat der 45-jäh­ri­ge Be­triebs­wirt das Kon­glo­me­rat, das knapp 60 Mrd. € um­setzt, ver­schlankt und ent­schul­det. Koch ging krea­tiv an den Um­bruch des lan­ge Zeit ori­en­tie­rungs­lo­sen Kon­zerns her­an. Me­tro be­gann wie­der zu wach­sen, die Er­trags­kraft nahm zu.

Ein wich­ti­ger Schritt war der Ver­kauf der Wa­ren­haus­ket­te Kauf­hof an die ka­na­di­sche Hud­son’s Bay Com­pa­ny im ver­gan­ge­nen Jahr. Sie brach­te 2,8 Mrd. € ein, die für den Schul­den­ab­bau will­kom­men wa­ren. Erst auf die­ser Ba­sis konn­te Me­tro ernst­haft über ei­ne neue Or­ga­ni­sa­ti­ons­form nach­den­ken. Ge­plant ist die Ab­spal­tung des Le­bens­mit­tel­han­dels (38 Mrd. € Um­satz mit u. a. Cash & Car­ry, Re­al Su­per­märk­te) in ei­ne se­pa­ra­te Ein­heit. Im Rechts­man­tel von Me­tro bleibt die Un­ter­hal­tungs­elek­tro­nik (22 Mrd. € mit Me­dia­markt, Sa­turn). Das Pro­jekt wird nun im De­tail aus­ge­ar­bei­tet und Kon­zern­lei­tung, Auf­sichts­rat und Ak­tio­nä­ren vor­ge­legt. Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der ist Jür­gen St­ei­ne­mann, bis Herbst 2015 CEO von Bar­ry Cal­le­baut. Er hat eben­so Zu­stim­mung si­gna­li­siert wie die Gross­ak­tio­nä­re Ha­ni­el, Schmidt-Ru­then­beck und Beis­heim, die zu­sam­men fast 50% an Me­tro hal­ten.

Kommt die Auf­spal­tung, hat es Erich Kel­ler­hals, streit­ba­rer Min­der­heits­ak­tio­när von Me­dia-Sa­turn, schwe­rer, sei­ne Ve­to­macht im Un­ter­hal­tungs­elek­tro­nik­ge­schäft durch­zu­set­zen und sei­nen Ein­fluss auf Kon­zern­lei­tungs­ent­schei­de gel­tend zu ma­chen. Un­ter die­sem Aspekt ist das Tren­nungs­vor­ha­ben erst recht als Be­frei­ungs­schlag zu wer­ten.

Die Auf­spal­tungs­fan­ta­sie hat den Me­tro-Ak­ti­en (KGV 15 für 2015/16) bis­her ei­nen Kurs­ge­winn von 7% ge­bracht. Es muss nicht der letz­te ge­we­sen sein. Die Kon­stel­la­ti­on mit zwei un­ter­neh­me­risch frei­en Ge­sell­schaf­ten dürf­te mehr Auf­wärts­be­we­gung in den Ak­ti­en­kurs brin­gen. Denn durch die Fo­kus­sie­rung ge­win­nen bei­de Pfei­ler an Gestal­tungs­kraft. Das Kern­ge­schäft Cash & Car­ry ist nicht aus­ge­reizt und kann gut in­tern wach­sen. In der Elek­tro­nik könn­te Me­tro im Bran­chen­po­ker – der Er­werb der bri­ti­schen Dar­ty durch Con­f­o­ra­ma/ St­ein­hoff ist das jüngs­te Bei­spiel – ei­ne ak­ti­ve Rol­le über­neh­men. Gu­te Aus­sich­ten für Me­tro-Ak­tio­nä­re, die sich in den letz­ten zwei Jah­ren auf ei­ner Ach­ter­bahn­fahrt ge­fühlt ha­ben müs­sen, und für An­le­ger, die im Kon­sum­be­reich ei­ne Al­ter­na­ti­ve su­chen.

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